SpOn 26.03.2026
12:25 Uhr

Timmendorfer Strand: Rettungsrinne soll Buckelwal helfen


Helfer kämpfen um das Leben des in der Lübecker Bucht gestrandeten Buckelwals. Mittlerweile haben Bagger begonnen, eine Rinne zu graben. Die Arbeiten sind für das Tier nicht ungefährlich.

Timmendorfer Strand: Rettungsrinne soll Buckelwal helfen

Seit Montag liegt ein Buckelwal auf einer Sandbank vor Niendorf, einem Ortsteil von Timmendorfer Strand an der Ostsee – nun versuchen Experten, das Tier mit Baggern freizubekommen. Zwei solcher Geräte haben in einiger Entfernung von dem auf einer Sandbank festsitzenden Tier damit begonnen, eine Rinne zu graben, wie Medien berichteten. Ein dritter Bagger steht laut einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa vor Ort noch zur Unterstützung am Strand bereit.

Ziel ist es, sich langsam an den zwölf bis 15 Meter großen Meeressäuger heranzuarbeiten, auch damit dieser sich an die Geräusche gewöhnen kann, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Bei den Arbeiten sei höchste Konzentration gefragt. Man müsse sich bis auf einen Zentimeter an den Kopf des Tieres heranarbeiten, erklärte der Bürgermeister. Dies sei auch für den Buckelwal nicht ganz ungefährlich.

Wie ein Mitarbeiter der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff erklärte, soll eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden. Besonders herausfordernd seien bei der Rettungsaktion Wind und Strömung. Vor Beginn des Rettungsversuchs näherte sich der Biologe Robert Marc Lehmann dem festsitzenden Tier. Dieses reagierte mit heftigen Bewegungen und lautem Schnauben.

Wal in der Lübecker Bucht: Auch bei erfolgreicher Befreiung noch nicht ganz am Ziel

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Foto: Marcus Brandt / dpa

Ganz geschafft hätte es der Wal bei einer erfolgreichen Befreiung dann aber noch nicht. Da die Ostsee nicht sein natürlicher Lebensraum ist, muss er wieder zurück in die Nordsee und dann weiter in den Atlantik gelangen. Laut Experten besteht die Gefahr, dass der Wal sich erneut fest schwimmt oder aus der Ostsee nicht wieder herausfindet. Die Ostsee stelle ein Nadelöhr dar, sagte etwa Jan Herrmann, Tierarzt und Walexperte aus Wilhelmshaven. »Den Ausgang muss man wieder finden, und das ist nicht ganz sicher, dass das in der Navigation der Buckelwale so angelegt ist.«

Zudem ist der Wal nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in der Ostsee zahlreichen Störungen ausgesetzt, wie zum Beispiel dem Schiffsverkehr. Es existieren in den dänischen Gewässern auch einige Engstellen. Joseph Schnitzler, Experte des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), sagte am Mittwoch, der Wal müsse sicherlich begleitet werden, damit er herausfinde. »Und dann hoffen wir mal, dass das Tier dann halt kluge Entscheidungen trifft, denn so richtig leiten kann man es nicht.«

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Der Meeresökologe Joseph Schnitzler hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass die Rettung des Tieres gelingen könnte. »Der Wal ist relativ fit, sein Ernährungszustand gar nicht so schlecht«, sagte er am Mittwoch im Interview mit dem SPIEGEL . Zudem liege der Buckelwal relativ günstig in einer Mulde. »Er könnte dort noch Tage, vielleicht sogar Wochen überleben, wenn er nicht schwer krank ist.«

sol/dpa