SpOn 28.05.2026
18:00 Uhr

News des Tages: Irankrieg, Visa-Dienstleister VFS Global, Markus Söder


Die Verhandlungen zu einem möglichen Ende des Irankriegs stocken. Ein privater Dienstleister macht mit Visumsanträgen das große Geschäft. Und Markus Söder erfindet sich neu. Das ist die Lage am Donnerstagabend.

News des Tages: Irankrieg, Visa-Dienstleister VFS Global, Markus Söder
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1. Kein Vor, kein Zurück

Die Lage im Irankrieg scheint volatil und gleichzeitig festgefahren. Zum einen bleibt es trotz Waffenruhe unruhig: Am frühen Morgen meldeten Medien übereinstimmend, Iran habe Drohnen auf amerikanische und zivile Schiffe abgefeuert, woraufhin die USA die Drohnen abgeschossen und den Stützpunkt angegriffen hätten, von dem aus sie gestartet waren (hier mehr dazu). »Rein defensiv« sei die Maßnahme gewesen, zitiert Reuters einen US-Regierungsbeamten, »und dazu bestimmt, den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten«. Allerdings schreibt mein Kollege Fritz Schaap: »Das Risiko besteht, dass diese Scharmützel so eskalieren, dass sie wieder zu einem offenen Krieg führen.« (Lesen Sie hier mehr .)

Zum anderen stocken die Verhandlungen zu einem möglichen Kriegsende. »Der Deal, von dem seit Tagen die Rede ist, ist weniger ein Deal als eine Absichtserklärung«, schreibt Fritz. »Im Kern geht es um eine Übereinkunft, die vorsieht, weiter über eine Übereinkunft zu verhandeln.« Die zentralen Streitpunkte würden nicht gelöst. Zudem verprelle US-Präsident Donald Trump nun womöglich die Länder, die er dringend als Vermittler braucht. (Lesen Sie hier den ganzen Text. )

Meine Kollegin Susanne Koelbl sowie meine Kollegen Christoph Reuter, Fritz Schaap und Bernhard Zand schildern in einem weiteren Text, wie das Leben in Iran aktuell aussieht (hier mehr dazu ). Demnach scheint das Regime zwar gestärkt aus dem Konflikt hervorzugehen, doch Wirtschaft und Infrastruktur liegen am Boden, das Regime ist in weiten Teilen der Bevölkerung verhasst, die Zahl der Hinrichtungen steigt. Die Kollegen stellen die große Frage: Sieht so der »Gewinner« des Irankriegs aus?


2. Zusätzliche Reisekosten

Haben Sie schon einmal von VFS Global gehört? Nein? Dann sind Sie nicht allein. Die meisten Europäer kommen mit der Firma nicht in Berührung, weil sie in weite Teile der Welt ohne Visum gelangen. »Für Millionen Menschen hingegen bedeutet eine Reise ins Ausland, besonders nach Europa, minutiöse Planung«, schreiben meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Auslandsressort. Und dabei spielt VFS Global oft eine Rolle.

Der private Dienstleister übernimmt Teile des Papierkrams, den Botschaften und Konsulate früher selbst erledigen mussten, wenn ein Visum beantragt wurde – etwa die Terminvergabe oder das Prüfen von Dokumenten. Fast alle EU-Mitgliedstaaten haben einen Teil der Visumvergabe an private Dienstleister ausgelagert. VFS Global ist der größte.

Ein Team aus Reporterinnen und Reportern des SPIEGEL, der gemeinnützigen Rechercheorganisation Lighthouse Reports, von »Le Monde«, »Politico« und elf weiteren Medien haben recherchiert, wie aus Visumsanträgen das große Geschäft wurde: Während eine Service- und die Visumgebühr des jeweiligen Landes pauschal abgerechnet werden, verkauft VFS Global den Leuten diverse Extraleistungen, von SMS-Benachrichtigungen über Kurierservice bis hin zu Druckkosten (hier mehr ). All das müssten die Kunden nicht in Anspruch nehmen; oft genug aber fühlen sie sich dazu gedrängt, schreiben die Kollegen. Einige Kunden sagten, sie hätten aus Angst um ihr Visum gezahlt.

