Wegen angeblichen Vandalismus am Reflecting Pool in Washington, D.C. wurden im Juni drei Personen festgenommen. Eine war Sophie Dennison-Gibby. Nachdem die Anklage gegen sie fallen gelassen wurde, schildert sie in einem Interview mit der »Washington Post« , wie es zu ihrer Festnahme kam – und wie der Vorfall sie bis heute belastet.
Dennison-Gibby ist seit mehr als 20 Jahren Tierärztin und beschreibt sich im Gespräch mit der »Washington Post« als »ziemlich besessen davon, Müll aufzuheben«. Am 20. Juni habe sie neben dem berühmten Wahrzeichen im Zentrum der US-Hauptstadt gestanden, als ihr auffiel, dass ein Stück Müll im Wasser schwamm, erinnert sie sich. Ohne zu zögern, habe sie es herausgefischt.
Daraufhin, so beschreibt es Dennison-Gibby, sei sie von einem US-Marschall angesprochen worden. Er soll gesagt haben: »Nun, ich wünschte, Sie hätten das nicht getan. Jetzt werde ich Sie festnehmen.« Der Beamte legte ihr die Handschellen hinter dem Rücken an und führte sie ab.
Das Debakel um den Reflecting Pool
Der historische Pool war im Frühsommer Gegenstand hitziger Debatten. Als Teil der Pläne des US-Präsidenten Donald Trump zur Umgestaltung der US-Hauptstadt wurde er im Rahmen eines 14,7 Millionen Dollar schweren Auftrags – ohne Ausschreibung – trockengelegt und neu gestaltet. Am 6. Juni erklärte der US-Präsident die Arbeiten für abgeschlossen. Kaum zwei Wochen später blätterte die frische Farbe im Pool vom Grund ab und verteilte sich im Becken.
Abgeblätterter Kunststoff ragt aus dem Reflecting Pool
Foto:Annabelle Gordon / REUTERS
Hinzu kam massiver Algenwuchs. Das versprochene Blau war nirgends zu sehen. Trump machte wiederholt Vandalismus für die Schäden am Pool verantwortlich, ohne dafür Beweise vorzulegen. Kürzlich räumte das US-Justizministerium ein, die Schäden am historischen Wasserbecken seien nicht durch Vandalismus, sondern mangelhafte Arbeiten des Bauunternehmens verursacht worden.
»Von der mächtigsten Person der Welt angeprangert zu werden, war schrecklich«
Auch im Fall der Festnahme von Dennison-Gibby stellte sich heraus, dass es sich um einen Rest der sich ablösenden Auskleidung des Beckens gehandelt hatte. Sie erzählt der »Washington Post«, dass man ihr weder mitgeteilt habe, wohin man sie bringe, noch, wie lange man sie festhalten werde. »Da wurde es erst richtig beängstigend«, erinnert sich die britisch-amerikanische Staatsbürgerin.
Als sie später von Trumps Behauptungen erfuhr, politisch motivierte Vandalen hätten den Pool beschädigt, sei ihr übel geworden. »Von der mächtigsten Person der Welt, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, öffentlich angeprangert und als kranke, gewalttätige Vandalin bezeichnet zu werden, obwohl ich doch nur ein Stück Müll aufgesammelt hatte, war schrecklich«, schilderte sie der »Post«.
Sie habe sich »öffentlich gedemütigt« gefühlt. Und auch, wenn sich große Erleichterung breit gemacht habe, nachdem die Anklage fallen gelassen wurde – der Vorfall verunsichere Dennison-Gibby nach wie vor.
