Millionen Menschen sind in den USA bei den dritten landesweiten Großdemonstrationen unter dem Motto »No Kings« (Keine Könige) gegen Präsident Donald Trump und seine als autoritär kritisierte Regierungsführung auf die Straßen gegangen.
In allen 50 Bundesstaaten protestierten am Samstag nach Aussage der Organisatoren insgesamt mindestens acht Millionen Menschen bei mehr als 3300 Demonstrationen, von großen Städten bis zu kleinen Ortschaften.
Es war bereits der dritte und bislang weitreichendste Protesttag unter dem Motto »No Kings« seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit vor 14 Monaten. Beim ersten Protesttag am 79. Geburtstag des US-Präsidenten hatten im Juni bereits mehrere Millionen Menschen demonstriert, im Juni gingen Schätzungen zufolge sieben Millionen US-Bürger gegen Trump auf die Straße. (Sehen Sie hier im Video, wie sich die Wut auf Trump in der US-Hauptstadt entlädt.)
Zulauf auch in republikanisch geprägten Bundesstaaten
Die Veranstalter der Proteste verzeichnen nach eigenen Angaben auch in stark republikanisch geprägten Bundesstaaten wie Idaho, Wyoming, Montana und Utah großen Zulauf. Landesweit wurden zwei Drittel der Demonstrationen in kleineren Städten und Orten erwartet, deutlich mehr als noch beim ersten Aktionstag im Juni.
Ein Schwerpunkt der Proteste war Saint Paul im Bundesstaat Minnesota, ein Brennpunkt von Trumps hartem Vorgehen gegen illegale Einwanderung. Viele Demonstranten hielten Plakate mit Fotos von Renée Good und Alex Pretti hoch, den beiden US-Bürgern, die in diesem Jahr in Minneapolis am Rande von Protesten gegen Trumps Einwanderungspolitik von Einsatzkräften der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurden.
Bruce Springsteen am Samstag in Saint Paul, Minnesota: Rockstar und Trump-Kritiker
Foto: Ellen Schmidt / APHier spielte Rockstar und Trump-Kritiker Bruce Springsteen vor Zehntausenden Demonstranten seinen Protestsong »Streets of Minneapolis«, den er für Pretti und Good geschrieben hatte.
Ausschreitungen in Los Angeles
In Dallas kam es zu Zusammenstößen zwischen »No-Kings«-Demonstranten und Gegendemonstranten. Eine dieser Gruppen von Gegendemonstranten wurde von Enrique Tarrio angeführt, dem früheren Chef der rechtsextremen Organisation Proud Boys. Als einige von ihnen Straßen blockierten, entwickelten sich kleinere Handgemenge.
Auch in Los Angeles kam es nach Angaben der Behörden am Rande der Proteste zu Ausschreitungen. Dem Heimatschutzministerium zufolge umstellten rund 1000 Demonstranten ein Bundesgebäude. Zwei Personen seien in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie Beamte mit Betonsteinen angegriffen und verletzt hätten. Die Polizei von Los Angeles meldete zudem weitere Festnahmen in der Nähe eines Bundesgefängnisses. Sicherheitskräfte hätten dort Tränengas eingesetzt, nachdem Demonstranten Gegenstände über einen Zaun geworfen hatten.
Wut über Irankrieg
Zusätzlichen Zulauf brachte den Demonstrationen die Unzufriedenheit über den vor einem Monat von den USA gemeinsam mit Israel begonnenen Irankrieg. Alle Entwicklungen dazu lesen Sie in der Liveanalyse. Auch außerhalb der USA fanden Anti-Trump-Demonstrationen statt, unter anderem in Amsterdam, Madrid und Rom.
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