SpOn 08.09.2026
05:25 Uhr

News: Friedrich Merz, Wladimir-Putin-Unterstützer in Deutschland, Pisa-Studie


Nach der CDU-Niederlage in Sachsen-Anhalt kämpft der Kanzler um sein politisches Überleben. Wladimir Putin profitiert von der Stärke der AfD. Und die OECD stellt die neuen Pisa-Ergebnisse vor. Das ist die Lage am Dienstagmorgen.

News: Friedrich Merz, Wladimir-Putin-Unterstützer in Deutschland, Pisa-Studie
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Ein angezählter Kanzler

Seine Partei hatte gerade eine Landtagswahl verloren, in einem Bundesland, in dem sie über Jahrzehnte regiert hatte. Doch Friedrich Merz sah nach der Niederlage der CDU in Baden-Württemberg im März keinen Grund, an seiner Strategie grundlegend etwas zu ändern (mehr hier ). Man müsse nun den Reformkurs der Bundesregierung fortsetzen, sagte der Bundeskanzler. Womöglich müsse er seine Politik besser erklären, schob er einige Wochen später noch nach.

Kanzler Merz: »Offenkundig der falsche Mann«

Kanzler Merz: »Offenkundig der falsche Mann«

Foto: Christof Stache / AFP

Nach dem Absturz der CDU bei der Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag klingt das anders. Merz räumte die »schwerste Wahlniederlage« der CDU seit Jahrzehnten ein. Er sagte auch, man könne nun »nicht zur Tagesordnung« übergehen (mehr dazu hier). Doch was tatsächlich daraus folgt, ist unklar. Merz begegne der Krise mit »einer Mischung aus dosierter Selbstkritik und demonstrativer Entschlossenheit«, analysiert mein Kollege Philipp Wittrock. Dabei aber wirken der Kanzler und seine Koalition zunehmend ratlos (mehr dazu hier ).

Merz war als CDU-Chef einst mit dem Versprechen angetreten, die AfD zu halbieren. Nun ist die Weidel-Chrupalla-Siegmund-Truppe in Sachsen-Anhalt bei fast 44 Prozent gelandet und auch im Bund in Umfragen die stärkste Kraft (mehr dazu hier ). Kaum jemand glaubt, dass Merz der Mann ist, der diesen Trend umkehren kann. Dafür hat er in den vergangenen Monaten zu viele inhaltliche wie kommunikative Fehler gemacht. »Merz ist offenkundig der falsche Mann in diesem Amt in diesen Zeiten«, schrieb SPIEGEL-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit in seinem Leitartikel unmittelbar nach der Wahl in Sachsen-Anhalt (lesen Sie den Leitartikel hier ). CSU-Chef Markus Söder beschrieb die Koalition im Bund aus Union und SPD nach der letzten Bundestagswahl als »die letzte Patrone der Demokratie«. Man kann seit Sonntag nur noch hoffen, dass er nicht Recht behält.


Wahlsieger Putin

Vergangenen Dienstag trat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gemeinsam mit Außenamtschef Johann Wadephul vor die Kameras und sagte einen außergewöhnlichen Satz: Deutschland sei »tägliches Ziel hybrider Kriegsführung« durch Russland. Es war das erste Mal, dass die Bundesregierung Wladimir Putins Russland so klar als Feind benannte. Als Reaktionen auf den Drohnenvorfall am Flughafen in Leipzig ließ sie das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin schließen (lesen Sie die SPIEGEL-Titelgeschichte dazu hier ).

Kremlchef Putin: Als Feind benannt

Kremlchef Putin: Als Feind benannt

Foto: Alexey Druzhinin/ Sputnik/ AFP

Umso bemerkenswerter ist es, dass wenige Tage später, bei der Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag, Freunde eben dieses Feindes gemeinsam eine absolute Mehrheit im Parlament holten: die AfD mit knapp 44 Prozent und das BSW mit 5,3 Prozent. Beide Parteien haben sich immer wieder mehr oder weniger unverhohlen mit dem Kreml gemein gemacht. Nun dürften sie noch mehr Einfluss auf die deutsche Politik nehmen (mehr dazu hier ).

