SpOn 26.04.2026
20:34 Uhr

Radko Mladić will in Serbien sterben, Opferverbände lehnen Verlegung ab


16 Jahre war der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić auf der Flucht, bis er 2011 gefasst wurde. Nun sitzt der schwer erkrankte Greis in Den Haag ein – lebenslang. Das will er ändern.

Radko Mladić will in Serbien sterben, Opferverbände lehnen Verlegung ab

Verbände von Opfern des Bosnienkriegs haben sich gegen eine mögliche Verlegung des Kriegsverbrechers Ratko Mladić nach Serbien ausgesprochen. Die Familien der Kriegsopfer sähen es als eine »schwere Ungerechtigkeit an«, falls der zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher der weiteren Haft unter internationaler Aufsicht entgehen würde. So haben es die Vertreter von fünf Opferverbänden in einem am Samstag veröffentlichten Brief an die Präsidentin des Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT), Graciela Gatti Santana, formuliert.

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Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica sowie weiterer Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg zu lebenslanger Haft.

Mladić vor Gericht in Den Haag 2021

Mladić vor Gericht in Den Haag 2021

Foto: Jerry Lampen / AP

Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt. Seine Anwälte versuchten in den vergangenen Jahren mehrfach, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen.

Nach Angaben seiner Familie hatte Mladić vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten und befindet sich in »dramatisch schlechtem« Zustand. Mladićs Anwalt beantragte am Freitag, den 84-Jährigen vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in Serbien im Krankenhaus behandelt werden könne.

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre dies eine »weitere Erniedrigung für die Opfer und würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz in Frage stellen«, erklärten die Opferverbände in ihrem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Mladić sei »mit der Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden soll, jahrelang der Justiz entkommen«.

In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Einheiten im Sommer 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Das Massaker gilt als das wohl schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieser Meldung hieß es im Teaser, Mladić sei 2021 gefasst worden, richtig ist 2011. Wir haben die Stelle korrigiert.

dop/AFP