Welt 08.05.2026
18:22 Uhr

„Der Wolf war dann doch eine kleine Überraschung“


Eine Überwachungskamera am Bahnhof Bremervörde hat einen Wolf auf dem Betriebsgelände gefilmt – mitten in der Nacht. So denken die Mitarbeiter des Bahnunternehmens über den ungewöhnlichen Gast.

„Der Wolf war dann doch eine kleine Überraschung“

Ein Wolf ist über ein Bahnhofsgelände in Bremervörde gelaufen. Eine Überwachungskamera zeichnete das Raubtier in einer Nacht Ende April auf, wie eine Sprecherin der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (evb) auf Nachfrage mitteilte. Zunächst hatten lokale Medien über die Sichtung im Landkreis Rotenburg berichtet. Das Umweltministerium bestätigte, dass die Aufnahmen tatsächlich einen Wolf zeigen. „Uns liegt eine bestätigte Wolfssichtung vom 27.4.2026 am Bahnübergang in Bremervörde vor“, schrieb ein Ministeriumssprecher. Demnach war der Wolf auch am Bahnhof. „Hier trat eine Person auf einen Balkon hinaus, woraufhin der Wolf umkehrte“, berichtete der Sprecher. Nach bisherigen Erkenntnissen handele es sich um einen Einzelfall. Wie genau der Wolf auf das Gelände kam, ist unklar. „Da das Betriebsgelände der evb, insbesondere der Bahnhof, weitestgehend eingezäunt und in der Nacht hell erleuchtet ist, muss der Wolf einen Weg auf das Gelände gefunden haben, der offen ist“, sagte die evb-Sprecherin. Vermutlich sei er aus einem kleinen Waldgebiet über eine Straße und einen Bahnübergang auf das Betriebsgelände gelangt. „Es war unserer Erkenntnis nach die erste Wolfssichtung dieser Art.“ Bei den Beschäftigten des Verkehrsunternehmens löste der nächtliche Ausflug des Raubtieres unterschiedliche Reaktionen hervor. „Von Erstaunen bis hin zum ‚mulmigen Gefühl‘ war alles dabei“, berichtete die Sprecherin. „Wir sind nun einmal ländlich geprägt, da rechnet man auch mit Wildtieren, die den Weg kreuzen.“ Rehe oder Hasen seien keine Seltenheit. „Aber der Wolf war dann doch eine kleine Überraschung.“ Das Tier sei sofort weggelaufen, als es Geräusche hörte. „Meine Vermutung ist, dass es ein junger und damit sehr neugieriger Wolf war.“ Ende März zog ein Wolf durch das Hamburger Stadtgebiet und verletzte eine Frau. Das männliche Jungtier wurde eingefangen und später wieder ausgewildert. Da der Wolf mit einem Sender ausgestattet wurde, kann die Umweltbehörde verfolgen, wo er ist. Ende April hielt sich das Tier mehr als 100 Kilometer entfernt von der Hamburger Stadtgrenze auf - arttypisch und völlig unauffällig, wie die Behörde mitteilte.