SpOn 27.03.2026
06:50 Uhr

Timmendorfer Strand: Buckelwal ist nicht mehr an Ostsee-Sandbank zu sehen


Tagelang hing ein Buckelwal vor Timmendorfer Strand fest. Zuletzt wurde eine Rettungsrinne für das Tier gegraben. Hat es sich nun in der Nacht befreit?

Timmendorfer Strand: Buckelwal ist nicht mehr an Ostsee-Sandbank zu sehen

Der seit Tagen in der Ostsee vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Wal hat sich Berichten zufolge wohl befreit. Fotografen und Journalisten suchten am Freitagmorgen das Wasser und den Horizont nach dem 12 bis 15 Meter langen Meeressäuger ab und konnten das Tier nicht mehr entdecken, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa vor Ort sagte. Eine offizielle Bestätigung dazu, ob sich das Tier freigeschwommen hat, gab es bislang nicht.

Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang liefen Versuche, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.

Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal (26. März 2026)

Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal (26. März 2026)

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten, den Wal am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde.

»Er hat tatsächlich wirklich Bock, und die Motivation ist da«, hatte der Biologe Robert Marc Lehmann über den Wal gesagt. Im Neoprenanzug war er im flachen Wasser stehend auf Tuchfühlung mit dem Tier gegangen, auch um es zu beruhigen, wie er sagte.

Nicht heimisch in der Ostsee

Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen. Da die Ostsee nicht sein natürlicher Lebensraum ist, muss der Buckelwal wieder zurück in die Nordsee und dann weiter in den Atlantik gelangen.

Laut Experten besteht die Gefahr, dass der Wal sich erneut fest schwimmt oder aus der Ostsee nicht wieder herausfindet. Die Ostsee stelle ein Nadelöhr dar, sagte etwa Jan Herrmann, Tierarzt und Walexperte aus Wilhelmshaven. »Den Ausgang muss man wieder finden, und das ist nicht ganz sicher, dass das in der Navigation der Buckelwale so angelegt ist.«

DER SPIEGEL

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther kündigte bei einem Ortsbesuch am Donnerstag für den Fall der Fälle schon einmal Geleit durch Boote an. Der CDU-Politiker sagte die Hilfe des Landes zu.

Warum der Wal vor Niendorf aufgetaucht war, ist bislang unklar. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sagte, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der bereits zuvor wiederholt auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war. Anfang März hatte das Tier durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt.

Mehr zum Thema

Der Meeresökologe Joseph Schnitzler hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass die Rettung des Tieres gelingen könnte. »Der Wal ist relativ fit, sein Ernährungszustand gar nicht so schlecht«, sagte er am Mittwoch im Interview mit dem SPIEGEL. Zudem liege der Buckelwal relativ günstig in einer Mulde. »Er könnte dort noch Tage, vielleicht sogar Wochen überleben, wenn er nicht schwer krank ist.«

wit/dpa