Der politische Druck auf Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wächst. Nach monatelanger Kritik an seinem Krisenmanagement beim tagelangen Stromausfall in der Hauptstadt Anfang dieses Jahres kam zuletzt heraus, dass Wegner in Bezug auf seinen Tagesablauf damals nicht die Wahrheit gesagt hat. Nach WELT-Informationen hat die Berliner CDU nun kurzfristig für den morgigen Freitagabend um 18.30 Uhr die Kreisvorsitzenden der Partei zu einem Krisentreffen in der Landesgeschäftsstelle eingeladen. Dem Vernehmen nach soll dort kurz vor dem Sommerurlaub des Regierenden über die aktuelle Lage gesprochen werden. Keine Telefonate geführt Wegner steht in der Hauptstadt schon länger massiv unter Druck: Kurz nach dem Stromausfall kam zunächst heraus, dass Wegner am Morgen des 3. Januar eine Stunde lang Tennis gespielt hatte. Im Interview mit WELT hatte Wegner dann am 7. Januar behauptet: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.“ Er habe sich in seinem Büro zu Hause „eingeschlossen im wahrsten Sinne“ und koordiniert. Vor wenigen Tagen räumte die Senatskanzlei auf Anfrage des „Tagesspiegel“ schließlich ein, dass Wegner vor 12.45 Uhr gar kein Telefonat geführt habe. Wie WELT erfuhr, wollen einige Kreisvorsitzende nun versuchen, Wegner dazu zu bewegen, seine Spitzenkandidatur für die Berlin-Wahl im Herbst aufzugeben. Bis zur Wahl solle er aber im Amt als Regierender Bürgermeister bleiben. Ein möglicher neuer Spitzenkandidat könnte dann Finanzsenator Stefan Evers sein, heißt es aus Kreisverbänden. JU-Chef fordert Wegner zur Aufgabe auf So kurz vor der Wahl den Spitzenkandidaten auszutauschen, wäre hochgradig ungewöhnlich. Gleichwohl rumort es in der Hauptstadt-CDU stark. Seit Monaten rauscht die Partei in den Umfragen ab, liegt aktuell laut Infratest dimap hinter den Linken (20 Prozent), Grünen (19 Prozent) und der AfD (18 Prozent) auf Platz vier (18 Prozent). Viele Abgeordnete machen sich daher Sorgen um ihre Wiederwahl. Die Abgeordnetenhauswahl hatte die CDU noch mit 28,4 Prozent gewonnen. Die SPD, mit der sich die CDU aktuell in einer Regierungskoalition befindet, hat bereits angekündigt, eine neue Koalition nur ohne Wegner eingehen zu wollen. „Es ist völlig klar, dass jemand, der die Berlinerinnen und Berliner über sein Krisenmanagement am Tag des Stromanschlags nachweislich getäuscht und mehrfach gelogen hat, für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nicht geeignet ist“, so Landeschef und Spitzenkandidat Steffen Krach. Der amtierende Chef der Jungen Union in Berlin, Harald Burkart, hatte am Donnerstag als erster CDU-Politiker Wegner offen zur Aufgabe seiner Spitzenkandidatur aufgefordert: „Kai Wegner sollte heute unmissverständlich erklären, dass er nicht mehr als Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters bei der Wahl am 20. September 2026 antritt. Er sollte die Spitzenkandidatur jemandem überlassen, der in seiner persönlichen Integrität unangreifbar ist.“ Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger (CDU), lobte gegenüber WELT-TV die Arbeit Wegners, er vermied aber eine Festlegung bei der Spitzenkandidatenfrage. Die Rücktrittsforderung an Wegner aus der Berliner Jungen Union kommentierte Bilger nicht direkt, empfahl aber einen Fokus auf inhaltliche Themen. Dann könne der Wahlkampf in Berlin immer noch „erfolgreich verlaufen“ – mit welchem Kandidaten, ließ Bilger offen. Lars Petersen ist Leiter National im Investigativ-Team von WELT, Business Insider Deutschland und Politico Deutschland und kümmert sich seit Jahren um Machtkämpfe und Affären hinter den Kulissen von Wirtschaft und Politik. Sie haben Hinweise für ihn? Dann melden Sie sich gerne beim Autor, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (WTJPZ7PN)