Vor fast zwanzig Jahren hatte der Bundestag beschlossen, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin zu bauen. Es wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben, aus denen schließlich eine begehbare Obstschale als Siegerentwurf hervorging. Die Obstschale symbolisiert den Hunger der Ostdeutschen nach Südfrüchten, der am Ende zur Wiedervereinigung geführt hat. So weit, so beziehungsreich. Doch mehrere Fledermäuse und der Konkurs des Obstschalenbau-Unternehmens verhinderten bisher die Inbetriebnahme des Denkmals. Aufgrund der politischen Entwicklungen im Osten könnte es außerdem sein, dass das Monument zur Gedenkstätte für die Wiederabwicklung der Einheit umgewidmet werden muss. Die Obstschale könnte mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen unbegehbar gemacht werden – oder sie wird in der Mitte durch eine Mauer geteilt. Das würde allerdings zu einer erheblichen Mehrbelastung der Steuerzahler führen, denn die Preise für Beton und Stacheldraht sind stark angestiegen. Besser, man lässt alles, wie es ist, dann könnte die Baustelle als Mahnmal für die nicht fertiggestellte Einheit dienen.