SpOn 26.03.2026
13:39 Uhr

Ungarn: Péter Magyar fordert Ermittlungen nach möglichem Geheimdienstskandal


Schon in wenigen Wochen könnte die Herrschaft von Viktor Orbán Geschichte sein. Nun wird bekannt, dass der Geheimdienst womöglich gegen seinen Herausforderer vorging. Der fordert Konsequenzen.

Ungarn: Péter Magyar fordert Ermittlungen nach möglichem Geheimdienstskandal

Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar hat den Generalstaatsanwalt aufgefordert, eine Untersuchung wegen einer mutmaßlichen Geheimdienstoperation gegen seine Partei Tisza einzuleiten. Zuvor hatte die Nachrichtenseite »Direkt36« entsprechende Recherchen dazu veröffentlicht.

Magyar sagte bei einem Wahlkampfauftritt, die Regierung habe »die Polizei für politische Zwecke missbraucht«. Die Wohnungen zweier IT-Spezialisten der Tisza-Partei seien im vergangenen Jahr durchsucht und Computer auf Grundlage »erfundener Anschuldigungen« beschlagnahmt worden. Magyars Partei könnte laut Umfragen Premierminister Viktor Orbáns Fidesz bei der Wahl am 12. April bezwingen (eine große SPIEGEL-Reportage dazu lesen Sie hier ).

Es wäre das Ende der 16-jährigen Herrschaft Orbáns, während der Ungarn zunehmend isoliert und in eine Autokratie umgebaut wurde.

Das Büro des Generalstaatsanwalts erklärte, es reagiere nicht auf politische Aussagen. Das nationale Ermittlungsbüro führe seit November 2025 eine Untersuchung wegen einer Straftat durch, die das IT-System der Tisza-Partei betreffe.

Inlandsgeheimdienst soll gegen Opposition ermittelt haben

Laut »Direkt36« hatten die Behörden im Juli 2025 zwei mit Tisza verbundene IT-Spezialisten verhört, weil sie angeblich mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern in Verbindung gebracht worden waren. Die Polizei fand keine entsprechenden Hinweise, stieß jedoch auf Details einer Operation, um in das IT-System der Partei einzudringen. Dem Bericht zufolge leitete der Inlandsgeheimdienst die Ermittlung.

»Direkt36« veröffentlichte am Mittwoch ein Videointerview mit einem beteiligten Polizeiermittler der Cybersicherheitseinheit. Er berichtete über die Ermittlungen und die angebliche Beteiligung der Geheimdienste.

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Ein Regierungssprecher erklärte, die beschuldigten IT-Spezialisten seien »nicht einfach Techniker, die zufällig der Opposition geholfen hätten«. Sie hätten Verbindungen in die Ukraine, geheimdienstnahe Kontakte und Überwachungsausrüstung besessen.

Premierminister Viktor Orbán bezichtigt seinen Herausforderer regelmäßig, von fremden Mächten, etwa in der Ukraine, gesteuert zu werden. Er selbst propagierte wiederholt kremlnahe Positionen. Die US-Regierung unter Donald Trump fördert öffentlich seine Wiederwahl. In Europa ist Orbán dagegen isoliert. Die EU hat wegen fehlender Rechtsstaatlichkeit im Land knapp 18 Milliarden Euro an Zuschüssen eingefroren.

jpe/Reuters