SpOn 27.09.2026
04:58 Uhr

Sylvester Stallone: Bulimie und Steroide – »Rocky«-Schauspieler spricht über seine »zwanghafte Körperverehrung«


Auf der Leinwand war Sylvester Stallone ein athletischer Boxer oder ein muskelbepackter Kriegsveteran. Jetzt spricht der 80-Jährige über den Preis der »Besessenheit« mit seinem Körper – und darüber, welche Schuld sein Vater trägt.

Sylvester Stallone: Bulimie und Steroide – »Rocky«-Schauspieler spricht über seine »zwanghafte Körperverehrung«

Sylvester Stallone, 80, litt auf dem Höhepunkt seiner Karriere an Bulimie. Das erklärte der Schauspieler in einem ausführlichen Interview mit der »New York Times« . Sein Körper sei zu seiner Rüstung geworden, sagte er dabei. Und die habe er je nach seinen Rollen angepasst.

Für »Rocky« – in den Filmen spielte Stallone den Boxer Rocky Balboa – habe er wie ein »gelassener, ganz normal aussehender Typ« wirken wollen. In »Rambo« habe er einen Krieger gespielt und dafür »ein bisschen animalischer« aussehen wollen. »Also fing ich an zu überlegen: Gestalte deinen Körper wie einen Jaguar, wie eine Katze. Nicht groß wie Arnold (Schwarzenegger – Anm. d. Red.), sondern eher wild und aggressiv und sehr geschmeidig und athletisch. Dann wurde es zu einer Obsession. Eine wirklich schlimme. Es ging so weit, dass ich bulimisch wurde.«

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Als er Anfang der Achtzigerjahre den dritten Teil der »Rocky«-Reihe drehte, sei sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent gesunken. Er habe nichts bei sich behalten können, sagte Stallone. »Oder ich wollte es nicht bei mir behalten, weil ich so besessen davon war, auf diesem Fitnesslevel zu bleiben – buchstäblich eine Art zwanghafte Körperverehrung.« Niemand könne das ohne Hilfsmittel und Drogen schaffen. »Es ist ja nicht so, als wäre man ein Junkie, aber wenn man trainiert und versucht, sechs Monate lang durchgehend in Form zu bleiben, und dabei nur Joghurt und Pudding isst, dann klappt das einfach nicht.«

Auf die Frage, ob er Steroide genommen habe, antwortete Stallone: »Oh mein Gott, das muss man ja.« Man zahle dafür aber einen »furchtbaren Preis«.

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Die Beziehung zu seinem Körper habe sich erst mit dem Film »Cop Land« (1997) geändert. Dabei habe er den »schwächsten Typen im Raum« spielen müssen, »teilweise taub, übergewichtig«, sagte Stallone. Er habe sich »befreit« gefühlt.

Im Laufe seines Lebens habe er neun Rückenoperationen, zwei Schulteroperationen und drei Halswirbelfusionen über sich ergehen lassen müssen, sagte Stallone weiter. Er habe seinen Körper »missbraucht«.

Heute, im Alter von 80 Jahren, sei er noch einigermaßen fit. Aber er nehme etliche Tabletten, um durchzuhalten. »Wenn ich es noch einmal machen könnte, würde ich sagen: ›Lass jemand anderen die Fahne tragen und mach deine Stunts nicht selbst.‹ Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat, mir ständig wehzutun.«

Schauspieler Stallone (2021): Das »NYT«-Interview fand anlässlich der Veröffentlichung seiner Memoiren statt

Schauspieler Stallone (2021): Das »NYT«-Interview fand anlässlich der Veröffentlichung seiner Memoiren statt

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Einen Hinweis darauf gibt Stallone in dem Interview aber doch. Er spricht ausführlich über die Gewalt, die er durch seinen Vater erlebt habe. Alles gehe zurück auf seinen Vater, sagte Stallone. Er habe sich in jungen Jahren immer wieder gesagt, dass niemand ihn brechen werde. »Aber man wird doch ein bisschen gebrochen – körperlich, nicht geistig.«

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Echte, wahre Liebe habe er erst im Alter von 70 Jahren verstanden, sagte Stallone. »Und das ist eine Schande. Ich war so sehr darauf fixiert, nicht noch ein Penner aus der Nachbarschaft zu sein. Ich war sehr, sehr ehrgeizig, wie ein Pitbull. Das hat mich angetrieben. Das ist nicht gesund.«

2021 besuchte der SPIEGEL Stallone in seinem Haus in Florida. Das Gespräch über die Folgen seiner fünf Jahrzehnte langen Actionkarriere – und seine Liebe zur Malerei – können Sie hier nachlesen .

aar