SpOn 27.03.2026
17:18 Uhr

News des Tages: Trumps Truppen in der Straße von Hormus, Walrettung, gefälschte Arbeitszeit


Donald Trump schickt Boden- und Luftlandetruppen nach Nahost. Der gestrandete Wal von Niendorf ist vorerst wieder frei. Und ein Drittel der Beschäftigten simuliert laut Umfrage die Arbeit nur. Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Trumps Truppen in der Straße von Hormus, Walrettung, gefälschte Arbeitszeit
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1. Soll die Straße von Hormus freigebombt werden?

Das Pentagon verlegt laut »New York Times« rund 7000 US-Elitesoldaten in Richtung Iran – 4500 Marines und 2000 Luftlandespezialisten. Der Schritt gilt als deutliche Eskalation im Konflikt mit Teheran. Offenbar erwägt Washington, Bodentruppen in der Straße von Hormus einzusetzen, um die faktisch von Iran blockierte Schiffspassage zu öffnen. Denkbar ist auch ein riskanter Einsatz gegen das iranische Atomprogramm. In beiden Fällen drohen schwere Verluste, analysiert mein Kollege Oliver Imhof (hier mehr dazu ).

Neben dem 31. Marineexpeditionskorps soll auch die 82. Luftlandedivision mobilisiert werden, deren Schnellkräfte binnen weniger Stunden weltweit einsetzbar sind. Laut »Wall Street Journal« prüft US-Präsident Trump zudem, bis zu 10.000 weitere Soldaten in die Region zu schicken. Strategisches Ziel könnten umstrittene Inseln im Persischen Golf wie Abu Musa oder die Tunb-Inseln sein, die als Basis für Spezialeinsätze dienen könnten – ebenso wie die Insel Charg, Irans wichtigstes Ölexportterminal.

Experten warnen jedoch, amphibische Landungen und Gefechte in der engen Meerenge seien wegen Minen, iranischer Raketen und Drohnenangriffen höchst gefährlich. Selbst bei einer Besetzung der Inseln bliebe offen, ob die USA damit die Straße von Hormus wirklich sichern könnten (lesen Sie hier mehr ). Washington scheint bislang auf maximalen Druck zu setzen. Fragt sich nur, ob der Druck auf Iran wirkt oder ob nicht eher Trump das Ganze bald um die Ohren fliegt.


2. Eine spannende Walnacht

Der vor Niendorf in der Ostsee gestrandete Buckelwal hat sich in der Nacht zu Freitag aus eigener Kraft aus dem flachen Wasser vor Timmendorfer Strand befreit (hier mehr dazu). Gestern noch war meine Kollegin Anna Ehlebracht vor Ort und gewann den Eindruck, der Wal wirke agil und würde gut kooperieren. »Wir hoffen, dass es am Ende gut ausgeht«, sagte auch der angereiste Ministerpräsident Daniel Günther (hier der ganze Text ).

Es ging gut aus. Vorerst. Boote der Küstenwache geleiten das Tier nun in Richtung Nordsee. Meine Kollegin Julia Köppe zeichnet nach, wie Polizei, Feuerwehr, Umweltschützer, Baggerfahrer und Walexperten, darunter der Meeresbiologe und Influencer Robert Marc Lehmann, in einer für Deutschland einmaligen Rettungsaktion versuchten, den tonnenschweren Jungwal von einer Sandbank zu holen (lesen Sie hier mehr ). »Dem Wal einfach beim Sterben zuzusehen, war für uns keine Option«, sagte einer der Retter. Zwischenzeitlich war sogar die Rede davon, ihn zu erschießen oder zu sprengen.

Der Wal war wochenlang im Zickzack durch die Ostsee geschwommen. Vermutlich durch Lärm oder durch die Jagd auf Heringe fehlgeleitet, hatte er sich in einem Fischernetz verfangen und schließlich vor Niendorf festgesetzt. Das Gebiet musste weiträumig vor Schaulustigen abgesperrt werden. Mehrere Versuche mit Schlauch- und Polizeibooten scheiterten; schließlich gruben der Schwimmbagger »Waterking« und ein weiterer Bagger eine etwa 50 Meter lange und mehrere Meter breite Rinne, durch die sich der geschwächte Wal bei einsetzender Dunkelheit Stück für Stück vorarbeitete. Die Rettung kostete nach ersten Schätzungen mindestens 40.000 Euro, das Land Schleswig-Holstein will die Gemeinde Timmendorfer Strand finanziell unterstützen. Experten warnen, dass die Befreiung von der Sandbank wahrscheinlich nur ein Anfang sei und künftig häufiger Wale an deutschen Küsten stranden könnten. Denn die Bestände erholen sich nach dem Ende des kommerziellen Walfangs.


3. Es ist nicht so, wie Sie denken

Vor einiger Zeit erzählte mir jemand, er habe sich einen sogenannten undetektierbaren Maus Jiggler mit On/Off-Schalter zugelegt, um zu verhindern, dass sein Computer im Homeoffice in den Schlafmodus fällt. Das Ding simuliere gewissermaßen Daueraktivität des Rechners, der Teams-Status bleibe so permanent auf Grün.

