Welt 05.05.2026
08:46 Uhr

„Außergewöhnliches Infektionsgeschehen“ – Passagiere dürfen Kreuzfahrtschiff nicht verlassen


Nach mehreren Todesfällen und einem bestätigten Hantavirus-Fall kann ein Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde vorerst nicht anlegen. Für drei Menschen ist eine medizinische Evakuierung geplant.

„Außergewöhnliches Infektionsgeschehen“ – Passagiere dürfen Kreuzfahrtschiff nicht verlassen

Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff können dessen Passagiere nicht wie ursprünglich geplant auf Kap Verde von Bord gehen. Es gebe noch keinen gesicherten Zielort, eine Weiterfahrt in Richtung der Kanarischen Inseln werde aber geprüft, teilte der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions mit. Für drei Personen sei eine medizinische Evakuierung über Kap Verde geplant, eine Inselgruppe vor der Westküste Afrikas. Aktuell liegt das Schiff dort vor dem Hafen von Praia. Auf den Kanaren, etwa in Las Palmas auf Gran Canaria oder auf Teneriffa, könnten bei einer Landung weitere medizinische Untersuchungen stattfinden, erklärte die Reederei. Diese könnten unter Aufsicht durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und niederländische Gesundheitsbehörden stattfinden. „Dies muss noch bestätigt werden“, schränkte die Reederei am späten Montagabend ein. Die Stimmung an Bord der „Hondius“ sei „ruhig“ und die knapp 150 Passagiere seien „insgesamt gefasst“, hieß es. Das Kreuzfahrtschiff mit 61 Besatzungsmitgliedern hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg von Argentinien nach Kap Verde gemacht. Unterwegs kam es dann zu mehreren Todesfällen (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69f7d1f723e6b3dbf3c97f69/hantavirus-deutscher-stirbt-nach-ausbruch-auf-kreuzfahrtschiff.html) . Bislang sind drei Passagiere der „Hondius“ gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und ein Deutscher. Bei der verstorbenen Niederländerin wurde das Hantavirus nachgewiesen, wie die Reederei unter Berufung auf die WHO erklärte. Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt und wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Zudem gibt es an Bord Hantavirus-Verdachtsfälle. Zwei Besatzungsmitglieder seien erkrankt, teilte die Reederei mit. Infektion in der Regel über Kot von Nagetieren Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Auch die Nieren nehmen häufig Schaden. Zu Infektionen kann es beim Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren kommen. In seltenen Fällen wird der Erreger laut WHO auch von Mensch zu Mensch übertragen. Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus, wie das Robert-Koch-Institut erklärt. Menschen stecken sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub – etwa beim Aufräumen eines staubigen Schuppens oder Dachbodens – oder durch Bisse an. Ein Ausbruch auf einem Schiff ist ungewöhnlich. Virologe spricht von außergewöhnlichem Infektionsgeschehen „Das ist ein außergewöhnliches Infektionsgeschehen, das man in dieser Form auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten würde“, teilte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit mit. Nach den bisher öffentlich verfügbaren Informationen handele es sich bei mehreren Fällen allerdings noch um Verdachtsfälle. Entscheidend werde daher die virologische Bestätigung sein. Der Mensch sei bei den meisten Hantaviren ein sogenannter Fehl- beziehungsweise Endwirt, sodass keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet. „Eine wichtige Ausnahme ist jedoch das südamerikanische Andes-Virus“, sagte Schmidt-Chanasit. „Für dieses Hantavirus ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben. Da das Schiff aus Südargentinien kam, muss diese Möglichkeit differenzialdiagnostisch ernst genommen werden.“ Die Inkubationszeit bei einer Hantavirus-Erkrankung könne je nach Virus und Exposition mehrere Tage bis Wochen betragen. „Besonders wichtig ist die Unterscheidung, ob es sich tatsächlich um das Andes-Virus handelt. Falls ja, sollten erkrankte Personen konsequent isoliert werden, und bei engem Kontakt sollte ein strukturiertes Kontaktpersonenmanagement erfolgen.“ Die WHO sieht kein größeres Risiko für die breite Öffentlichkeit. Die Organisation unterstützt nach eigenen Angaben die Passagiere und die Crew. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange.