SpOn 26.03.2026
14:22 Uhr

Sonos Play im Test: Ein Lautsprecher für Golfplatz und Gepäckträger


Lange war es still um Sonos, jetzt wird die US-Firma wieder laut. Der neue Play soll drinnen und draußen Musik spielen, darf auch mal in die Badewanne fallen. In einem Punkt verspricht der Hersteller aber zu viel.

Sonos Play im Test: Ein Lautsprecher für Golfplatz und Gepäckträger

Sonos verwirrt mich. Fast seit Gründung der Firma nutze ich deren vernetzte Lautsprecher. Anfang der Nullerjahre war es noch neu und aufregend: Sonos machte Multiroom-Anlagen, deren Lautsprecher in mehreren Räumen perfekt synchron dieselbe Musik abspielten, bezahlbar. Mit seiner einfachen Vernetzbarkeit, der Steuerung per App und unterschiedlich teuren Lautsprechern galt das Unternehmen als König des Streaming-Audio.

Aber dann machte Sonos Fehler. Als die Firma 2024 alte und neue Systeme in zwei Gruppen aufteilte, die mit unterschiedlichen Apps gesteuert werden mussten, war der Ärger bei der Kundschaft groß. Die unterschiedlichen Modellgenerationen spielten nicht mehr miteinander, Updates bekamen die alten schon lange nicht mehr.

Eine neue App sollte vieles besser machen, Dinge tun, die mit der alten Hardware nicht möglich gewesen wären. Doch als die im Mai 2024 veröffentlicht wurde, fehlten viele Funktionen, die Sonos-Liebhabern wichtig waren. Der Ärger darüber wurde so laut, dass Vorstandschef Patrick Spence im Januar 2025 seinen Posten räumte . Der neue Chef, Tom Conrad, scheint seither vor allem damit beschäftigt zu sein, die neue App auf den Stand der alten zu bringen. Neue Produkte gab es kaum.


Ein guter Move

Bis jetzt jedenfalls. Im März hat Sonos den neuen Play vorgestellt und gibt damit Rätsel auf. Der Name war bisher traditionellen Wohnzimmerlautsprechern vorbehalten, Modellen die Play:1, Play:3, Play:5 hießen. An der Zahl ließen sie sich unterscheiden: je höher, desto größer, leistungsfähiger und teurer waren sie.

Lautsprecher auf Ladeschale: Der Play nimmt kabellos Kontakt zum Stromnetz auf

Lautsprecher auf Ladeschale: Der Play nimmt kabellos Kontakt zum Stromnetz auf

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Aber dem neuen Play fehlt diese Designierung durch eine Ziffer. Auch ein Netzkabel hat er nicht. Stattdessen wird eine Ladeschale mitgeliefert, auf die man ihn zum kabellosen Aufladen stellen kann. Die eigentliche Stromversorgung erledigt ein integrierter Akku, der genug Energie für 24 Stunden Musikhören liefern soll. Weil der Play zudem nach IP67 gegen Staub und Wasser geschützt ist, nennt Sonos ihn den »tragbaren, wasserdichten Speaker – für drinnen und draußen«.

Das macht stutzig, denn einen solchen Lautsprecher gibt es von Sonos schon. Er heißt Move, respektive Move 2, und wird genau, wie der Play kabellos mit elektrischer Energie betankt. Der Unterschied zwischen den beiden Modellen? Der Move 2 ist größer und teurer, er kostet 499 Euro, während der Play für 349 Euro auf der Sonos-Preisliste steht.


Keine Angst vor der Badewanne

Bei den Feinheiten gibt es noch mehr Unterschiede. Zum Beispiel ist der Move 2 gegen »starkes Strahlwasser« geschützt, hält also etwa einen Regenguss aus. Der Play hingegen darf auch mal ins Planschbecken fallen, aber bitte nicht zu lange.

Außerdem liefert Sonos beim Move 2 ein Netzteil mit, beim Play nicht. Da das neue Modell zum Nachladen mindestens 18 Watt erwartet, dürften sich viele alte Handyladegeräte dafür als untauglich erweisen.