Ich hielt das für eine zweifelhafte Schnurre und schaute nach. Tatsächlich: Bei Amazon gibt es Dutzende solcher Geräte. Für einmalig 27 Euro lässt sich wunderbar Produktivität vortäuschen. Der Mensch, der mir stolz von seinem Investment erzählte, gehört offenbar zu der Gruppe von knapp 30 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in einer Umfrage zugaben, ihren Onlinestatus im Homeoffice künstlich auf »anwesend« zu halten. Die Jobseite Indeed und das Meinungsforschungsinstitut Appinio haben 1000 hybrid arbeitende Beschäftigte befragt.

25,4 Prozent gaben an, länger im Büro zu bleiben, weil die Führungskraft noch anwesend ist. 23,2 Prozent verschicken E-Mails bewusst zu ungewöhnlichen Zeiten, um den Eindruck zu erwecken, twentyfourseven für die Arbeit zu brennen (hier mehr). »Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit«, sagt Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens. »Doch wenn Beschäftigte anfangen, ihre Anwesenheit zu inszenieren, statt sich auf Ergebnisse zu konzentrieren, ist das weder effizient für Unternehmen noch nachhaltig für die Beschäftigten«, sagt Hensgens.

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Da fällt mir wieder ein Interview mit dem Neurowissenschaftler Joseph Jebelli ein, der das Ruhenetzwerk im Gehirn erforscht. Seine These: »Je mehr Zeit man mit Nichtstun verbringt, desto besser.« (Hier das ganze Interview .) Nur so werde Raum für Kreativität geschaffen. Wenn in Ihrer Firma also demnächst ein Feuerwerk brillanter Ideen gezündet wird, dann wahrscheinlich von Leuten, die einen undetektierbaren Maus Jiggler besitzen.


Was heute sonst noch wichtig ist


Meine Lieblingsgeschichte: Ahnungslos durch die Nacht

Raffinerie in Heide: Deutschland produziert fast seinen ganzen Sprit selbst

Raffinerie in Heide: Deutschland produziert fast seinen ganzen Sprit selbst

Foto:

Bodo Marks / dpa / picture alliance

»Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai.« Das Zitat bezieht sich auf Benzin und stammt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Falls Sie denken, Reiche wollte damit subtil transportieren, dass es schlau wäre, sich von der fossilen Energie zu lösen, irren Sie. In der Vergangenheit fiel Reiche eher mit dem Gegenteil auf. Sie stellt nicht nur das in Deutschland gesetzlich festgelegte Klimaziel infrage, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Sie regt auch an, das weniger strenge Ziel der EU zu reißen, bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr auszustoßen – und zwar um bis zu zehn Prozentpunkte. Jetzt berichten meine Kollegen Stefan Schultz und Gerald Traufetter, dass gar kein Mangel an Sprit herrscht. Reiches Aussage habe sich auf ein »Worst-Case-Szenario« bezogen. Man fragt sich langsam, ob die Ministerin nicht selbst das »Worst-Case-Szenario« ist.


Was heute weniger wichtig ist

David und Victoria Beckham

David und Victoria Beckham

Foto:

Tolga Akmen / EPA

Picknick like Beckham: Das Glamourpaar David Beckham, 50, und seine Frau Victoria Beckham, 51, haben Ärger mit ihren Nachbarn. Bei der Gestaltung ihres Anwesens haben sie es offenbar etwas zu weit getrieben. Nicht nur, dass sie alles Mögliche beleuchten, jetzt setzten sie noch Tore, planzten Bäume, um mehr Privatsphäre zu erreichen. Zwar hätten die Beckhams einen Antrag für all das gestellt. Aber, so ein Nachbar: »Dieser aktuelle Antrag ist doch nur ein Witz. Warum einen Antrag stellen, wenn man die Straße bereits angelegt, Tore installiert, eine Stromversorgung zum Tor verlegt, Bäume gepflanzt und entlang beider Seiten dieses Weges einen Lattenzaun errichtet hat?«


Mini-Hohlspiegel

Von SPIEGEL.de

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Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Oberhafenquartier in Hamburg

Oberhafenquartier in Hamburg

Foto: Thomas Ebert/laif

Sollten Sie in Hamburg oder Umgebung leben, lohnt sich ein Konzertbesuch in der Halle242 auf dem alten Oberhafengelände. In den Fünfzigerjahren wurde sie als Teil von Deutschlands größter Stückgut-Umschlaganlage gebaut. Seit 2014 ist sie Industriedenkmal und Veranstaltungsort für Klassik- und Jazzkonzerte. Heute Abend tritt dort die Band Nova um den belgischen Bassisten Félix Zurstrassen auf, der mit Aaron Parks am Klavier, Ben van Gelder am Saxofon, Nelson Veras an der Gitarre und Jeff Ballard am Schlagzeug fantastische Solisten um sich schart. Sollten Sie woanders wohnen, hören Sie einfach hier mal rein .

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Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten