Welt 14.09.2026
12:04 Uhr

Benzinpreis steigt auf neues Allzeithoch – Ökonom schließt 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr aus


Spritpreise erreichen wegen des Nahostkonflikts neue Höchststände. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert einen Preisdeckel, ein Experte sieht eine gefährliche Entwicklung.

Benzinpreis steigt auf neues Allzeithoch – Ökonom schließt 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr aus

Der Benzinpreis an den deutschen Tankstellen hat am Wochenende ein neues Allzeithoch erreicht. Der Liter Super E10 kostete am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,273 Euro, wie der ADAC in München am Montag angaben. Damit wurde der bisherige Höchstpreis von März 2022 übertroffen. Der Preis für Diesel stieg ebenfalls weiter an; er erreichte am Sonntag laut ADAC 2,404 Euro pro Liter. Nach Ansicht des Tankstellenverbandes sind in Deutschland bald Spritpreise von drei Euro möglich. „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen“, sagte Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (TIV) der „Rheinischen Post“. „Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon.“ Der Experte kritisierte das Vorgehen der Mineralölkonzerne. „Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen.“ Zwar seien die Blockade der Straße von Hormus und der Konflikt mit den Huthis um die Meerenge Bab al-Mandab ein Problem. Der Anteil des Öls hierzulande aus der Golfregion sei jedoch vergleichsweise gering. „Da in den USA die Spritpreise gerade niedrig gehalten werden, müssen die Konzerne woanders das Geld verdienen“, erklärte Rabl. „Und das ist bei uns, das ist in Europa.“ Zugleich betonte Rabl: „Etwa die Hälfte dessen, was wir bezahlen an der Tankstelle, geht in den Steuersack.“ Eine spürbare Reduzierung der Preise lasse sich durch eine Mehrwertsteuerabsenkung erreichen. „In der Schweiz gibt es bereits ein Einsehen, dort ist nämlich die Besteuerung nur sieben Prozent – und damit werden Sprit und Mobilität wie Essen, Trinken, Brot, Butter besteuert.“ Ein Grund für die steigenden Preise ist der hohe Preis für Rohöl, er legte angesichts der weiter zunehmenden Spannungen in der Golfregion erneut deutlich zu. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent lag am Montagmorgen bei über 107 Dollar, der für die US-Sorte WTI bei fast 103 Dollar. Seit Februar dieses Jahres sind die Öl- und Gasmengen auf dem Weltmarkt infolge des im Februar von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges deutlich verknappt. Zum einen greift Teheran regelmäßig US-Stützpunkte und Energieinfrastruktur in den mit den USA verbündeten Golfstaaten an. Überdies ist die für den Öl- und Gastransport wichtige Straße von Hormus faktisch blockiert. Mit der Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer steht zudem eine weitere wichtige Transportroute zunehmend unter Druck: Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen teilte am Freitag mit, die Kontrolle über die Meerenge übernommen zu haben. Zudem schloss Saudi-Arabien, das im Jemen die gegen die Huthis kämpfenden Regierungstruppen unterstützt, vorübergehend die wichtige Ost-West-Pipeline nach Huthi-Drohnenangriffen. Ruf nach Entlastung für Verbraucher Aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke müssen die hohen Spritpreise schnell begrenzt werden. „Wir brauchen dringend einen Spritpreisdeckel“, sagte der SPD‑Politiker. „Es kann nicht sein, dass die Mineralölkonzerne Extraprofite einstreichen, während Millionen Pendlerinnen und Pendler an den viel zu hohen Spritpreisen verzweifeln.“ Er betonte: „Niemand darf sich an der Not anderer bereichern. Gerechtigkeit muss auch an der Tankstelle herrschen.“ Der Regierungschef verwies auf eine Entlastung der Verbraucher in anderen Staaten. „Unsere Nachbarn machen uns seit langem vor, wie die Bevölkerung an der Zapfsäule entlastet werden kann. In Luxemburg, Polen, Belgien oder auch in Tschechien werden die Höchstpreise regelmäßig flexibel an die Marktlage angepasst“, sagte Woidke. „Das verspricht sinkende Kraftstoffpreise für alle Verbraucher und gibt Planungssicherheit.“ Auch der Chefvolkswirt der Ing-Diba-Bank, Carsten Brzeski, schloss sich der Aussage des Tankstellenverbandes an und prognostizierte gegenüber „ Bild (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/tanken-wird-teurer-drohen-3-euro-diesel-und-2-50-euro-benzin-6aa65fbe181cb962d488d9f0) “ einen Preis von 3 Euro je Liter Diesel. Sollte der Ölpreis längere Zeit über 110 Dollar je Barrel bleiben, komme die Marke „leider gefährlich nahe“. Bei Benzin wären dann rund 2,50 Euro je Liter fällig. Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter, der den Bund nach einer Schätzung des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro kostete. Eine Neuauflage hat die Bundesregierung abgelehnt. Die deutschen Staatsfinanzen sind wegen des schuldenfinanzierten Investitionspakets in den roten Zahlen. Trotz der 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an den Tankstellen gehen die Spritpreise immer weiter nach oben. In der SPD gibt es immer mehr Stimmen, die auf eine Begrenzung dringen. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hatte vorgeschlagen, den Preissprung am Mittag gesetzlich auf höchstens fünf Prozent zu begrenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt bisher eine Deckelung des Spritpreises ab. Wirtschaftsweise sieht Hilfen durch den Staat kritisch Die Militäroffensive der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen wird nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer zu weiter steigenden Verbraucherpreisen in Deutschland führen. Anders als erhofft entspanne sich die Lage nicht, ganz im Gegenteil, sagte Schnitzer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das wird sich auch bei den Preisen an der Tankstelle und den Verbraucherpreisen insgesamt bemerkbar machen und uns alle belasten.“ Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sagte der Zeitung: „Der beste Spritpreisdeckel ist es, wenn der Staat seine klebrigen Hände bei sich behält.“ Die Steuern müssten runter und die heimische Energieförderung ausgebaut werden. „Gott bewahre uns vor weiterem Gefummel an den Preisen durch diese Regierung.“ Die 12-Uhr-Regel habe schon genug Schaden angerichtet.