Welt 15.05.2026
01:00 Uhr

CIA-Chef überraschend nach Kuba gereist – USA prüfen Anklage gegen Ex-Präsident Raúl Castro


Während sich die Versorgungslage auf Kuba weiter verschärft, trifft CIA-Chef John Ratcliffe auf der Karibikinsel führende Vertreter der kommunistischen Führung. Die Gespräche erfolgen inmitten wachsender Spannungen zwischen Washington und Havanna.

CIA-Chef überraschend nach Kuba gereist – USA prüfen Anklage gegen Ex-Präsident Raúl Castro

Der Direktor des US-Auslandsgeheimdiensts CIA, John Ratcliffe, hat sich auf Kuba mit Vertretern des sozialistischen Karibikstaats getroffen. Die Zusammenkunft mit ranghohen Beamten des Innenministeriums habe auf Antrag der US-Regierung stattgefunden, teilte die kubanische Regierung mit. Vor dem Hintergrund „komplexer“ bilateraler Beziehungen habe der Besuch darauf gezielt, den politischen Dialog zwischen beiden Ländern zu fördern. Kubas Vertreter hätten bei dem Treffen mit Ratcliffe und der US-Delegation eindeutig nachweisen können, dass die Insel „keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA“ darstelle, erklärte die Regierung in Havanna. Es gebe keinen Grund, das Land weiterhin auf der US-Liste der staatlichen Sponsoren von Terrorismus zu führen, für die Sanktionen gelten. Kuba finanziere oder dulde keine terroristischen Organisationen und habe „niemals feindliche Aktivitäten gegen die USA unterstützt“. Seit der Revolution 1959 sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern angespannt, mit dem jüngsten Regierungswechsel in Washington haben sie sich nochmals verschärft. Als eine seiner ersten Amtshandlungen nach dem erneuten Einzug ins Weiße Haus hatte US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 den von der Kommunistischen Partei regierten Inselstaat wieder auf die US-Terrorliste gesetzt. Er erhöhte den Druck, um auf Kuba einen wirtschaftlichen und politischen Wandel im Interesse der USA zu forcieren. In den vergangenen Monaten führten die beiden Regierungen nach eigenen Angaben Gespräche, deren Inhalt nicht bekannt ist. Parallel zu dem Besuch der CIA-Delegation kündigte das US-Außenministerium an, dass die 27-Jahre alte kubanische Regierungskritikerin Sissi Abascal Zamora und ihre Familie ins Exil in die USA gegangen seien. Abascal wurde am Donnerstag aus der Haft entlassen. Sie war nach den großen Protesten vom 11. Juli 2021 gegen die Regierung zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Am Dienstag hatte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social erklärt: „Kuba bittet um Hilfe, und wir werden reden!!!“ Weitere Angaben zu den Gesprächen machte er nicht. Trump hatte immer wieder gesagt, die USA wollten Kuba „übernehmen“. Das nährte auf der Insel Befürchtungen einer militärischen Intervention. UN-Experten werfen den USA zudem vor, Kuba durch den Entzug venezolanischen Öls regelrecht „auszuhungern“. Das US-Militär hatte im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und in die USA gebracht. Anschließend sorgte Washington dafür, dass Venezuela als der bis dahin wichtigste Öllieferant Kubas seine Lieferungen an den Karibikstaat einstellte. Kuba steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Sie ist durch Stromausfälle und rationiertes Benzin geprägt. Am Donnerstag hatte die Regierung mitgeteilt, die von Russland gelieferten Ölreserven seien nun „aufgebraucht“. Die Stromversorgung brach erneut großflächig zusammen. USA wollen offenbar Kubas Ex-Staatschef anklagen Trotz laufender Gespräche unternehmen die USA Medienberichten zufolge Schritte, um den 94-jährigen kubanischen Ex-Präsidenten Raúl Castro anzuklagen. Die mögliche Anklage soll sich auf den tödlichen Abschuss von Flugzeugen einer exilkubanischen Organisation durch Kuba im Jahr 1996 konzentrieren, berichtete der Sender CBS News (verlinkt auf https://www.cbsnews.com/news/us-moving-to-indict-cubas-raul-castro-officials-say/) unter Berufung auf US-Beamte. Die Zeitung „ USA Today (verlinkt auf https://eu.usatoday.com/story/news/world/2026/05/14/us-seeks-raul-castro-indictment-1996-cuba-plane-shootdown/90087810007/) “ setzte eine mögliche Anklage ebenfalls in Zusammenhang mit dem 30 Jahre alten Fall. Sie stützt sich dabei auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Für eine solche Anklage bräuchte es üblicherweise die Zustimmung einer Grand Jury. Eine solche Gruppe Geschworener kann in den USA nach der Vorlage von Beweismitteln durch die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob in einem Fall Anklage erhoben wird. Die kubanische Luftwaffe hatte am 24. Februar 1996 zwei Flugzeuge der damals in Miami ansässigen exilkubanischen Organisation „Hermanos al Rescate“ (Brüder zur Rettung) bei einem Flug vor der kubanischen Küste abgeschossen. Nach Darstellung Havannas waren die Cessnas in den kubanischen Luftraum eingedrungen. Die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) kam aber zu dem Schluss, dass sie sich über internationalen Gewässern befanden. Drei der Todesopfer waren US-Bürger. Die exilkubanische Organisation stellte 2003 ihre Arbeit ein.