Welt 06.07.2026
01:34 Uhr

„Das ist unser Spiel“ – Klopps Warnung an die „ahnungslosen“ Trump und Infantino


Donald Trump soll erfolgreich die Aufhebung der Rot-Sperre eines US-Spielers gefordert haben. Jürgen Klopp ist außer sich und richtet einen Appell an die Nationalelf der USA, den Stürmer nicht aufzustellen. Auch Patrick Ittrich und Tabea Kemme finden deutliche Worte.

„Das ist unser Spiel“ – Klopps Warnung an die „ahnungslosen“ Trump und Infantino

Diese Geschichte hat das Potenzial, die große Story dieser Fußball-Weltmeisterschaft zu werden. Bislang hatte sich US-Präsident Donald Trump bei dem Heimturnier überraschend zurückgehalten. Der Träger des Fifa-Friedenspreises besuchte bislang kein einziges WM-Spiel. Und dennoch sorgt er nun für große Schlagzeilen. Ein schlimmer Verdacht steht im Raum. Es geht um Einflussnahme. Nach der roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun habe sich Trump informierten Kreisen zufolge persönlich für eine Aufhebung der Sperre eingesetzt. Trump habe den Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa, Gianni Infantino (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/gianni-infantino/) , nach dem Platzverweis am Mittwoch angerufen und ihn gebeten, die Entscheidung zu überprüfen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag aus einer mit dem Fall vertrauten Quelle. Die Fifa hob die Sperre am Sonntag tatsächlich auf. Balogun, mit bislang drei Turniertreffern bester Torschütze seines Teams bei der WM, steht der US-Mannschaft somit im Achtelfinale gegen Belgien in der Nacht zum Dienstag (2 Uhr MESZ) zur Verfügung. „Danke an die Fifa (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/fifa/) dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen“, schrieb Trump am Sonntag nach der Kehrtwende des Weltverbands auf seiner Plattform Truth Social. Auch bei Magenta TV waren die Vorgänge nach dem Achtelfinalsieg Norwegens gegen Brasilien Thema. Moderator Johannes B. Kerner bezeichnete den Fall „unappetitlich“ und fragte sein Expertenteam Tabea Kemme und Jürgen Klopp (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/juergen-klopp/) : „Das hat doch Geschmäckle, oder?“ Klopps Appell und Kemmes Warnung Kemme antwortete zuerst: „Das hat auf jeden Fall Geschmäckle, und da muss auch die Fifa-Ethikkommission mit eingreifen, die genau solche Fälle ahnden und da die Beweislage checken muss“, sagte sie. Klopp stieg süffisant mit ein: „Steht dieser nicht auch Infantino vor?“ Der designierte Bundestrainer fand anschließend umso deutlichere Worte. Klopp startete einen überraschenden Appell an die Nationalelf der USA: „Wenn es tatsächlich so war, gibt es immer noch die Möglichkeit, dass die USA ihn trotzdem nicht aufstellen. Weil sie sagen: Okay, so wollen wir das nicht haben. Die Möglichkeit besteht auch.“ Ein interessanter Vorschlag, der Klopps generelle Hoffnung andeutete: dass sich der Sport von der Politik abgrenzt. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel. Das muss man ganz kurz sagen. Unser Spiel! Das hier ist ganz einfach eine Tatsachenentscheidung. Da sind so lächerliche rote Karten in der Vergangenheit gegeben worden, wo alle nachher sagen, das war keine rote Karte. Und trotzdem bleiben sie bestehen, weil es Tatsachenentscheidungen sind. Und hier gehen wir ran. Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt.“ Kemme flankierte und machte mögliche Konsequenzen einer solchen Entscheidung deutlich: „Wo soll das hinführen, wenn die Franzosen jetzt quasi auch noch die gelbe Karte von Olise annullieren wollen? Also das ist ja irre, ein fortschreitendes Handeln“, sagte die deutsche Fußball-Olympiasiegerin und erinnerte, dass die Fifa bei ihrer überraschenden Entscheidung auf eine Begründung verzichtet hatte: „Die muss halt transparent gemacht werden, was nicht gegeben ist.“ Ittrichs Forderung an die Sportpolitik Klopp wurde noch deutlicher und adressierte beinahe schon wütende Worte in Richtung von Infantino und Trump: „Diese beiden Menschen, die beide vom Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“ Abschließend war es an Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich, die Gemengelage noch einmal sachlich zu bewerten: „Das Interessante ist in der Tat, dass wir keine Begründung haben. Es wird irgendwann eine Begründung nachgeliefert, und am Ende wissen wir überhaupt nicht, worum es geht. Es geht in der Tat um den Sport und Schiedsrichter (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/schiedsrichter/) und Trainer und Spieler und Spielerinnen, alle sind an diesem Spiel beteiligt, und darum soll es gehen. Und nicht, dass Politiker in der Sportpolitik entscheiden, wie es hier weitergeht. Paragrafen hin und her, Kommissionen hin und her. Es wird nach Begründungen gesucht, dass der Spieler spielt. Und das ist sehr fadenscheinig und für mich auch in keiner Form vertretbar.“