VFS Global weist diese Vorwürfe zurück. Die kostenpflichtigen Extraleistungen seien darauf ausgelegt, den Komfort der Kunden zu erhöhen. Sie würden stets als optional gekennzeichnet. Antragstellern werde das mehrmals deutlich gemacht – online wie offline.

Wer jedoch den Text der Kollegen liest, gewinnt eine Vorstellung davon, warum das Geschäft lukrativ ist. Denn es zielt auf Menschen, die auf das Visum angewiesen sind und nicht an der Bürokratie scheitern wollen.


3. Des Söders neue Kleider

Während in Berlin das Gerücht über einen möglichen Kanzlerwechsel die Runde macht (hier mehr dazu ), wirkt der Ministerpräsident in Bayern bereits wie ausgewechselt. Markus Söder habe bei seiner Regierungserklärung in der vergangenen Woche ungewohnt versöhnlich gesprochen, schreiben meine Kollegin Anna Clauß und meine Kollegen Jan Friedmann und Timo Lehmann: »Manch einer im Plenum könnte sich beim Zuhören gefragt haben: Wer sind Sie, und was haben Sie mit Markus Söder gemacht?«

Das passe zu Söders neuem Look, glattrasiert mit Krawatte statt mit Bart und »Grillabend-Chic«. Markus Söder erfinde sich gerade neu, schreiben die drei, er wolle nun seriös wirken. Denn parteiintern gerate er zunehmend unter Druck, Kritiker wünschten sich vom Ministerpräsidenten mehr Politik und weniger Entertainment.

Die CSU muss sich demnächst Gedanken über ihre Aufstellung machen, 2028 wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. »Die Spitzenämter sind Teil der Überlegungen, und Söder kann nicht unbedingt auf ein Dauerticket rechnen«, schreiben die Kollegen.


Was heute sonst noch wichtig ist


Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Saab 9-3 von NEVS als Auktionsobjekt

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Foto:

Robert Nygren

Die letzten Saabs verlassen das Werk: Von der historischen Automarke Saab bleiben nur Legenden – und ein paar nie verkaufte Fahrzeuge, die der Insolvenzverwalter jetzt versteigern lässt. Manche enthalten Technik, die noch heute neu auf den Straßen wäre .

Was heute weniger wichtig ist

Joe und Jill Biden (bei dem TV-Duell im Juni 2024)

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Foto:

Gerald Herbert / AP

Rendezvous mit Joe Schreck: Die ehemalige First Lady Jill Biden, 74, hat sich in einem Interview zum Auftritt ihres Mannes im TV-Duell gegen Donald Trump im Juni 2024 geäußert. Der damalige Präsident Joe Biden wirkte überfordert und tattrig, er nuschelte und war teils nur schwer zu verstehen. Sie wisse nicht, was damals vorgefallen sei, sagte Jill Biden nun gegenüber CBS News. »Als ich es mir ansah, dachte ich: ›Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall‹. Und das hat mich zu Tode erschreckt.«


Mini-Hohlspiegel

Kleinanzeige zum Verkauf eines Armagnac-Weinbrands in der »Badischen Zeitung«

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Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages: Verzicht auf zwölf sexistische Lieder bei der Erlanger Kirchweih

»Das … hicks … hier is unssssere Kultur … Das nimmt unsss niemanddd weg!« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Helena Baumeister / DER SPIEGEL


Und heute Abend?

Cremige Bohnen, auch dank Zucchini: Der Sommer kann kommen

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Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Könnten Sie sich ein vorsommerliches Gericht kochen und es – falls Sie einen haben – auf dem Balkon oder im Garten verspeisen. Ich empfehle dazu das neueste Rezept meines Kollegen Sebastian Maas aus seiner Kolumne »Kochen ohne Kohle«. Das Format eignet sich übrigens auch für Leute, die Kohle haben: Die Rezepte sind machbar, die Gerichte sehen köstlich aus, und die Texte dazu machen Spaß. Hier geht’s zum Rezept dieser Woche: Es gibt sommerliche Bohnen mit cremiger Zucchinisoße, für 1,70 Euro .

Ich wünsche gutes Gelingen und guten Appetit!

Ihre Judith Horchert, Blattmacherin in der Chefredaktion