Wenn sich eine Kärntner Slowenin, ein Burgenland-Kroate und eine Vorarlbergerin mit einem Bewohner des Salzburger Lungaus und einem Grantler aus Wien-Ottakring an einen Tisch setzen, dann läuft die Unterhaltung in einem amüsanten Kauderwelsch. Österreich ist eben nicht nur ein kleines Land mit großer Geschichte. Seine Bewohner sind ein interessantes Mischvölkchen.
Um diese Sprach- und Dialektvielfalt kümmert sich Claudia Bauer neuerdings auf besondere Weise. Die für Integration zuständige Bundesministerin der konservativen ÖVP hat eine Reform der Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten vorgestellt. Strenger soll es zugehen, den vielen Kursabbrüchen will man entgegenwirken. Doch besonders stach ein anderer Aspekt hervor: Flüchtlinge sollen künftig auch Mundart lernen. Freilich nur obendrein, zusätzlich zum Hochdeutsch. Sobald ein Kursteilnehmer Sprachniveau B1 erreicht hat, ist er künftig reif für den Dialekt. Allerdings lernt er dann nur die Mundart, die in seiner Region gesprochen wird. Das bedeutet: Wenn ein Migrant also etwa vom Neusiedler See an den Bodensee umzieht, kann er mit seinem Wissen wenig anfangen.
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»Ein Schildbürgerstreich«, poltert die rechtsradikale FPÖ gegen den Vorstoß. Aber die Rechtsradikalen scheinen grundsätzlich gegen alles zu sein, was aus der Regierung kommt – und der Heuchelfaktor ist in diesem Fall beträchtlich. Denn ausgerechnet in dem von der FPÖ mitregierten Bundesland Oberösterreich wurden die Dialektkurse zuerst eingeführt.
Dort, im oberösterreichischen Mühlviertel, ist übrigens auch Ministerin Bauer aufgewachsen. In der tiefen Provinz, nahe der tschechischen Grenze, amtiert im Dorf Walding Bauers Vater nach wie vor als Bürgermeister. Ohne Dialektkenntnisse dürfte man sich in einem solchen Ort tatsächlich mitunter etwas schwertun – auch wenn man aus Wien oder Deutschland kommt.
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Österreich – Lebensqualität hoch, Freundlichkeit bescheiden
Unsere SPIEGEL-Kollegin Lucia Heisterkamp stellt die aktuelle Podcast-Folge von »Inside Austria« vor:
Wussten Sie, dass Österreich die unhöflichste Nation der Welt ist? Das jedenfalls behauptet eine neue Studie des britischen Finanzdienstleisters Remitly. Die Alpenrepublik landete in der Befragung von mehr als 4600 Personen aus 25 Ländern auf Rang 25 – also auf dem letzten Platz.
Überraschend kommt das Ergebnis eher nicht, immerhin schneidet Österreichs Hauptstadt Wien in internationalen Rankings regelmäßig schlecht ab, wenn es um die Freundlichkeit der Einwohnerinnen und Einwohner geht. In puncto Lebensqualität landet Wien dafür immer wieder auf dem Spitzenplatz. Wie das zusammengeht, darüber haben wir beim Podcast »Inside Austria« schon im Sommer 2024 eine Folge gemacht. Die wiederholen wir in dieser Woche, denn aktuell stecken wir in der Vorbereitung einer neuen Serie. Worum es geht, verraten wir noch nicht, nur so viel: Wir lernen bei der Recherche nicht nur viel über Österreich, sondern auch über unsere eigene Psyche.
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Schönes Wochenende und herzliche Grüße aus Wien!
Oliver Das Gupta
Autor für SPIEGEL und STANDARD
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