Eine Herausforderung namens Trump
An den Befindlichkeiten des US-Präsidenten hängt das Schicksal des transatlantischen Verteidigungsbündnisses. Beim Nato-Gipfel in Ankara geht es heute vor allem darum, Donald Trump bei Laune zu halten. So trivial kann Weltpolitik sein.
Trump beim Nato-Gipfel 2025
Foto:Robin van Lonkhuijsen / EPA
In der Türkei wurde Trump gestern mit allem empfangen, für das er empfänglich ist: Paraden, Polizeipferde, Pomp. Dennoch gab sich der US-Präsident nach seiner Ankunft bemerkenswert grantig. Forderte Grönland von den Europäern ein. Beschimpfte Italien, Frankreich und Deutschland, ihn im Irankrieg allein gelassen zu haben. Beklagte mangelnde Unterstützung der Bündnispartner. Dabei tun die Europäer derzeit alles, um Trump milde zu stimmen und ihm zu demonstrieren, wie sie aufrüsten und Milliarden in neue Rüstungsprojekte stecken. Die Frage ist, ob das reicht, um die USA wieder zu einem verlässlichen Partner für Europa zu machen.
In Ankara kommen die Staats- und Regierungschefs heute zum Familienfoto zusammen, dann folgt die offizielle Arbeitssitzung. »Die ist mit nicht einmal drei Stunden knapp gehalten, Trump zuliebe, der langweilt sich ja schnell«, schreibt meine Kollegin Marina Kormbaki, die für den SPIEGEL über das Treffen aus Ankara berichtet (mehr hier).
Die Europäer möchten mit Trump über die Ukraine sprechen; sie wollen ihn dazu bringen, den Druck auf Russland zu erhöhen. Trump hingegen dürfte vor allem an Rüstungsgeschäften interessiert sein. »Die Hoffnung vieler hier in Ankara ist, dass Trump heute bessere Laune hat als gestern nach seiner Ankunft, als er sogleich gegen sämtliche Europäer austeilte«, so Marina. »Sollte Trump aber auch heute auf Krawall aus sein, könnte der Gipfel im Debakel enden.«
Mehr Hintergründe hier: Das will die Nato in Ankara beschließen
Krank oder nicht krank, das ist hier die Frage
Herzlichen Glückwunsch, wenn Sie sich heute Morgen aufgerafft haben, Ihre Arbeitskraft in den Dienst der Wirtschaft zu stellen – statt sich zu einer spontanen Krankmeldung zu entschließen. Solche »Bettkantenentscheidungen«, das lernte die staunende Nation jüngst von Unionsfraktionschef Jens Spahn, sollen verbreitet sein. In einem Interview hatte der CDU-Politiker gesagt: Jeder kenne doch »in seinem wahren Leben«, im Bekannten- oder Freundeskreis beispielsweise, folgende Situation, insbesondere montags und freitags: »Man sitzt auf der Bettkante und überlegt: Passt das heute?«
Patienten im Wartezimmer
Foto: BSIP / Universal Images Group / Getty ImagesSeit beinahe einer Woche debattiert das Land, ob zwischen Rostock und Rosenheim zu viel krankgefeiert wird. Der Koalition ist damit das Kunststück gelungen, ihren halbwegs sinnigen Reformaufschlag bei Rente, Steuern, Kündigungsschutz von einer unsinnigen Debatte überlagern zu lassen.
Zahlen der Krankenkassen zeigen, dass es nicht die Bettkantenentscheidungen sind, die kurzen Fehlzeiten allein, an denen der Standort krankt (mehr hier). Das Problem sind vor allem besonders lange und schwere Erkrankungen. Künftig schon für den ersten Tag ein ärztliches Attest vorlegen zu müssen, wie Union und SPD es vereinbart haben, würde daran wenig ändern.
Der Bundestag will am Freitag das schon länger geplante Gesundheitssparpaket verabschieden. Was darin versteckt ist: eine Reform, die das Thema Langzeiterkrankungen tatsächlich angeht – allerdings auf wenig subtile Weise. Kassen können künftig mehr Druck ausüben auf Menschen, die besonders lange arbeitsunfähig sind und deshalb Krankengeld beziehen. Verbraucherschützerinnen sind empört.
