In Syrien hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zahlreiche nicht deklarierte Chemiewaffenbestände entdeckt. Wie die in den Niederlanden ansässige OPCW berichtet, fanden ihre Experten zusammen mit den syrischen Behörden im Mai Dutzende chemische Kampfmittel an mehreren Orten.
Die neue syrische Führung hatte nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 zugesagt, verbliebene Chemiewaffenbestände zu beseitigen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem hatte Israel zahlreiche Angriffe auf bekannte Lagerstätten geflogen.
Chemikalien, technische Ausrüstung und Tausende Seiten Dokumente zum C-Waffen-Programm
Die OPCW hatte der Assad-Regierung wiederholt den Einsatz chemischer Waffen im Bürgerkrieg vorgeworfen. Die Assad-Regierung wies die Vorwürfe stets zurück. Nach Angaben der Organisation wurden nun unter anderem Kampfmittel sichergestellt, die jenen Waffen ähneln, die bei den Chemiewaffenangriffen in Ghouta 2013 sowie in Ltamenah und Chan Scheichun 2017 eingesetzt worden waren. Zudem entdeckten die Inspektoren Chemikalien, technische Ausrüstung und Tausende Seiten Dokumente zum früheren syrischen Chemiewaffenprogramm.
In Syrien gibt es wohl noch mehr als 100 Lagerstätten für Chemiewaffen aus dem Arsenal der Assads – und damit viel mehr als bislang gedacht. Das hat die »New York Times« im vergangenen Jahr berichtet.
Die Stützpunkte sind demnach über das ganze Land verteilt und sollen sich teilweise auch in Höhlen befinden. Sie wurden zu Forschungszwecken genutzt, aber auch für die Produktion und Lagerung von C-Waffen. Das Assad-Regime hat sein Chemiewaffenprogramm in den Siebzigerjahren gestartet. Einige syrische Forscher hatten in der DDR ihr Wissen erlangt. Die Diktatur verfügte über Sarin, Chlor- und Senfgas.
Funde in Hama, Homs und Latakia
Die nun gemachten Funde wurden in Gebieten um Hama, Homs und Latakia gemacht, die während des Bürgerkriegs als Hochburgen der früheren Regierung unter Assad galten. OPCW-Generaldirektor Fernando Arias erklärte, die Ergebnisse bestätigten frühere Einschätzungen der Organisation, wonach die damalige syrische Führung Informationen über das Ausmaß ihres Chemiewaffenprogramms zurückgehalten habe.
Nach syrischen Angaben wurden 18 Personen festgenommen, die mit dem Chemiewaffenprogramm der früheren Regierung in Verbindung stehen sollen. Darunter seien ranghohe Offiziere, frühere Experten sowie Angehörige des Sicherheitsapparats, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.
