SpOn 26.03.2026
13:36 Uhr

Russland: Gericht verbietet mit Oscar prämierte Doku »Ein Nobody gegen Putin«


In Russland hat ein Gericht den ausgezeichneten Dokumentarfilm »Ein Nobody gegen Putin« von drei russischen Streamingplattformen verbannt. Demnach fördere der Film »negative Einstellungen« gegenüber der Regierung.

Russland: Gericht verbietet mit Oscar prämierte Doku »Ein Nobody gegen Putin«

Ein Gericht in Russland hat den gerade mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm »Ein Nobody gegen Putin« des Filmemachers Pawel Talankin verboten. Das Zentrale Bezirksgericht von Tscheljabinsk, in der Heimatregion Talankins, verbannte den Film am Donnerstag von drei russischen Streamingplattformen, wie das unabhängige Nachrichtenportal Sotavision berichtete. Das Gericht monierte demnach, der Film fördere »negative Einstellungen« gegenüber der russischen Regierung und dem Krieg in der Ukraine.

Das lokale Portal »It’s My City« berichtete aus dem Verhandlungssaal, dass das Gericht die Entscheidung aufgrund einer Verwaltungsklage getroffen habe. Die Klage sei eingereicht worden, weil in dem Film Kinder zu sehen sind, »deren Eltern der Veröffentlichung nicht zugestimmt hatten«, hieß es. Demnach verhängte das Gericht ein Verbot, den auf verschiedenen Internetportalen in Russland abrufbaren Film zu zeigen oder zu verbreiten. Das Gericht erkenne in dem Film außerdem Propaganda für Terrorismus und extremistische Symbolik.

Der Film ist eine Koproduktion des in Kopenhagen lebenden US-Regisseurs David Borenstein und des russischen Videofilmers Pawel Talankin.

Talankin in seiner Heimat als »Verräter» geschmäht

Talankin hatte als Lehrer und Videobeauftragter einer Schule in seiner Heimatstadt Karabasch im Gebiet Tscheljabinsk unter anderem patriotische Veranstaltungen als Beweis für eine Militarisierung des Alltags von Kindern aufgenommen und auch Schüler zum Krieg interviewt.

»Ein Nobody gegen Putin« basiert auf Videoaufnahmen eines russischen Lehrers, der nach Kriegsbeginn 2022 den Auftrag bekam, vorgeschriebenen Propaganda-Unterricht an seiner Schule zu dokumentieren. Nach zwei Jahren gelang es ihm, mit diesem Filmmaterial, das die Veränderungen in der russischen Gesellschaft durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dokumentiert, aus Russland zu fliehen und seine Videos außer Landes zu schmuggeln. US-Regisseur David Borenstein montierte aus den Aufnahmen einen Film, der auch die Wandlung Talankins zu einem entschlossenen Kriegsgegner zeigt. Bei der Oscarverleihung Mitte März wurde »Ein Nobody gegen Putin« als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Bei der Verleihung warnte Borenstein vor politischem Schweigen und verwies auf Russland. Mehr dazu lesen Sie hier.

Talankin wird in seiner Heimat als Verräter geschmäht. Als unverschämtes »Manifest des Russenhasses« kritisiert der russische Starregisseur Nikita Michalkow die Doku. Er hatte 1995 selbst einen Oscar für seinen Film »Die Sonne, die uns täuscht« erhalten. Es handle sich klar um ein antirussisches Machwerk im Auftrag westlicher Geldgeber, sagte Michalkow nun mit Blick auf den aktuellen Film, bei dem es sich um eine Koproduktion von Dänemarks öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt DR, der britischen BBC sowie von ZDF und Arte handelt.

kim/dpa/AFP