1. Die Scham muss die Seiten wechseln
Angst, Ohnmacht, Kontrollverlust: Die deutsche Jurastudentin Theresia Crone hat sexualisierte Deepfake-Bilder von sich im Netz entdeckt. Vielen Deutschen mag das Problem lange unbekannt gewesen sein. Bis zur vergangenen Woche jedenfalls. Seit einer SPIEGEL-Recherche über den Fall Collien Fernandes diskutiert Deutschland intensiv über Formen von digitaler Gewalt (lesen Sie hier die aktuelle SPIEGEL-Titelstory ).
»Für Betroffene, die seit Jahren versuchen, auf fehlenden Opferschutz und Gesetzeslücken aufmerksam zu machen, muss es sich anfühlen, als hätten sie mit einer winzigen Schaufel versucht, einen Tunnel ans Licht der Öffentlichkeit zu graben, und plötzlich ist der Sprengstoff da«, schreibt meine Kollegin Dialika Neufeld in ihrem Text über Crone, 23.
Die neue Welle der Aufmerksamkeit habe etwas bei Crone bewegt. Die meint: »Jetzt ist ein Moment, wo ganz viele Menschen gleichzeitig sagen: Ich habe die Nase voll.« Die Studentin wurde zu einer der Mitorganisatoren einer recht spontanen Demonstration am Sonntag in Berlin, zu der Fernandes aufgerufen hatte.
Die Schauspielerin hat Ende vergangenen Jahres in Spanien Anzeige gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erstattet. Das Verfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Die Anwälte, die Ulmen seit der SPIEGEL-Veröffentlichung in der vergangenen Woche vertreten, sprechen im Zusammenhang mit den Vorwürfen unspezifisch von »unwahren Tatsachen«.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte über Theresia Crone: »Bilder kann man nicht aus dem Kopf löschen«
2. Fernwärme verteuert sich wohl deutlich
Am Wochenende bin ich an einigen Tankstellen vorbeigefahren – und wir mussten leider auch mal einbiegen, trotz der ausgewiesenen hohen Spritkosten. »Der Energiepreisschock nach dem Angriff auf Iran kommt in verschiedenen Wellen in Europa an. Autofahrer spüren die Verteuerung sofort«, sagt mir mein Kollege Benedikt Müller-Arnold. Früher oder später werde das Problem aber fast alle Haushalte in Deutschland einholen. Wer aktuell einen neuen Vertrag für Gas oder Strom abschließen will, spürt auch schon einen leichten Preisanstieg im Vergleich zum Jahresanfang.
In seinem aktuellen Text beschäftigt sich Benedikt dagegen mit einem Problem, das erst mit einigem zeitlichen Verzug zutage treten wird: Auch für Fernwärmekunden wird es perspektivisch teurer. Ein Großteil der deutschen Fernwärme stammt nämlich aus Gaskraftwerken. Und deren Kosten steigen mit dem Irankrieg deutlich. Welche Details für eine zusätzliche Brisanz des Themas sorgen, hat Benedikt in seinem Text aufgeschrieben.
Lesen Sie hier die ganze Analyse: Fernwärmekunden müssen wegen Gaspreisschocks mit höheren Kosten rechnen
3. Glitch und weg
Wenn die Technik beim Videotelefonat aus dem Homeoffice hakt, fällt das negativ auf die Person mit dem Problem zurück: Für unser heutiges SPIEGEL Extra hat sich meine Kollegin Maren Hoffmann mit zwei Forscherinnen über dieses Phänomen unterhalten. Sie haben untersucht, wie technische Störungen bei Videocalls uns beeinflussen – und welche Strategien wir anwenden können, wenn wir selbst einmal mit dem Problem zu tun haben (abgesehen vom hektischen Steckerziehen am Router natürlich, und dem entnervten Zerren an weiteren Kabeln, deren Funktion wir jetzt in der Stresssituation auch nicht so genau kennen).