Mehr Hintergründe hier: »Ich bezweifle, dass diese Methoden geeignet sind, Simulanten von Kranken zu unterscheiden«
Lesen Sie zum Thema Reformen hier auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Lieber 25 Euro Kinderzuschlag streichen, als Milliardäre fair besteuern? Große Gerechtigkeitslücke: Die Rüstungsausgaben steigen, beim Sozialen will SPD-Finanzminister Klingbeil kürzen – und die Reichsten werden geschont .
Heimliche Stars der Fußball-WM
Fußballfans müssen heute tapfer sein: Es ist Ruhetag bei der WM. An diesem Mittwoch gibt es kein einziges Weltmeisterschaftsduell. Dafür bleibt Zeit, endlich mal die Chipskrümel vor dem Fernseher wegzusaugen oder sich mit einem Berufsstand zu beschäftigen, der vor allem in Turnierzeiten auf dem Bildschirm zu besichtigen ist: TV-Expertinnen und -Experten, qualifiziert durch eigene Fußballexpertise auf dem Platz.
Leeres Stadion in Mexiko-Stadt
Foto: Carlos Santiago / eyepix / ZUMA Press Wire / dpa»Seit nunmehr vier Wochen läuft die Weltmeisterschaft und es soll Menschen geben, die mehr Zeit mit Thomas Müller oder Per Mertesacker verbracht haben als mit der eigenen Familie«, schreiben meine Kollegen aus dem Sportressort. Deshalb haben sie eine sehr kurzweilige Top-Elf der TV-Experten erstellt. Lesen Sie selbst, wie der SPIEGEL Bastian Schweinsteiger, Friederike Kromp oder Jürgen Klopp einsortiert – und wer am Ende an Nummer eins der Einzelkritik steht.
Das ganze Ranking hier: »Dünnhäutig«, »Sportkamerad«, »Du schießt ja immer so gerne gegen uns«
Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz
Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Gewinner des Tages…
Bahnreisende in Hamburg
Foto: Chris Emil Janssen / Chris Emil Janßen / IMAGO…sollen die Fahrgäste der Deutschen Bahn sein. Reisende werden heute erfahren, dass sie künftig schneller und transparenter über Verspätungen und Gleiswechsel informiert werden. Pünktlicher werden die Verbindungen allerdings nicht. Bevor Sie jetzt die Augen verdrehen, beachten Sie bitte, dass frühzeitige Informationen der Bahn eine blutdrucksenkende Wirkung haben können. Zumindest dann, wenn Sie mit großem Urlaubsgepäck von Gleis 11 auf Gleis 14 wechseln müssen und die Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof mal wieder kaputt sind. Ansonsten heißt es für Bahnkunden: durchhalten. Die Sanierung der maroden Infrastruktur wird noch rund zehn Jahre dauern.
Mehr zum Thema hier: Pünktlichkeitsquote bei der Bahn lag im Juni nur knapp über historischem Tiefstand
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
USA attackieren mehr als 80 Ziele in Iran – Teheran droht mit »vernichtender Reaktion«: Washington macht das Regime in Teheran für die jüngsten Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus verantwortlich. Jetzt meldet das US-Militär massive Attacken auf iranische Ziele. Das Timing ist bemerkenswert.
Deutschland meldet Nato Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe: Beim Nato-Gipfel wollen die europäischen Regierungen Donald Trump auch mit Zahlen besänftigen. Deutschland wird 2026 fast 125 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben – ein deutlicher Anstieg. Die vereinbarte Zielmarke erreichen aber fünf andere Staaten.
Hochhaus mitten in Manhattan wegen Einsturzgefahr geräumt: Eingeknickte Stützpfeiler, abgesackte Decken: Mitten in Manhattan muss ein 37-stöckiges Gebäude geräumt werden. Es wird gerade umgebaut. Die Lage sei »sehr ernst«, heißt es.
Heute bei SPIEGEL Extra: 1000 Euro mehr im Monat mit der neuen Rente – dieser Rechner zeigt, ob das jetzt für Sie drin ist
[M] Kamila Ramezani / DER SPIEGEL; Fotos: DEEPOL / Folio Images / plainpicture, iStockphoto / Getty Images, Begin Again Studio / Shutterstock
Die geplante Kapitalrente nach schwedischem Vorbild soll die gesetzliche Rente ergänzen. Hier können Sie ausprobieren, mit wie viel Geld Sie im Alter rechnen können .
Ich wünsche Ihnen einen prächtigen Start in den Tag.
Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft
