Viehzüchter in den USA sind wegen einer bestimmten Schmeißfliegenart alarmiert. Erstmals seit der Ausrottung in den Sechzigerjahren ist die sogenannte Neuwelt-Schraubenwurmfliege bei einem Kalb in den USA nachgewiesen worden, bestätigte am Mittwochabend das Agrarministerium. Betroffen ist ein Tier in der texanischen Stadt La Pryor. Die Larven des Parasiten nisten sich in offenen Wunden von Säugetieren fest und fressen dort das Gewebe der lebenden Tiere – selten auch Menschen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, verhängte die Behörde eine Sperrzone von 20 Kilometern.
Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege ist metallisch grün oder blau und ist durch drei dunkle Längsstreifen gekennzeichnet. Sie bewegt sich selbst nicht sehr weit, kann sich aber mithilfe unbemerkt befallener Tiere verbreiten – insbesondere wenn diese per Lkw von Ort zu Ort transportiert werden. Betroffene Tiere können zwar geheilt werden, die Behandlung ist jedoch zeitaufwendig und teuer, da Hunderte Larven entfernt und die Wunden desinfiziert werden müssen.
Informationsveranstaltung für Rinderzüchter in Texas zur Neuwelt-Schraubenwurmfliege
Foto: Joel Angel Juarez / REUTERSEinzelne Fälle von befallenen Menschen
Für Menschen besteht Experten zufolge ein geringes Risiko. Fest steht aber, dass die Maden der Fliegen auch Menschen schaden können. In Guatemala wurden laut einem Bericht der »Apotheken Umschau« bis September 2025 zum Beispiel 80 Befälle erfasst, in Costa Rica etwa 70 und in Mexiko 44. In den USA wurde ein aus El Salvador eingeschleppter Fall registriert.
In Mexiko starb eine vorerkrankte 86-Jährige, die von Maden befallen war. Dutzende weitere Menschen wurden damals lokalen Berichten zufolge in den südmexikanischen Bundesstaaten Campeche und Chiapas wegen des Befalls in Krankenhäusern behandelt.
Fliegen mit Fliegen bekämpfen
Der Parasit breitet sich seit 2025 von Mittelamerika über Mexiko nach Norden aus. In Mexiko wurden seit November 2024 mehr als 27.000 Fälle registriert.
Die US-Regierung hält die Grenze für Viehimporte aus dem Nachbarland deshalb seit mehr als einem Jahr geschlossen. Das wirksamste Mittel, um den Parasiten zu bekämpfen, sei, sterile Fliegen auszusetzen, erklärte Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins. Die sogenannte Sterile-Insekten-Technik (SIT) hatte bereits in den Sechzigerjahren geholfen, den Schädling in den USA auszurotten. Es gab aber später immer wieder eingeschleppte Einzelfälle.
Für die Bekämpfung in den Sechzigerjahren zogen Fachleute massenhaft männliche Fliegen heran, machten sie mit Strahlung unfruchtbar und setzten sie anschließend über betroffenen Gebieten aus. Paaren sich die Weibchen mit diesen Männchen, bleiben ihre Eier unbefruchtet – der Bestand bricht allmählich zusammen.
Wie die »New York Times« berichtet, gibt es derzeit nur eine einzige Anlage in Panama, die sterile Fliegen produziert – etwa 100 Millionen pro Woche. Das U.S. Army Corps of Engineers hat vor Kurzem mit dem Bau einer 750-Millionen-Dollar-Produktionsanlage auf der Moore Air Base in Edinburg, Texas, begonnen. Die Anlage soll Ende 2027 damit beginnen, 100 Millionen sterile Fliegen pro Woche zu produzieren und später bis zu 300 Millionen pro Woche.
Der Ausbruch bedroht die US-Rinderbestände, die sich ohnehin auf dem niedrigsten Stand seit 75 Jahren befinden. Die Sorge vor einem Nachfragerückgang belastete die Finanzmärkte. So sanken die Aktienkurse großer Fleischverarbeiter wie Tyson Foods und JBS. Experten befürchten allein für die texanische Viehwirtschaft wirtschaftliche Schäden von bis zu 1,8 Milliarden Dollar.
