Vom Clown zum Kämpfer
Schon erstaunlich, wie sehr sich die öffentliche Wahrnehmung einer Person im Laufe weniger Jahre wandeln kann. Zum Beispiel Hape Kerkeling: Die längste Zeit seines öffentlichen Lebens war Kerkeling nur als Unterhaltungskünstler bekannt, ein sehr lustiger Mann, dessen Tiefe man aber allenfalls ahnen konnte. Dem Staatswesen näherte er sich nur satirisch, zum Beispiel verkleidet als niederländische Königin Beatrix. Für seine unverschämten Fragen bekam er einmal Hausverbot bei der Bundespressekonferenz (mehr dazu hier).
Hape Kerkeling beim Festakt zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald
Foto: Martin Schutt / dpaDas ist schon lange aufgehoben. Kerkeling hat sich längst als ernst zu nehmende gesellschaftspolitische Stimme etabliert. In letzter Zeit steht er häufig als Mahner gegen Antisemitismus und den Aufstieg der Rechtsextremen in der Öffentlichkeit. Im April hielt er als Enkel eines ehemaligen Häftlings die Hauptrede beim 81. Jubiläum der Befreiung des KZ Buchenwald (mehr dazu hier ). Vom Clown zum Kämpfer für die liberale Demokratie.
Es geht aber auch in die andere Richtung. Hans-Georg Maaßen war einmal Spitzenbeamter und Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz. Früher war er in der CDU, 2024 gründete er die Rechtsaußen-Splitterpartei WerteUnion. Jetzt ist er zwar parteilos, aber immer wieder mit verschwörungstheoretischem Geraune auffällig. Zwischenzeitlich konnte man lesen, dass ihn seine eigene frühere Behörde als Beobachtungsobjekt im Bereich Rechtsextremismus führt.
Heute Abend sollen Kerkeling und Maaßen in Erfurt aufeinandertreffen. Beide sprechen im Thüringer Landtag bei einer öffentlichen Anhörung zu einem Antrag der Linken, der die Landesregierung auffordert, sich für die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens einzusetzen. Zu hören werden sein: ein ernsthafter Demokrat – und eine rechte Knalltüte.
Mehr Hintergründe hier: Hape Kerkeling soll bei Anhörung über AfD-Verbotsverfahren sprechen
Um den Aufstieg der AfD und was dagegen zu tun ist, geht es heute Abend auch im Berliner Admiralspalast. Dort trifft mein Kollege Markus Feldenkirchen den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum »Spitzengespräch«. Die letzten Karten gibt es noch hier .
Ausgezeichneter Einsatz
Heute verkündet die Right-Livelihood-Stiftung die diesjährigen Trägerinnen und Träger des sogenannten alternativen Nobelpreises, und ich freue mich, Ihnen diese Liste hier jetzt schon präsentieren zu können. Ausgezeichnet wird die Georgian Young Lawyers’ Association (GYLA), die sich in Georgien trotz Repression der Regierung für Demokratie und Menschenrechte einsetzt.
Sitzung der Georgian Young Lawyers’ Association (GYLA)
Foto: Leli Blagonravova / Right LivelihoodAusgezeichnet wird auch die pakistanische Rechtsanwältin Jalila Haider, die juristisch gegen ethnische, staatliche und patriarchale Verfolgung vorgeht. Ebenfalls ausgezeichnet wird die Rural Women’s Assembly, die sich im südlichen Afrika für Land- und Wasserrechte sowie Klimagerechtigkeit einsetzt. Und ausgezeichnet wird die Informatikerin Timnit Gebru aus den USA für ihren Einsatz gegen die Machtkonzentration im Bereich künstlicher Intelligenz. Herzlichen Glückwunsch! Und das waren heute auch schon meine Gewinnerinnen des Tages.
Die ganze Geschichte hier: Alternativer Nobelpreis geht an Anwältinnen und Anwälte aus Georgien
I mog di
Nennen Sie mich gern kindisch, aber es gab einen öffentlichen Termin, auf den ich mich seit Monaten gefreut habe: die Eröffnung des Münchner Oktoberfests. Nicht wegen des Bieres, sondern wegen des Gesichts von Markus Söder. Denn diesmal durfte zum ersten Mal der grüne Oberbürgermeister Dominik Krause die erste Maß zapfen und dem bayerischen Ministerpräsidenten überreichen.
Im vergangenen bayerischen Landtagswahlkampf hat Markus Söder noch gesagt, die Grünen hätten kein »Bayern-Gen« (mehr dazu hier ), und jetzt musste er sich ausgerechnet von so einem eine Maß einschenken lassen. Was für eine Szene! Aber auch aus der anderen Perspektive: Vor wenigen Jahren hat Dominik Krause das Oktoberfest noch die »weltweit größte offene Drogenszene« genannt.
Markus Söder und Dominik Krause auf Achterbahnfahrt
Foto: Wolfgang Maria Weber / IMAGOUnd dann kam die Eröffnung der Wiesn, und was war? Nix war. Weder Söder noch Krause ließen sich etwas anmerken. Zwei Profis eben. Am Montag feierten die beiden jetzt die Nominierung Münchens für die deutsche Olympiabewerbung mit einer gemeinsamen Achterbahnfahrt (mehr dazu hier). Und wenn München tatsächlich gewinnt, dann könne man sich ja ein »Olympiatattoo« stechen lassen, hat Söder gesagt.
Da scheinen sich zwei richtig gut zu verstehen. Mein Kollege Jan Friedmann analysiert, was es mit der unwahrscheinlichen Bromance auf sich hat. Im Vordergrund stünden die persönlichen Ambitionen des ungleichen Gespanns: Von den gemeinsamen Bildern, meint Jan, profitieren beide. Der eine wolle sich als potenzieller Merz-Nachfolger präsentieren, der andere eifere dem 1960 ebenfalls jung ins Amt gekommenen legendären SPD-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel nach.
Ich musste an eine ähnlich unwahrscheinliche Männerfreundschaft denken, die gerade in einer ganz anderen Stadt zu beobachten ist: Der linke New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani und US-Präsident Donald Trump scheinen sich prächtig zu verstehen. Aus gemeinsamer Liebe zu New York, sagt der Linke. Wäre es nicht schön, wenn das stimmt, und auch Krause und Söder aus Liebe zu München über die Parteigrenzen zueinander fänden? Ach, nennen Sie mich gern naiv.
Die ganze Geschichte hier: Die unwahrscheinliche Bromance zwischen Markus Söder und Dominik Krause
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Proteste an Frankreichs Gymnasien weiten sich aus – mehr als 400 Festnahmen: Zu wenig Lehrkräfte, heruntergekommene Gebäude, fehlendes Geld: In mehreren französischen Städten demonstrieren vor allem junge Menschen gegen die Zustände an Schulen. Es gibt zahlreiche Verletzte.
Verdächtiger Brite rief offenbar selbst die Polizei: Fünf Männer wurden in der Nähe des Militärstützpunkts RAF Fairford in Gloucestershire festgenommen, es wird wegen Terrorverdachts ermittelt. Nun melden britische Medien: Einer von ihnen wählte selbst den Notruf.
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Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion
