SpOn 24.03.2026
16:00 Uhr

Spionage aus Russland: Drohnenlieferant ausgespäht - Fahnder nehmen mutmaßliche Spione fest


Bereiteten russische Agenten einen Anschlag auf einen deutschen Drohnenhersteller vor? Die Bundesanwaltschaft hat nach SPIEGEL-Informationen zwei mutmaßliche Spione Moskaus festnehmen lassen.

Spionage aus Russland: Drohnenlieferant ausgespäht - Fahnder nehmen mutmaßliche Spione fest

Eine neue Spionage-Affäre beschäftigt die deutschen Sicherheitsbehörden: Wie der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen erfuhr, ließ der Generalbundesanwalt am Dienstag zwei mutmaßliche Geheimagenten verhaften. Sie sollen im Auftrag Russlands einen deutschen Unternehmer ausgespäht haben, der militärisch nutzbare Drohnen und Drohnenbauteile in die Ukraine liefert.

Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei den Verdächtigen um die 45-jährige rumänische Staatsangehörige Alla S., die am Morgen im nordrhein-westfälischen Rheine verhaftet wurde, und um den 43-jährigen Sergey N. aus der ostukrainischen Region Charkiw. Er wurde von Einsatzkräften der spanischen Polizei in Elda festgenommen, rund 40 Kilometer nordwestlich von Alicante. Zuvor hatte die Bundesanwaltschaft ein Amtshilfeersuchen an die spanischen Behörden gestellt.

Heimliche Aufnahmen

Den Festnahmen der mutmaßlichen Agenten gingen umfangreiche Ermittlungen der Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz und Staatsschützern des Bayerischen Landeskriminalamts voraus. Demnach soll Sergey N. ab Dezember 2025 gezielt Informationen zur Firma des Drohnenlieferanten in Deutschland gesammelt haben – unter anderem soll er heimlich das Unternehmensgelände gefilmt haben.

Ab März soll seine mutmaßliche Komplizin Alla S. die Observation übernommen haben. Den Ermittlungen zufolge recherchierte sie die private Meldeanschrift des Unternehmers, suchte dessen Adresse auf und machte verdeckt Aufnahmen des Eingangsbereichs mit ihrem Smartphone.

Die Ermittler vermuten, dass die Spähaktionen der »Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen gegen die Zielperson« dienen sollten – womöglich bis hin zu physischen Angriffen oder einem Mordanschlag auf den Drohnenlieferanten.

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Dem SPIEGEL ist der Name des betroffenen Herstellers bekannt. In einem Telefonat am Dienstagnachmittag sagte der Firmengründer, er befinde sich an einem sicheren Ort und habe aufgrund seiner Tätigkeit schon seit Längerem Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Seine Firma lieferte in der Vergangenheit Drohnen in die Ukraine, darunter kleinere Kamikazedrohnen, und hat sich inzwischen auf die Herstellung einzelner Drohnen-Komponenten spezialisiert.

Die Bundesanwaltschaft wirft den festgenommenen mutmaßlichen Spionen Alla S. und Sergey N. geheimdienstliche Agententätigkeit vor. S. soll am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Haftbefehl entscheiden soll. Im Fall von Sergey N. bemüht sich die Justiz bei den spanischen Behörden um eine Auslieferung nach Deutschland. Die Verteidigung der Festgenommenen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.