Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erfolgreich eine neue, selbst entwickelte Waffe zur Abwehr von Drohnen getestet. Bei einem Einsatz in der Nacht sei ein Treffer erzielt und eine Drohne vom Typ Shahed zerstört worden, sagte Selenskyj am Dienstag in seiner abendlichen Videoansprache.
Shahed-Drohnen wurden in Iran entwickelt. Russland nutzte diese zunächst für seine Angriffe, bis es mit der massenhaften Produktion von Shahed-Nachbauten unter dem Namen Geran-2 begann .
»Einige technische Details müssen jedoch noch verfeinert werden«, erklärte der Präsident der Ukraine. »Wir brauchen noch etwas mehr Zeit.« Die Arbeit an weiteren Entwicklungen der Shahed-Abwehrwaffe werde fortgesetzt.
Selenskyj zufolge wurden in der Nacht 93 Prozent aller russischen Drohnen abgefangen. »Das ist beachtlich. Aber natürlich wird mehr gebraucht«, sagte er. Die Ukraine entwickelt seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 verstärkt eigene Technologien zur Drohnenabwehr und konzentriert sich dabei auf Abfangraketen als effizientes und günstigeres Mittel.
Größere Schwierigkeiten haben die ukrainischen Streitkräfte jedoch bei der Abwehr russischer ballistischer Raketen. Die Regierung in Kyjiw hat daher die westlichen Verbündeten um die Lieferung weiterer Abfangsysteme gebeten.
Eisenbahn im Fokus
Selenskyj kündigte zudem einen stärkeren Schutz für die Eisenbahn an. »Obwohl die Russen unsere Bahn als eines ihrer Hauptziele betrachten, funktioniert die ukrainische Eisenbahn weiterhin auf hohem Niveau«, sagte der Staatschef. Dabei dankte er den Bahnmitarbeitern für ihre »äußerst professionelle und mutige Arbeit«. Die Logistik werde trotz Verspätungen und der angerichteten Schäden aufrechterhalten.
Selenskyj stellte zusätzliche Schutzmaßnahmen für Eisenbahnanlagen und auch für die Grenzübergänge der Bahn in Aussicht. Er habe darüber mit Regierungschef Serhij Korezkyj und anderen Regierungsvertretern gesprochen. »Das ist keine abstrakte Frage, es geht um das Leben der Ukraine«, unterstrich Selenskyj.
Am vergangenen Wochenende hatte eine russische Drohne eine Lokomotive am Grenzbahnhof Jahodin in der Westukraine getroffen. Kurz davor hatte den Bahnhof nach ukrainischen Angaben ein Zug mit ehemaligen westlichen Regierungsvertretern und Diplomaten passiert (mehr dazu hier ).
Zuvor hatte Außenminister Andrij Sybiha über 500 seit Kriegsbeginn beschädigte oder zerstörte Loks informiert. »Mehr als die Hälfte davon in diesem Jahr«, schrieb Sybiha auf X.
Russia continues its systematic attacks to disrupt logistics across Ukraine. Last night, another locomotive was directly hit in a Russian strike on railway infrastructure near the Polish border in Ukraine’s Volyn oblast.
— Andrii Sybiha 🇺🇦 (@andrii_sybiha) September 15, 2026
Since the start of the full-scale invasion, over 500… pic.twitter.com/KVj3cj7ed0
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Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine hatte die ukrainische Eisenbahn 2021 etwas mehr als 1500 Lokomotiven im aktiven Einsatz und verfügte über eine Reserve von über 220 Loks. Damit wäre fast ein Drittel der vor dem Krieg verfügbaren Triebfahrzeuge entweder beschädigt oder zerstört.