Humor hilft jedenfalls nur bedingt, sagen Marens Gesprächspartnerinnen. Das leuchtet insofern bereits ein, als man immer Gefahr läuft, dass auch der beste selbstironische Witz über die eigene WLAN-Schwäche nur als Wortbrei am anderen Ende der Leitung ankommt. Die beiden Forscherinnen haben Maren aber auch erklärt, welche psychologischen Effekte die Störungen und Glitches so unangenehm fürs Gegenüber machen und wieso wir Videotelefonate dennoch nicht aufgeben sollten.
Lesen Sie hier das Interview: Du bist schon wieder eingefroren!
Was heute sonst noch wichtig ist
»Wir haben nicht den Rücktritt angeboten«: Welche Folgen hat das Wahldebakel der SPD in Rheinland-Pfalz für die Regierung in Berlin? Die Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas wollen Deutschland nicht »ins Chaos stürzen«, sehen aber die Notwendigkeit einer offenen Personaldebatte.
Zwei Buchenwald-Verbände wollen keinen Auftritt von Wolfram Weimer: Hape Kerkeling ist Enkel eines Buchenwald-Inhaftierten. Er wird beim Gedenken an die Befreiung des NS-Konzentrationslagers sprechen. Ein Grußwort von Wolfram Weimer wollen Angehörige von politischen Häftlingen hingegen nicht hören.
Russlands Wirtschaft rutscht ins Minus, das sieht jetzt sogar Putin: Öffentlich spielte Wladimir Putin russische Wirtschaftsprobleme lange runter. Nun kann auch er die schwachen Zahlen nicht mehr leugnen. Seine Erklärung: zu viele Feiertage.
»Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht«: 2015 bis 2025 war die heißeste Periode seit Messbeginn. Menschengemachte Treibhausgase sprengten das Gleichgewicht des Klimas, erklärt die Weltwetterorganisation. Trotzdem gebe es Hoffnung.
Stiftung Warentest warnt vor Asbest in Spiel- und Bastelsand: Immer wieder wird in Produkten für Kinder Asbest gefunden. Die Stiftung Warentest hat nun 18 Sandfabrikate unter die Lupe genommen. Ein Drittel davon war mit dem krebserregenden Stoff verseucht.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Anwalt Bergman (M.) mit Eltern vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles: »Es wartet eine Klagewelle«
Foto:Daniel Cole / REUTERS
Dieser Mann ist Mark Zuckerbergs vielleicht gefährlichster Gegner: Treiben die Social-Media-Konzerne Jugendliche gezielt in die Sucht? In den USA steht ein wegweisender Prozess kurz vor dem Urteil. Anwalt Matthew Bergman vertritt die junge Klägerin und erklärt, was Eltern tun können .
Was heute weniger wichtig ist
Chappell Roan: »Ich hasse Kinder nicht«
Foto: Aurore Marechal / Getty ImagesKein Karneval in Rio: Fußballstar Jorginho, 33, hat der Entourage von Popstar Chappell Roan, 28, öffentlich vorgeworfen, seine Frau und deren Tochter beim Frühstück in einem Hotel in São Paulo, Brasilien, so aggressiv zurechtgewiesen zu haben, dass das Kind weinen musste. Es soll sich laut Medienberichten um Jorginhos Stieftochter, das Kind von Schauspieler Jude Law, handeln. Der Fall bekam zusätzliche Brisanz, als der Bürgermeister von Rio de Janeiro die Sängerin daraufhin vorsorglich von der Musikshow »Todo Mundo no Rio« ausschloss. Roan reagierte auf Instagram: »Ich hasse Kinder nicht.«
Mini-Hohlspiegel
Von bild.de
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Foto: Thomas PlaßmannUnd heute Abend?
Darsteller Murphy in »The Immortal Man«: Messias im Maßanzug
Foto: Robert Viglasky / NetflixDie gefeierte Serie »Peaky Blinders« zeigt Straßengangs im Birmingham der 1920er-Jahre. Jetzt bringt ein neuer Netflix-Film Ganganführer Thomas Shelby, gespielt von Cillian Murphy, zurück. Mein Kollege Andreas Borcholte attestierte dem Film, stellenweise in eine »Pathosfalle« zu tappen (lesen Sie hier seine Rezension ). Trotzdem steht »The Immortal Man« auf meiner Watchliste.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Angela Gruber



