SpOn 26.03.2026
19:00 Uhr

Pottwal erstmals bei der Geburt gefilmt – die ganze Gemeinschaft hilft dabei


Die Geburt ist bei Pottwalen ein spektakuläres Ereignis. Zahlreiche Tiere arbeiten zusammen, um das Neugeborene zu schützen. Forschende waren zum ersten Mal mit einer Kamera dabei.

Pottwal erstmals bei der Geburt gefilmt – die ganze Gemeinschaft hilft dabei

Erstmals haben Forschende die Geburt eines Pottwals gefilmt. Die Aufnahmen zeigen, wie eine Gemeinschaft von zehn Pottwalen das Muttertier unterstützt und das Baby unmittelbar nach der Geburt an der Wasseroberfläche hält, um die Atmung anzuregen. »Diese Erkenntnisse formen unseren Blick auf Walgesellschaften grundlegend um«, sagt der beteiligte Forscher David Gruber von der City University in New York. »Wir sehen eine tief koordinierte soziale Fürsorge.«

DER SPIEGEL

Gruber ist Gründer und Präsident des Projekts CETI (Cetacean Translation Initiative), das Pottwale untersucht und einen Sitz auf der Karibikinsel Dominica hat. Vor der Küste der Insel erspähte eine Gruppe von Forschenden an einem Morgen im Juli 2023 eine Gruppe von Pottwalen, die aus elf Tieren zweier eigentlich getrennt lebender Familien bestand, acht ausgewachsenen Tieren und drei Kälbern. Ihre Beobachtungen schildert die Forschungsgruppe in Fachartikeln in »Science«  und »Scientific Reports« .

Bei der Geburt, die 33 Minuten dauerte, war die Mutter von mehreren weiblichen Tieren umgeben. Am eindringlichsten war das Verhalten nach der Geburt: Binnen einer Minute hievten Wale beider Familien das Neugeborene mit ihren Köpfen und Rücken an die Wasseroberfläche und hielten es dort etwa eine Stunde lang – wohl um ihm das Atmen zu ermöglichen, bevor es gut selbstständig schwimmen konnte.

Schutz vor Fressfeinden?

Teilweise war der kleine Pottwal fast komplett aus dem Wasser gehoben, berichtet die Forschungsgruppe. Fast alle Pottwale blieben in der Zeit dicht aneinander gedrängt. Möglicherweise sollte der enge Verbund ein Ertrinken des Neugeborenen verhindern, mutmaßt das Team. Möglicherweise diente er aber auch dazu, den kleinen Wal vor etwaigen Fressfeinden wie Haien zu schützen.

Erst etwa zwei Stunden nach der Geburt löste sich die Gruppe der Pottwale wieder auf. Das Baby verblieb mit seiner Mutter, seiner Halbschwester und seiner Tante. Wie das Team in »Scientific Reports« schreibt, wurde der junge Pottwal zusammen mit der Halbschwester und der Tante ein Jahr später wieder gesichtet.

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»Das ist der detaillierteste Blick, den wir jemals auf einen der wichtigsten Momente im Leben eines Wals hatten«, sagt Co-Autor Shane Gero von der Carleton University in Ottawa, Kanada. »Weil dieser Familienverband seit Jahrzehnten untersucht wird, konnten wir sehen, was die Großmutter machte, wie sich die neue große Schwester verhielt und wie alle der Mutter und dem Neugeborenen halfen.«

Ein Über-Wasser-Halten nach der Geburt sei zuvor schon bei drei anderen Arten von Zahnwalen erfasst worden, erklärt das Team in »Scientific Reports«: bei Kleinen Schwertwalen, Schwertwalen und Belugas. Das Team vermutet daher, dass dieses Verhalten schon beim letzten gemeinsamen Ahnen dieser Arten verbreitet war, der vor mehr als 34 Millionen Jahren lebte. In »Science« schreiben die Autoren, eine solch komplexe Geburtshilfe erinnere an Primaten und Menschen.

msk/dpa