SpOn 15.10.2026
13:43 Uhr

Russland: Wolodymyr Selenskyj kündigt erneute Angriffe auf Ölraffinerien an


Mehrere Tage hielt sich die Ukraine mit Drohnenangriffen zurück, auch aus Rücksicht auf die USA. Nachdem diese ihre Unterstützung offenbar jedoch einschränken, kritisiert der ukrainische Präsident Donald Trump deutlich.

Russland: Wolodymyr Selenskyj kündigt erneute Angriffe auf Ölraffinerien an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat laut einem Bericht der »Financial Times« trotz Kritik von US-Präsident Donald Trump neue Angriffe auf russische Ölraffinerien angekündigt. Die Zurückhaltung sei vorbei, sagte Selenskyj im Interview mit der Zeitung. Zuletzt hatte Kyjiw mehrere Tage Gegenangriffe auf russische Energieinfrastruktur gestoppt. Dieser Schritt erfolgte offenbar aus Rücksicht auf die USA. Russland intensivierte derweil seine Angriffe auf die Ukraine.

Selenskyj äußerte sich auch verärgert über den »gefährlichen« Mangel an US-Geheimdienstdaten und die parallele Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink. »Das war kein technisches Problem, das war Absicht«, sagte er. »Wir werden einen Ausweg finden«, sagte Selenskyj, ohne Details zu nennen. Auch andere westliche Geheimdienste liefern Kyjiw Daten, allerdings spielen die Informationen aus den USA oft eine entscheidende Rolle.

Russland hatte bereits am Mittwoch neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow gemeldet. Das Gebiet Rjasan meldete heute eine weitere Drohnenattacke. Auf dem Gelände einer Raffinerie sei ein Brand ausgebrochen.

Selenskyj hatte in den vergangenen Tagen mehrfach den Dieseldeal zwischen den USA und Russland kritisiert. Die USA unter Trump wollen wegen der angespannten Marktlage und der hohen Preise Diesel aus Russland importieren und dafür, auch zum Ärger der EU, ihre Sanktionen womöglich noch weitergehend lockern. Die Ukraine beklagt, dass die USA damit Geld in die Kriegskasse von Kremlchef Wladimir Putin spülten.

Nach einer von Trump verkündeten begrenzten Waffenruhe hatte die Ukraine nach Selenskyjs Darstellung Angriffe auf die Energieinfrastruktur unterlassen. Damit sei es nun vorbei, sagte er. Zuvor hatten US-Militärs nach Darstellung Selenskyjs ihren ukrainischen Kollegen erklärt, dass sie keine Geheimdienstdaten mehr liefern würden, wenn die Ukraine nicht aufhöre, russische Ölraffinerien anzugreifen.

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Selenskyj sagte im Interview, die USA seien im Kampf gegen Russland lange ein strategischer Partner der Ukraine gewesen. Ohne die USA wäre der Verteidigungskampf »sehr schwer«.

Zugleich äußerte er sich in dem Interview auch klar wie selten über Trumps Bewunderung für Autokraten. »Er spricht offen und lautstark darüber, dass er solche Leute liebt und respektiert«, zitiert die »Financial Times« Selenskyj. Bereits kurz nach Veröffentlichung des Interviews hieß es aus europäischen Hauptstädten, man sei besorgt über eine mögliche Eskalation zwischen Kyjiw und Washington.

US-Geheimdienstinformationen flossen zuletzt nicht wie gewohnt, darum sieht sich die Ukraine Russlands Luftangriffen zunehmend hilflos ausgeliefert. Die Einwohner von Kyjiw treffen Vorkehrungen, manche verlassen die Stadt. Mehr dazu erfahren Sie hier. 

luc/jpe/dpa