Nach dem Tod des früheren Cambridge-Professors Jason Arday (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a7f74ea169e8e32c0ae89c3/nach-plagiatsvorwuerfen-umstrittener-cambridgeprofessor-kurz-nach-ruecktritt-tot-aufgefunden-familie-erhebt-vorwuerfe.html) hat der Kanzler der Universität von einer „rassistischen Hetzjagd“ gegen den 41-Jährigen in den vergangenen Wochen gesprochen. Arday war zuletzt im Zuge von Plagiatsvorwürfen von seinem Posten an der weltbekannten Universität zurückgetreten. Am Freitag war er leblos in London aufgefunden worden. Plagiatsvorwürfe gegen jeden Wissenschaftler müssten gründlich untersucht werden, sagte Kanzler Lord Chris Smith of Finsbury der BBC. „Gleichzeitig muss man sich weigern, sich an einer rassistischen Hetzjagd gegen einen bestimmten Wissenschaftler zu beteiligen.“ 2023 war Arday zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Universität Cambridge geworden. Seine Ernennung wurde als progressiver Meilenstein gefeiert. Doch in den vergangenen Wochen bekam das Image des Akademikers Risse. Neben Plagiatsvorwürfen wurde an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte gezweifelt. Arday hatte die Vorwürfe bestritten, war nach großer öffentlicher Kritik schließlich aber von seinem Posten zurückgetreten. Am Montagabend versammelten sich in London tausende Menschen zu einer Mahnwache für Arday. Die Organisatoren der Kundgebung am Montagabend auf dem Trafalgar Square sprachen von rund 30.000 Teilnehmern, was die Nachrichtenagentur AFP nicht unmittelbar bestätigen konnte. Viele waren in Schwarz gekleidet und trugen Rosen und Sonnenblumen sowie Banner mit der Aufschrift „Rest in Power Professor Jason Arday“. Abgeordnete spricht von „Kampagne gegen uns alle“ Ardays Familie nahm nicht an der von der Organisation Stand Up To Racism organisierten Mahnwache teil, veröffentlichte jedoch eine Erklärung, die der Menge vorgelesen wurde. Darin dankte sie den Unterstützern für ihre „Liebe, Unterstützung und Trauer“. „Die öffentliche Grausamkeit, der Jason ausgesetzt war, war für keinen Menschen zu ertragen“, hieß es in der Erklärung weiter. „Seine Leistungen waren groß, und wir wollen nicht, dass Verzerrungen seines Charakters sie überschatten.“ Die Abgeordnete Diane Abbott, die erste schwarze Frau, die je ins britische Parlament gewählt wurde, sprach in einer Rede vor den Teilnehmern der Mahnwache von einer „Kampagne gegen uns alle“. Die 69-jährige pensionierte Legasthenie-Lehrerin Claire Lynch sagte AFP am Rande der Mahnwache, sie sei von dem, was Arday widerfahren sei, „entsetzt“ gewesen. Sie sprach von einer „Jagd“. Der 89-jährige Alex Pascall sagte, Ardays Tod müsse als „Weckruf“ dienen. Es sei „an der Zeit, dass solche Dinge aufhören“.