Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wird bei seinem Türkeibesuch überraschend Präsident Recep Tayyip Erdoğan treffen. Bei dem Gespräch soll es um die engen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen gehen. Regionale Regierungschefs werden normalerweise nicht von Staatspräsidenten empfangen – zumindest gilt das für Länder gleicher Größe und Bedeutung.
Mit dem Termin verleiht Erdoğan dem Besuch von Wüst besondere Bedeutung. Der nordrhein-westfälische Regierungschef wird seit Wochen als möglicher Nachfolger des unter Druck stehenden Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) gehandelt.
Zusammen mit den anderen sieben CDU-Ministerpräsidenten sprach sich Wüst aber gegen Personaldebatten aus . Am Abend vor seiner Abreise bekräftigte er im ZDF: »Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben.« Im April 2027 finden dort Landtagswahlen statt.
65 Jahre Anwerbeabkommen
Für seine Türkeireise flog Wüst am Morgen mit einer Delegation von Düsseldorf nach Ankara. Am Dienstag geht es noch nach Istanbul, Mittwochabend wieder zurück. Wüst ist der erste NRW-Ministerpräsident, der die Türkei besucht. Einer der Anlässe der Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Es ermöglichte 1961 türkischen »Gastarbeitern« den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Heute lebt bundesweit jeder Dritte mit türkischen Wurzeln in NRW – rund eine Million Menschen.
Die deutsch-türkischen Beziehungen waren lange Zeit von offenen Differenzen geprägt. Wüst sprach sich dafür aus, ein »neues Kapitel« aufzuschlagen. »Wir wollen den Blick auf das Positive richten für eine gestärkte Zusammenarbeit in der Zukunft«, sagte er. In einer guten und engen Partnerschaft könne man kritische Fragen und Themen einfacher ansprechen und für Verbesserungen eintreten.
Schon die Antrittsbesuche von Kanzler Merz und Außenminister Johann Wadephul (CDU) vor einem Jahr brachten eine neue Tonlage in das deutsch-türkische Verhältnis. »Wir wollen insgesamt eine Positivagenda«, sagte der Außenminister damals.
Der Kanzler wackelt, die Debatte über einen Nachfolger nimmt Fahrt auf. Doch bislang blockieren sich die möglichen Kandidaten in der Union. Was für, was gegen sie spricht, lesen Sie hier .
