Welt 21.09.2026
05:19 Uhr

„Demütigende Doppelniederlage“ – Das sagt die internationale Presse


Von einer „weiteren politischen Zäsur“ spricht die Schweiz. Eine „düstere Symbolkraft“ erkennt Großbritannien. Die schlechten Wahlergebnisse der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern machen auch im Ausland Schlagzeilen.

„Demütigende Doppelniederlage“ – Das sagt die internationale Presse

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erhält die CDU nur 4,9 Prozent der Stimmen und zieht somit erstmals nicht in den Landtag ein. Bei der Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin liegt die CDU mit 18,8 Prozent der Stimmen deutlich hinter der Linken (25,7 Prozent). Für dieses Wahldesaster interessiert sich auch das Ausland. Die „BBC“ platziert einen Artikel zur CDU-Niederlage an oberster Stelle der Webseite. Alle News und Entwicklungen: Liveticker zu den Wahlen in MV und Berlin (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aafd698b1857e86757a8482/wahlen-in-berlin-und-mv-franziska-giffey-kuenftig-nicht-mehr-im-berliner-abgeordnetenhaus-vertreten-liveticker.html) . Schweiz „NZZ“ : „Die CDU erlebt ein Debakel bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin steuert auf eine sozialistische Regierung zu.“ Und weiter: „Auf den deutlichen Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen folgt in Deutschland eine weitere politische Zäsur.“ Großbritannien „The Times“ : „Es ist mit Abstand das schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Landtagswahl. Der Ausschluss aus dem Landesparlament wird für eine Partei, die sich traditionell als tragende Säule der deutschen Regierungsführung verstand, eine düstere Symbolkraft haben.“ „The Telegraph“: „Merz hält sich nach demütigender Doppelniederlage an der Macht.“ Und weiter: „Der Mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten. Mit einer Zustimmungsquote von nur 10 Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt.“ „The Guardian“: „Der äußerst unbeliebte Merz kämpft um sein politisches Überleben, nachdem er in diesem Jahr eine Reihe demütigender Rückschläge bei den Wählern hinnehmen musste. […] Der schwindende Rückhalt für Merz hat in Europas größter Volkswirtschaft ein Gefühl der Instabilität ausgelöst. Deutschland kämpft mit Deindustrialisierung, schwachem Wirtschaftswachstum und stark gestiegenen Energiekosten. Sollte der Aufstieg der AfD dazu führen, dass Merz das Kanzleramt vorzeitig aufgibt, würde dies der extremen Rechten zusätzlichen Auftrieb geben – zu einem Zeitpunkt, da Frankreich, Italien, Spanien und Polen im kommenden Jahr vor Wahlen stehen und nationalistische Parteien auf dem Vormarsch sind.“ Polen „Gazeta Wyborcza“ : „Behält Friedrich Merz sein Amt?“ Und weiter: „Als er die Führung der CDU übernahm, hatte Merz versprochen, dass er die Unterstützung für die AfD halbieren würde. Heute wird ihm vorgeworfen, dass er zum Wachsen ihrer Popularität beigetragen hat.“ Kanada „Le Devoir“ : „Regionalwahlen setzen deutsche Regierungspartei unter Druck. Die rechtsextreme AfD legt weiter zu und gewinnt eine Landtagswahl in Deutschland.“ Und weiter: „‚Das zeigt uns, dass nach wie vor eine gewisse Unsicherheit darüber herrscht, welchen Kurs das Land einschlagen soll‘, erklärte Anthony Steinhoff, Geschichtsprofessor an der Université du Québec à Montréal (UQAM) und Deutschlandexperte. Seiner Ansicht nach spiegeln die Wahlergebnisse vor allem die Unzufriedenheit mit den Parteien wider, die in den vergangenen Jahren Regierungsverantwortung getragen haben, ohne dass sich bislang ein Konsens über den künftigen Kurs des Landes abzeichnet.“ Frankreich „Le Figaro“ : „In Deutschland feiert die extreme Rechte ihren Sieg im Nordosten“ „TV5Monde“ : „Die ersten sechzehn Monate von Friedrich Merz als Bundeskanzler waren von langsamen Entscheidungsprozessen geprägt, nicht zuletzt wegen wiederholter Auseinandersetzungen zwischen Konservativen und Sozialdemokraten. Dadurch entstand der Eindruck, dass er seine fragile Regierungsmehrheit nicht im Griff hatte. Der Bundeskanzler, dessen Unbeliebtheit ein historisch hohes Niveau erreicht hat, war bereits durch den politischen Paukenschlag vom 6. September 2026 geschwächt worden, als die migrationskritische und russlandfreundliche Alternative für Deutschland (AfD) der CDU eine schwere Wahlniederlage zufügte.“ Spanien „El País“ : „Die extreme Rechte legt bei den deutschen Landtagswahlen stark zu und verschärft die Krise der CDU.“ Und weiter: „Bundeskanzler Merz räumt das ‚Desaster‘ in Mecklenburg-Vorpommern ein: Dort gewinnt die AfD, während seine Partei erstmals ohne parlamentarische Vertretung bleibt. Die postkommunistische Linke siegt in Berlin. […] Das Wahlergebnis in diesen beiden Ländern verschärft die Legitimationskrise von Merz.“