SpOn 13.10.2026
10:59 Uhr

Tuttlingen: Von Polizei erschossener 27-Jähriger trug keine scharfe Waffe


Ein 27-Jähriger wurde in Tuttlingen aus Polizeiwaffen tödlich getroffen. Zunächst war von einem Schusswechsel die Rede. Nun kommt heraus: Seine Pistole war eine Attrappe, soll allerdings täuschend echt ausgesehen haben.

Tuttlingen: Von Polizei erschossener 27-Jähriger trug keine scharfe Waffe

Ein 27-Jähriger, der von der Polizei in Tuttlingen in Baden-Württemberg erschossen wurde, hatte offenbar keine scharfe Schusswaffe bei sich. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen handelte es sich um eine sogenannte Knall- oder Zündplättchenpistole, wie Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt mitteilten . Zuvor hatte der SWR  berichtet.

Die Pistole sei einer Originalwaffe des Herstellers SIG Sauer nachempfunden und erwecke dadurch den Anschein einer echten Schusswaffe, so die Ermittler. »Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen bestanden zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes keine Hinweise darauf, dass es sich bei der Waffe lediglich um eine Knallpistole handelte«, hieß es in der Mitteilung. Das schriftliche Waffengutachten liegt noch nicht vor.

Wiederbelebung erfolglos

Der 27-Jährige war am Donnerstagmittag vergangener Woche mit einer Pistole im Bereich des Tuttlinger Rathauses aufgefallen. Hinzugerufene Polizeikräfte entdeckten ihn schließlich im Innenhof des Gebäudes. In einer gemeinsamen Mitteilung vom 8. Oktober hatten Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft mitgeteilt, der Mann »soll bei Eintreffen der Polizeikräfte unvermittelt auf diese geschossen haben«. In der Folge »kam es zu einem Schusswechsel«, bei dem der Mann verletzt wurde. Trotz Wiederbelebungsversuchen starb er noch vor Ort. Weitere Personen wurden nicht verletzt.

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Warum sich der Mann mit der Waffe im Rathaus aufhielt, sei bislang nicht bekannt, hieß es in der Mitteilung am Montag. Auch wie viele Schüsse abgegeben wurden und ob der 27-Jährige selbst geschossen hat, wird weiterhin ermittelt.

Drei Schusstreffer im Oberkörper

Bei der Obduktion wurden nach vorläufigen Erkenntnissen drei Schusstreffer im Bereich des Oberkörpers sowie ein leichter Streifschuss am Arm festgestellt. Der schriftliche Obduktionsbericht steht noch aus.

Bei dem 27-Jährigen handelt es sich den Angaben zufolge um einen Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit, der in Tuttlingen wohnte. Er sei bereits in der Vergangenheit polizeilich in Erscheinung getreten. Weswegen wurde zunächst nicht mitgeteilt. Der Leichnam wurde nach Abschluss der Obduktion zur Bestattung freigegeben.

Tödliche Polizeischüsse haben zugenommen. Aber auch die Gewalt gegen die Beamten steigt, etwa durch Angriffe mit Messern. Das steckt dahinter. 

bbr/dpa