Welt 05.10.2026
09:32 Uhr

Deserteur Ronaldo kassiert die nächste Ohrfeige vom Nationaltrainer


Es läuft ohne den geflüchteten Superstar: Portugal gewinnt ohne Cristiano Ronaldo auch gegen Norwegen. Ob CR7 noch einmal zurückkehrt, wird der Trainer gefragt. Er antwortet gern.

Deserteur Ronaldo kassiert die nächste Ohrfeige vom Nationaltrainer

Nach der vorzeitigen Qualifikation für das Viertelfinale der Nations League hat sich Portugals Fußball-Nationaltrainer Jorge Jesus offen für die Rückkehr von Superstar Cristiano Ronaldo gezeigt. Zumindest öffentlich. Jesus will offenbar nicht der Mann sein, der die Nationalmannschaftskarriere des 41-Jährigen beendet. Dabei hätte er allen Grund dazu. Portugals Rekordspieler und -torschütze hatte die Nationalmannschaft unter der Woche verlassen (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6abfb56fd4d0c24ec26d1a92/portugal-nach-45-minuten-wird-das-ronaldo-protest-plakat-entfernt.html) , nachdem er beim 2:1 im Hinspiel in Norwegen nicht eingesetzt worden war und für das folgende Spiel in Dänemark (4:2) nicht für die Startelf vorgesehen war. Ronaldo (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ronaldinho/) ist desertiert, einen gewichtigeren Grund für das Ende der Zusammenarbeit kann es für einen Trainer kaum geben. Jesus, der ohne Ronaldo Erfolg um Erfolg feiert, zieht aber offenbar eine subtilere Methode vor. Nach dem 2:1-Erfolg gegen Norwegen in Porto sagte er: „Für mich ist Cris bei der nächsten Nominierung – sofern er bei Al-Nassr spielt – ein Kandidat für den Kader. Wenn er zurückkehren will, wird er zurückkehren.“ Den großen Ronaldo einen Kandidaten (Stammplatz im Verein vorausgesetzt) zu nennen, ist nicht weniger als eine Ohrfeige. Zumal der 72-Jährige davon ausgehen muss, dass der beleidigte Ronaldo seine Einladung kaum annehmen wird. Das Kalkül dürfte vielmehr sein, dass der Altstar von sich aus verzichtet. Und so sprach Jesus, der Ronaldo in der vorigen Saison bei Al-Nassr in Saudi-Arabien trainiert hatte und den Klub zur Meisterschaft geführt hatte, von einem Missverständnis, das leicht zu klären sei. Die Entscheidung über eine Rückkehr Ronaldos im November würde nicht allein bei ihm liegen: „Ich weiß nicht, was passieren wird. Cris ist derjenige, der entscheiden wird.“ Portugals Verbandspräsident Pedro Proença kündigte an, zwischen Ronaldo und Jesus zu vermitteln. „Jetzt, da diese vier Spiele vorbei sind, werden wir alle die Zeit und Ruhe haben, uns hinzusetzen und ein Missverständnis zu lösen.“ Bislang bestritt der 41-jährige Ronaldo für Portugal 234 Länderspiele, in denen er 146 Tore erzielte – beides Rekordmarken im internationalen Fußball. Ronaldos designierter Nachfolger trifft dreifach Titelverteidiger Portugal gewann alle drei Nations-League-Spiele in der turbulenten Woche ohne Ronaldo und steht vorzeitig im Viertelfinale. In allen drei Spielen traf zudem der anstelle von Ronaldo als Mittelstürmer aufgebotene Gonçalo Ramos. Die Spieler der portugiesischen Nationalmannschaft zeigten sich öffentlich um Zusammenhalt bemüht. Der neue Kapitän Bruno Fernandes etwa nannte Ronaldo „das größte Symbol unserer Nationalmannschaft, unseres Fußballs und unseres Landes“. Auch die beiden Außenverteidiger Nuno Mendes und João Cancelo äußerten sich. „Wenn Cris zurückkehrt, empfangen wir ihn mit offenen Armen“, sagte Mendes. Cancelo ergänzte: „Ich glaube, dass die Dinge auf die bestmögliche Weise ausgehen werden. Wir alle wollen, dass die Situation ruhig und mit dem Respekt gelöst wird, den Cristiano verdient.“