Zwar ist Außenpolitik Bundessache. Sollte jedoch mit der AfD in Sachsen-Anhalt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland regieren, dürfte sich das auch auf das Verhältnis Deutschland zum Ausland auswirken (mehr dazu hier ). Wahrscheinlich ist etwa, dass sich die AfD für einen Stopp von Militärhilfen an die Ukraine einsetzt. Auch, dass sie sensible Informationen nach Moskau weiterreicht, halten Expertinnen und Experten für denkbar. Einer der Sieger der Sachsen-Anhalt-Wahl ist deshalb Wladimir Putin.


Folgt der nächste Pisa-Schock?

Als die OECD vor einem Vierteljahrhundert zum ersten Mal die Bildungsstudie Pisa vorstellte, löste das in Deutschland einen Schock aus. Deutsche 15-Jährige hinkten beim Lesen, Rechnen und in Naturwissenschaften Gleichaltrigen aus Ländern wie Finnland oder Kanada zum Teil deutlich hinterher. Die Studie belegte zudem, dass in der Bundesrepublik wie in wenig anderen Ländern der schulische Erfolg von der Herkunft abhängt (mehr dazu hier).

Klassenzimmer in Deutschland: Schulischer Erfolg hängt von Herkunft ab

Klassenzimmer in Deutschland: Schulischer Erfolg hängt von Herkunft ab

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Die Bundesregierung schob daraufhin eine Reihe von Reformen an, woraufhin sich die Ergebnisse zwischenzeitlich tatsächlich verbesserten. Zuletzt aber ließen die Leistungen wieder nach. Um Bildungsgerechtigkeit ist es in Deutschland schlechter bestellt denn je. Deshalb rechnen viele Expertinnen und Experten mit einem erneuten Pisa-Schock, wenn an diesem Dienstag die Ergebnisse vorgestellt werden.

Für Deutschland ist es auch deshalb bitter, weil vielfach belegt ist, wie sehr sich das Bildungsniveau auf die Demokratiefestigkeit einer Gesellschaft auswirkt (mehr dazu hier ). In einer Zeit, da Extremisten bei Wahlen Rekordergebnisse einfahren, wäre es umso wichtiger, in Schulen und Kindergärten zu investieren. Die deutsche Politik tut aber gerade das Gegenteil.


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Gewinner des Tages…

Kanadischer Premier Carney: Standhaft geblieben

Kanadischer Premier Carney: Standhaft geblieben

Foto: Jessica Lee / EPA

…ist Kanadas Regierungschef Mark Carney, der im Zollstreit mit der US-Regierung nach wie vor nicht gewillt ist nachzugeben. Nachdem Handelsgespräche zwischen den beiden Staaten gescheitert waren, hatte US-Präsident Donald Trump hohe Strafzölle gegen Kanada verhängt – wohl in der Erwartung, den Nachbarn erpressen zu können. Carney jedoch blieb standhaft und brachte Gegenmaßnahmen auf den Weg, die an diesem Dienstag in Kraft treten sollen.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Russland beschießt Kyjiw nach dreitägiger Pause wieder: Solange Donald Trumps Schwiegersohn mit Entourage in der ukrainischen Hauptstadt weilte, verzichtete Russland auf Attacken. Nun aber sind die US-Reisenden weg – und der Kreml schickt neue Drohnen los.

  • Ex-Bürgermeister Giuliani fordert Bürgermeister Mamdani auf, 9/11-Gedenkfeier fernzubleiben: Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York jähren sich zum 25. Mal. Am Freitag gedenkt die Stadt den Opfern – erstmals wird auch ein muslimischer Bürgermeister teilnehmen. Präsident Trump kommt hingegen nicht.

  • Ecuadors Polizei stellt zwei Tonnen Kokain sicher: Der Drogenschmuggel durch Ecuador hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Ermittler haben jetzt zwei Tonnen Kokain in einem Obstcontainer entdeckt. Die Ware sollte in ein europäisches Land verschifft werden.


Heute bei SPIEGEL Extra: Bandscheibenvorfall? Wie sich der Körper selbst heilen kann und welche Übungen dabei helfen

Foto:

Jenny Bewer / DER SPIEGEL

Eine Studie zeigt, dass Operationen an der Lendenwirbelsäule oft nicht notwendig sind. Bewegung kann den Schmerz erstaunlich gut bekämpfen. Wie das geht, zeigen wir hier in Videos .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Lage am Morgen hieß es, die Bundesregierung lasse das letzte russische Generalkonsulat in Düsseldorf schließen. Die Vertretung Moskaus liegt in Bonn. Wir haben den Fehler korrigiert.