Der CSU-Ehrenvorsitzende und langjährige Parteichef Horst Seehofer (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/horst-seehofer/) sieht die Bundesregierung in der Verantwortung für hohe AfD-Werte in Sachsen-Anhalt. „Die 41 Prozent für die AfD dort in einer Umfrage hat die Bundesregierung zu verantworten“, sagte er in einem Doppel-Interview des „SZ-Magazins“ (verlinkt auf https://www.sueddeutsche.de/magazin/politik/seehofer-gysi-brandmauer-csu-linke-unvereinbarkeitsbeschluss-li.3487482?reduced=true) mit dem Linken-Politiker Gregor Gysi. „Das, was die Sachsen-Anhaltiner jetzt erleben, hat seine Quelle in Berlin. Ich war Heimatminister in der Bundesregierung. Der Sinn einer wirksamen Heimatpolitik ist, vor Ort die Strukturen so zu verändern, von Schulen über die Arbeitsplätze bis hin zu den Krankenhäusern, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben. Da geschieht derzeit zu wenig“, so Seehofer. Kanzler Friedrich Merz stimmte er in der Deutung zu, woher die Zuströme bei den Parteien links und rechts der Mitte kommen: „Er sagte richtigerweise: ‚Weil wir nicht gut waren.‘“ Auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst blicke Seehofer dennoch mit „starker Zuversicht“. Er erinnerte an die Aufholjagd des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Cem Özdemir (Grüne). In dem Interview wurden Seehofer und Gysi vor allem nach ihren Positionen zur Brandmauer-Debatte und dem CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article699821cabbc0d13fd82fea1d/ines-schwerdtner-kindischer-unvereinbarkeitsbeschluss-linke-kritisiert-cdu-kurs-scharf.html) mit AfD und Linkspartei befragt. Seehofer zog klare Linien: „Der Beschluss steht und wird auch nicht jeden Tag diskutiert.“ Er sagte: „Ich würde auch in Zukunft für beide Richtungen, ganz rechts wie ganz links, ausschließen, mit denen zusammenzuarbeiten.“ Linken-Politiker Gysi (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/gregor-gysi/) sieht es in dem „SZ-Magazin“-Interview anders: „Die CDU im Osten hat sich inzwischen an uns gewöhnt, nach 35 Jahren. Die AfD ist der Union viel fremder“. So sei etwa der Ministerpräsident von Thüringen, Mario Voigt von der CDU, mit Unterstützung der Linkspartei gewählt worden. Man müsse an dem Unvereinbarkeitsbeschluss „nicht krampfhaft festhalten“. Er prognostizierte: „Das Ding wird nicht halten.“ Auch der ehemalige Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in Thüringen war durch die fehlende Mehrheit im Landtag auf die CDU angewiesen, so Gysi. Dadurch sei ebenfalls „eine Art Zusammenarbeit“ entstanden. „Ich halte es im Osten für wahrscheinlicher, dass die Brandmauer zur Linken fällt als zur AfD“, resümierte der Linken-Politiker.