Ein Pariser Schwurgericht hat den umstrittenen Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan in Abwesenheit wegen Vergewaltigung zu 18 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand den 63-Jährigen am Mittwochabend in allen drei angeklagten Fällen schuldig.
Der Prediger, der nicht zu seinem Prozess erschienen war und sich in der Schweiz aufhält, soll per Haftbefehl gesucht und nach Verbüßung seiner Strafe dauerhaft aus Frankreich ausgewiesen werden. Laut Gericht wurde Ramadan untersagt, Kontakt zu den Opfern aufzunehmen, außerdem muss er seine Opfer entschädigen. Mit seinem Urteil entsprach das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft.
Vollstreckt werden kann das Urteil allerdings erst, wenn Ramadan in Frankreich festgenommen wird. Da die Schweiz ihre Staatsangehörigen nicht an andere Staaten ausliefert, hat er dort zunächst nichts zu befürchten.
Bereits in der Schweiz verurteilt
Ramadan soll zwischen 2009 und 2016 drei Frauen in Lyon und Paris vergewaltigt haben. Er saß deshalb zehn Monate in Untersuchungshaft. Der frühere Professor der britischen Eliteuniversität Oxford hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, Kontakte zu den Frauen aber später eingeräumt. Diese bezeichneten ihn als manipulativ, dominant und brutal. In der Schweiz wurde der bekannte Islamwissenschaftler im August 2024 in einem anderen Fall wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt.
Ramadan, der sich nach einer Justizauflage eigentlich im Großraum Paris aufhalten soll, war zum Prozessauftakt nicht vor Gericht erschienen. Er leide an Multipler Sklerose und sei in eine Klinik in Genf aufgenommen worden, erklärte sein Verteidiger unter Verweis auf ein Attest. Zwei vom Gericht bestellte medizinische Sachverständige bescheinigten später aber, dass der Prediger verhandlungsfähig und sein Gesundheitszustand stabil sei. Dem Prozess blieb er jedoch weiterhin fern.
Ramadan ist seit Ende 2017 von seiner Professur an der britischen Universität Oxford beurlaubt. Ramadan ist ein Enkel des Gründers der ägyptischen Muslimbruderschaft.
