Drei Wochen nach den Parlamentswahlen in Nepal ist der Rapper Balendra »Balen« Shah als neuer Premierminister vereidigt worden. Shah, der zuletzt drei Jahre lang als Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu amtierte, trat als Spitzenkandidat der Rastriya Swatantra Party (RSP) an – einer erst wenige Jahre alten Partei. Ihr hatte sich Shah, der in Nepal hauptsächlich unter dem Namen Balen bekannt ist, vor Kurzem angeschlossen.
Vor seiner Vereidigung veröffentlichte Balen einen neuen Song, in dem er Optimismus für das Land beschwört: »Undivided Nepali, this time history is being made«, rappt er – vereinte Nepalesen, diesmal wird Geschichte geschrieben. Balen wurde 1990 in Kathmandu geboren, studierte Ingenieurwesen und wurde 2013 durch einen Rap-Battle bekannt.
Langjährigen Premier geschlagen
Auslöser der Neuwahlen war eine Protestwelle junger Nepalesinnen und Nepalesen gegen Korruption, Vetternwirtschaft und politische Stagnation. Die Unruhen eskalierten nach einer Blockade sozialer Medien; bei Zusammenstößen mit der Polizei starben nach Angaben aus dem Umfeld der Protestbewegung Dutzende Menschen, Tausende wurden verletzt. Der langjährige Premier K. P. Sharma Oli trat damals zurück – und kandidierte später erneut. Balen setzte sich nun gegen ihn durch und gewann nach Angaben aus Wahlkreisen sogar in dessen Hochburg Jhapa.
Als Bürgermeister hatte Balen mit Aufräumaktionen und einem harten Vorgehen gegen illegale Bauten wie auch gegen Straßenhandel polarisiert. Menschenrechtsorganisationen warnten vor einem »Durchregieren« mit der Polizei und forderten für die neue Regierung einen stärker regelbasierten Kurs.
Balen steht vor hohen Erwartungen. Er versprach einen entschlossenen Kampf gegen Korruption, Reformen der Justiz und die Schaffung von 1,2 Millionen Jobs. Unklar ist bislang, wie er das in einem wirtschaftlich angeschlagenen Land und mit einer außenpolitisch unerfahrenen Partei umsetzen will – Nepal ist zwischen Indien und China auf ein heikles Gleichgewicht angewiesen.
