Der ChatGPT-Entwickler OpenAI stellt seine Video-App Sora ein, die kurze Clips per Sprachbefehl erzeugen kann. Die erstmals 2024 vorgestellte Funktion erregte viel Aufsehen. Sie konnte aus Textvorgaben Videos in Spielfilmqualität erzeugen. Damit löste OpenAI einen Wettlauf bei der Entwicklung ähnlicher Modelle aus. Mit einer eigenständigen App bekamen Nutzer vor einem halben Jahr auch die Möglichkeit, selbst in den Videos aufzutauchen.
»Wir verabschieden uns von Sora«, teilt das Entwicklerteam nun auf der Plattform X mit . Man wisse, dass diese Nachricht enttäuschend sei, und werde bald Details zum Zeitplan nennen und erläutern, wie Nutzer ihre erstellten Videos sichern können.
We’re saying goodbye to the Sora app. To everyone who created with Sora, shared it, and built community around it: thank you. What you made with Sora mattered, and we know this news is disappointing.
— Sora (@soraofficialapp) March 24, 2026
We’ll share more soon, including timelines for the app and API and details on…
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Dem »Wall Street Journal« zufolge kündigte OpenAI-Chef Sam Altman der Belegschaft an, alle Produkte einzustellen, die auf den Videomodellen des Unternehmens basieren. Davon seien neben der App auch die Videofunktion innerhalb von ChatGPT betroffen, zudem die Entwicklerversion.
OpenAI macht keine Angaben dazu, weshalb genau Sora eingestellt wird. In US-Medienberichten war in den vergangenen Wochen die Rede davon, dass der KI-Vorreiter die Konkurrenz von Rivalen wie Anthropic und Google zu spüren bekomme und sich deshalb stärker auf das potenziell lukrative Geschäft mit Unternehmen konzentrieren wolle.
Die für Apps zuständige OpenAI-Managerin Fidji Simo schrieb bereits vergangene Woche auf X, Unternehmen durchlebten Phasen der Experimente und der Fokussierung. Dabei sei es wichtig, sich nicht ablenken zu lassen.
Aufregung in Hollywood
Als OpenAI die Sora-App auf den Markt brachte, sah es danach aus, dass der Videogenerator künstliche Intelligenz zunehmend in den Alltag der Menschen integrieren könne. Doch schon bald zeigten sich die Schattenseiten der Technik. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich KI-Videos, die unter anderem gewaltvolle und sexistische Erniedrigung von Frauen und Mädchen zeigen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Die App selbst war auch als eine Art Social-Media-Plattform gedacht und ähnelte TikTok in seiner Anwendung und mit einer Benutzeroberfläche, in der die vertikalen Videos im Fokus standen. Die Hauptfunktion war »Cameos« (später »Characters«), mit der Nutzerinnen und Nutzer realistische Deepfakes von sich selbst erstellen konnten.
In Hollywood hatte die App für Aufregung gesorgt, nachdem sich Deepfake-Videos von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – darunter Michael Jackson und Martin Luther King Jr. – verbreitet hatten. Die Familie von Martin Luther King Jr. hatte sich über »respektlose Darstellungen« beschwert, woraufhin das Erstellen mit Bildern des Bürgerrechtlers einstellte. Auch Zelda William hatte Schlagzeilen gemacht, als sie sich gegen das Erstellen von KI-Videos ihres gestorbenen Vaters Robin Williams aussprach. Mehr dazu lesen Sie hier.
Auch der Disney-Milliarden-Deal ist offenbar hinfällig
Zudem wurden mithilfe von Sora auch einige KI-Videos mit urheberrechtlich geschützten Figuren aus Film und Fernsehen generiert. Doch statt zu klagen, schloss Disney mit OpenAI im Dezember einen Deal ab. Mit dem Aus für Sora ist die Vereinbarung nun offenbar hinfällig. Disney hatte damals angekündigt, eine Milliarde Dollar in OpenAI zu investieren und einen Lizenzvertrag abgeschlossen, der es Sora ermöglichen sollte, Figuren aus Disney, Marvel, Pixar und Star Wars, wie etwa Micky Maus und Iron Man, in den KI-Videos zu zeigen.
In einer Stellungnahme erklärte Disney, dass es »die Entscheidung von OpenAI respektiere, sich aus dem Geschäft der Videogenerierung zurückzuziehen und seine Prioritäten anderweitig zu setzen«. Das Unternehmen wolle zukünftig weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten.



