SpOn 25.03.2026
10:39 Uhr

Unesco-Weltbildungsbericht: 273 Millionen Kinder haben keinen Zugang zu Bildung


Die Unesco spricht von einem »beunruhigenden Trend«: Weltweit steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nicht zur Schule gehen können. Konkrete Kritik richtet sich auch gegen Deutschland.

Unesco-Weltbildungsbericht: 273 Millionen Kinder haben keinen Zugang zu Bildung

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen ohne Zugang zu Bildung ist das siebte Jahr in Folge gestiegen und liegt inzwischen bei 273 Millionen. Das ist das Ergebnis des neuen Unesco-Weltbildungsberichts. Weltweit ist demnach jedes sechste Kind von Bildung ausgeschlossen. Nur zwei von drei Jugendlichen schließen die Sekundarschule ab.

Hauptgründe sind den Angaben zufolge Bevölkerungswachstum , Krisen und sinkende Bildungsetats. Unesco-Chef Khaled El-Enany sprach von einem »beunruhigenden Trend«.

In afrikanischen Ländern südlich der Sahara können dem Bericht zufolge besonders viele Kinder keine Schule besuchen. Als Grund nennt die Unesco hier primär eine wachsende Bevölkerung. Auch Konflikte hätten die Bildungsbemühungen eingeschränkt.

Weltweit lebt mehr als jedes sechste Kind dem Bericht zufolge in einem Gebiet, das von Konflikten betroffen ist. Im Nahen und Mittleren Osten etwa hätten die regionalen Spannungen zahlreiche Schulschließungen nach sich gezogen, heißt es. So könnten Millionen von Kindern wegen anhaltender Konflikte keine Schule besuchen, was allerdings nicht in offiziellen Statistiken erfasst werde.

Fortschritte in Madagaskar

Um mehr Kindern Schulbildung zu ermöglichen, gibt es laut Unesco keine einheitliche Lösung. Vielmehr müssten die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden. In einigen Ländern hätten eine Schulpflicht und Gesetze gegen Kinderarbeit geholfen. Anderswo beobachteten die Fachleute einen positiven Zusammenhang zwischen Schulessen, Stromversorgung und längerer Schulbildung von Kindern und Jugendlichen.

Auch wenn zuletzt wieder mehr Kinder von der Schule ausgeschlossen waren, sieht die Unesco seit der Jahrtausendwende in einigen Ländern teils beachtliche Verbesserungen.

In Madagaskar und Togo etwa sei der Anteil der Kinder, die nicht zur Schule gingen, seit dem Jahr 2000 um 80 Prozent zurückgegangen. In Marokko und Vietnam treffe das Gleiche auf Jugendliche zu. Positiv entwickelt hat sich auch die Lage in der Elfenbeiküste, der Türkei und Georgien.

Kritik an Deutschland

Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, hält die globale Entwicklung für einen »Weckruf«: »Wenn weltweit immer mehr Kinder und Jugendliche von Bildung ausgeschlossen sind, muss uns das auch in Deutschland verpflichten.« Die Bundesrepublik wird in dem Weltbildungsbericht deutlich kritisiert.

Deutschland liege bei der Bildungsgerechtigkeit hinter anderen europäischen Staaten zurück. »Fast vier von fünf Kindern aus wohlhabenden Haushalten, aber weniger als eines von drei Kindern aus benachteiligten Haushalten erhalten eine Gymnasial-Empfehlung«, heißt es von der Unesco.

Mehrere Bildungswissenschaftler stellen das gegliederte Schulsystem in Deutschland infrage. Warum grundsätzliche Reformen schwerfallen, lesen Sie hier .

Die Autoren des Weltbildungsberichts kritisieren, dass Deutschland Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu anderen Ländern »deutlich früher«  auf verschiedene Schulformen verteilt, nämlich meist im Alter von etwa zehn Jahren. »Die Entscheidungen werden stark vom sozio-ökonomischen Status der Eltern beeinflusst«, so die Kritik. In den vergangenen Jahren habe die Abschlussquote in der Sekundarstufe unter dem europäischen Durchschnitt gelegen.

Entscheidend sei, Benachteiligungen früh abzubauen und öffentliche Mittel so einzusetzen, dass sie dort ankommen, wo am meisten Unterstützung gebraucht wird, forderte Böhmer. Sie lobte vor diesem Hintergrund Initiativen wie das »Startchancen-Programm«. Es unterstütze gezielt Schulen mit besonderen Herausforderungen. Die Präsidentin mahnte: »Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht von selbst – sie ist eine politische Aufgabe.«

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Der Zugang zu Bildung wurde 1948 als Menschenrecht festgeschrieben. Die Unesco zählt die Förderung von Bildung, wissenschaftlicher Zusammenarbeit und kulturellem Verständnis zu ihren Aufgaben. Sie führt zudem Listen des Weltkultur- und Naturerbes.

fok/AFP/dpa