Rückansicht: Bluetooth-Taste, Mikrofonstummschaltung, Einschaltknopf und eine USB-Buchse, falls man doch per Kabel laden möchte

Rückansicht: Bluetooth-Taste, Mikrofonstummschaltung, Einschaltknopf und eine USB-Buchse, falls man doch per Kabel laden möchte

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten: Beide unterstützen Wi-Fi 6 und wenn man sie nicht über die Sonos-App ansteuern möchte, kann man sie auch direkt per Bluetooth oder Apples AirPlay 2 mit einem Smartphone oder einem anderen Gadget verbinden. Im Test funktionierte das etwa mit einem MacBook Neo und einem Mac mini wunderbar.


Das soll Stereo sein?

Klanglich müssen sich die 1,3 Kilogramm schweren Lautsprecher nicht verstecken. Vor allem bei Zimmerlautstärke und etwas höheren Pegeln liefern sie ein sauberes, rundes Klangbild. In »The Mountain« von den Gorillaz lassen sie die Bansuri-Flöte von Ajay Prasanna luftig durch den Raum blasen, während in Depeche Modes »Zenstation« der pulsierende Synthbass sauber wiedergegeben wird. Die digitalen Effektklänge kommen so scharf rüber, als würde man Papier zerreißen.

Manuelle Steuerung: Auf der Oberseite sind alle wichtigen Tasten zur Wiedergabesteuerung vorhanden

Manuelle Steuerung: Auf der Oberseite sind alle wichtigen Tasten zur Wiedergabesteuerung vorhanden

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Sonos behauptet, auch ein einzelner Play liefere »kraftvollen Stereo Sound«. Das ist eine gewagte Übertreibung. Wer das überprüfen möchte, möge sich »Deja Vu« von Teena Marie anhören. In dessen Intro ist die Gitarre weit nach links, die Streicher weit rechts abgemischt. Beim Play kommt einfach alles aus der Mitte, da helfen auch die beiden seitlich abstrahlenden Hochtöner nicht.


Klang im Kleiderschrank

Das ändert sich dramatisch, wenn man zwei Play zu einem Stereopaar zusammenschaltet. In diesem Modus bekommt die Musik regelrecht Luft zum Atmen, bei der »Luck and Strange«-Session von David Gilmour bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Musiker gesessen und gestanden haben, als sie in einer kalten Scheune miteinander jammten. »Zagate« von Souad Massi ist da ganz anders, viel deutlicher im Studio aufgebaut, aber nicht weniger spannend von den beiden Play wiedergegeben. Ein solches Set kann durchaus eine kleine Party beschallen.

Doppel-Play am Mac mini: So klappt’s auch mit dem Stereoton

Doppel-Play am Mac mini: So klappt’s auch mit dem Stereoton

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Bemerkenswert gut funktioniert die automatische Anpassung des Sounds an die akustische Struktur der Umgebung, Sonos nennt das Trueplay. Egal, ob am Schreibtisch, im Wohnzimmer, der Küche oder im Bad, nach einer Bedenkzeit von etwa 10 bis 30 Sekunden schaltet der Play beim Ortswechsel deutlich hörbar auf ein der Umgebung angepasstes Klangprofil um. Im Test klappte das sogar im Inneren eines begehbaren Einbaukleiderschranks, sollte man das Bedürfnis haben, die Wahl der Abendgarderobe akustisch begleiten zu wollen.


Fazit

Eigentlich ist der neue Play ein Move 2 mini, so viele Eigenschaften teilt er mit dem großen tragbaren Sonos-Lautsprecher. Im Vergleich mit dem Move 2 ist er wegen seiner geringeren Maße und dem geringen Gewicht allerdings viel tragbarer und universeller nutzbar. Der Move 2 ist der Sonos für Autofahrer, den Play kann man auf den Gepäckträger eines Fahrrads klemmen.

Möchte man nicht unbedingt mehrere Räume mit Lautsprechern ausstatten, sondern stattdessen lieber echten Stereosound genießen, würde ich ein Paar Sonos Play einem einzelnen Move 2 klar vorziehen. Zumal man das Paar bei Bedarf per App trennen und die beiden Geräte getrennt voneinander benutzen kann, etwa einen am Grill auf der Terrasse, den anderen in der Küche, beim Salatschnibbeln.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort