Sie haben gejubelt, vor Freude geweint, doch nun macht sich Katerstimmung breit: Nach der erfolgreichen Verbringung des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals in die Nordsee kritisieren die Geldgeber der privaten Walinitiative die Art und Weise, wie das Tier letztlich freikam.
»Wir konstatieren hiermit, dass wir an der Entlassungsaktion des Wals weder beteiligt waren noch diese aktiv begleitet haben«, heißt es in einem Schreiben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und des MediaMarkt-Mitgründers Walter Gunz, das auf den 2. Mai datiert ist. Die Tierärztin Kirsten Tönnies, ebenfalls Mitglied der privaten Initiative, hat es auf Instagram veröffentlicht.
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»Wir distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten«, heißt es weiter. Die Verantwortung liege demnach bei den Eignern und Betreibern der Schiffe, die an dem Waltransport beteiligt waren, sowie bei Mitgliedern der Schiffscrew. Diese haben sich bislang nicht zu den konkreten Vorwürfen geäußert.
In einem Schreiben teilte die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs »Robin Hood« lediglich mit, die Freisetzung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Jeffrey Foster erfolgt. Das Tier sei zuvor durch den Seegang wiederholt gegen die Wände der Barge gestoßen, hieß es von der Bereederungsgesellschaft weiter. Auch von »vielen riskanten Manövern« während des Transports ist die Rede.
Foster wurde für den Waltransport eingeflogen, er arbeitet für das Whale Sanctuary Project, das sich für die Auswilderung von Meeressäugern einsetzt. Er war Anfang der Nullerjahre an der Auswilderung des Orcas Keiko beteiligt, bekannt aus den »Free Willy«-Filmen. Das Tier verhielt sich in Freiheit nicht artgerecht und starb nach etwa anderthalb Jahren.
Unklar, wie der Wal freikam
Auf bislang unbestätigten Aufnahmen des Buckelwals ist zu sehen, wie Menschen auf der Barge am Freitag augenscheinlich versuchten, den Meeressäuger mit Seilen an der Fluke in Richtung Ausgang zu bugsieren. Laut der Nachrichtenplattform News5 , die den Waltransport von einem eigenen Boot aus begleitete, soll der Kapitän die Freilassung angeordnet haben, die letztlich scheiterte. Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie der Wal am Samstagmorgen letztlich aus der Barge kam, gibt es bisher nicht.
»Es ist die Regel Nummer eins bei gestrandeten Walen, sie niemals, wirklich niemals in irgendeiner Weise an der Fluke zu ziehen«, sagte Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter, der nicht Teil der privaten Walinitiative war. Die Schwanzflosse sei nur über Bindegewebe und Muskulatur mit dem Rest des Körpers verbunden, daher drohten schnell schwere Verletzungen.
Laut Walter-Mommert und Gunz soll entgegen vorherigen Absprachen nur Foster am Samstagmorgen zu dem Wal gelassen worden sein.
Wal bei Skagen: Vermutlich handelt es sich um den Buckelwal aus der Ostsee
Foto:Sebastian Peters / NEWS5 / dpa
Laut dem Schreiben der Geldgeber habe Foster unmittelbar vor der Freilassung eindringlich gebeten, auch seine Kollegen auf die Barge zu holen. Dem sei jedoch nicht entsprochen worden. »Ebenso wurde ihm im Laufe der Vorgänge untersagt, sein Handy zu nutzen, unter Androhung, dieses ins Meer zu werfen.« Ob die Vorwürfe zutreffen, lässt sich nicht unabhängig prüfen.
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Unklar ist zudem, wie es dem Wal derzeit geht. Die Daten des Peilsenders, der laut Privatinitiative an dem Wal angebracht wurde, sind bisher nicht veröffentlicht worden. Die »Bild« berichtet , über den Peilsender würden rund um die Uhr Signale empfangen und beruft sich dabei auf die Rettungsinitiative. Unabhängig bestätigt ist das jedoch nicht.
Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, hatte am Samstag kritisiert, die Übermittlung der Daten an das Ministerium sei vereinbart gewesen und wiederholt angefordert worden, aber bislang ausgeblieben.
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