Die Drohne, die in der rumänischen Stadt Galati nahe der ukrainischen Grenze ein Wohnhaus getroffen und zwei Menschen verletzt hat, ist »ohne Zweifel« russischen Ursprungs. Das bekräftigte Rumäniens Staatspräsident Nicușor Dan in sozialen Medien. Davor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Zweifel an der Herkunft der Drohne geäußert und verlangt, dass Rumänien die Teile des Objekts nach Russland zur Prüfung schicke.
Rumänische Experten hätten das Objekt untersucht und mit mehreren russischen Drohnen verglichen, die während der vergangenen zwei Jahre auf rumänischem Territorium eingeschlagen hätten, schrieb Dan bei Facebook. Es handle sich in allen Fällen um Drohnen vom Typ Geran 2.
Im jüngsten Fall habe man diesen Typnamen auch als Schriftzug in kyrillischen Buchstaben auf den Resten der Drohne gefunden. Alle seien aus demselben Material hergestellt worden und hätten mit demselben Treibstoff funktioniert. Demnach sei Russland »der einzige Verantwortliche« für diesen Vorfall.
Die Drohne war in der Nacht auf Freitag auf dem Dach eines zehnstöckigen Wohnhauses in Galati eingeschlagen, hatte dieses durchbrochen und in der direkt darunter liegenden Wohnung einen Brand ausgelöst. Eine 53 Jahre alte Bewohnerin und ihr 14-jähriger Sohn erlitten leichte Brandwunden (mehr dazu hier).
Das Fluggerät kam nach Angaben der rumänischen Armee aus der Region des ukrainischen Donau-Hafens Reni, als diese von einem Schwarm von 43 russischen Drohnen angegriffen wurde.
Rumänien hat daraufhin den russischen Botschafter einbestellt, den russischen Konsul in der Schwarzmeerstadt Constanța ausgewiesen und das Konsulat geschlossen. Der Kreml kündigte eine zügige Reaktion auf die angekündigte Ausweisung des Konsuls an.
Internationale Reaktion auf den Vorfall in Galati
Auf die Frage, warum die Streitkräfte des Landes die Drohne trotz Sichtung auf dem Radar nicht abgeschossen hätten, erklärte Verteidigungsminister Radu Miruță, ein Abschuss über bewohntem Gebiet hätte noch mehr Schaden angerichtet und Menschenleben gefährdet als der Absturz selbst. Schwierig sei ein Abschuss auch, weil Rumänien bei derartigen Manövern den Luftraum eines anderen Staates nicht verletzen dürfe.
Die Bundesregierung und weitere europäische Partner versicherten Rumänien nach dem Vorfall ihrer Solidarität. Der Drohneneinschlag zeige einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation, erklärte Kanzler Friedrich Merz auf X. Deutschland stehe an der Seite der Nato-Verbündeten.
- Einschlag in Wohnblock: Russische Drohne in Rumänien – gefährliche Lücke in der Nato-Abwehr Von Oliver Imhof und Jan Puhl
- »Unverantwortliche Eskalation«: Einschlag russischer Drohne in Rumänien löst international Empörung aus
- Wohnhaus getroffen: Merz und Wadephul verurteilen Einschlag russischer Drohne in Rumänien
Immer wieder schlagen Moskaus Drohnen auf Bündnisgebiet ein, im Baltikum am häufigsten. Die spektakulärste Attacke aber traf Polen im September, als mehr als 20 der Flugkörper den Osten des Landes heimsuchten. Die Verbündeten schickten damals auch F35-Tarnkappen-Hightech-Jets, um die Billiggeschosse abzufangen. In der Nacht zum Freitag stiegen rumänische F-16-Flugzeuge auf, um Jagd auf die Drohne zu machen, die kaum so groß wie ein Kühlschrank war.
Gefährliche Lücke in der Nato-Abwehr: Die Ukraine holt täglich Hunderte Drohnen vom Himmel, im Nato-Staat Rumänien hat ein einziger russischer Flugkörper einen Wohnblock in Brand gesetzt. Wie kann das sein?
