Peter Maxwill, SPIEGEL:
»Mit Tobias Rausch ist jetzt zum ersten Mal ein Politiker der AfD Parlamentspräsident in Deutschland. Und das ist in jeder Hinsicht eine Zäsur. Bemerkenswert ist vor allen Dingen an diesem Tag, mit welchem Ergebnis Rausch gewählt wurde. Er hat nämlich nicht nur die Stimmen der AfD und des BSW, die das beides zuvor zugesagt hatten, erhalten, sondern auch weitere Stimmen von vier weiteren Abgeordneten aus anderen Fraktionen. Außerdem gab es fünf Enthaltungen. Das heißt, er ist mit einer wirklich überdeutlichen Mehrheit in dieses Amt gewählt worden, sodass erstmals ein Rechtsextremist Parlamentspräsident in Deutschland ist in der Nachkriegsgeschichte.
Wie genau sich in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren dann das Klima hier im Landtag verändern wird, davon hat man heute schon einen ersten Eindruck bekommen. Es verlief zwar, am Anfang vor allem, über weite Strecken relativ nüchtern und sachlich, aber im späteren Verlauf der Sitzung hat die AfD durch durch Kommentare, durch miteinander tuscheln und auch durch lautes Gelächter schon deutlich gemacht, dass sie ein deutlich breitbeinigeres und offensives Auftreten hier im Landtag anstreben werden.
Die Frage, wie es hier im Landtag von Magdeburg jetzt weitergeht, hängt gar nicht so sehr davon ab, wie genau das Ergebnis heute bei der Landtagspräsidentenwahl war. Weil vieles nämlich völlig im Unklaren ist, vor allem die Frage, wer zum Ministerpräsidenten gewählt wird, ob überhaupt jemand zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Ulrich Siegmund von der AfD, der Wahlsieger, will sich zwar zur Wahl stellen, allerdings erst im Dezember. Und obwohl er behauptet, dass er eine Mehrheit für sich organisiert hat, ist bislang völlig unabsehbar, woher diese klare Mehrheit für ihn kommen soll. Zumal er, um eine Legislatur regieren können, ja auch eine stabile Mehrheit bräuchte, von der er im Wahlkampf jederzeit immer wieder gesprochen hatte, dass er nur mit stabilen Verhältnissen regieren könnte.
Das heißt, aber auch das ist völlig unklar, möglicherweise endet die Suche nach einem Regierungschef und nach einer Regierung irgendwann ergebnislos und möglicherweise auch mit Neuwahlen.«