Kurioser Platzverweis nach dem ersten Länderspieltor: Der israelische Stürmer Sayed Abu Farkhi hat mit seinem folgenschweren Eckfahnen-Torjubel für Wirbel gesorgt. Der 20-Jährige hatte sich beim Nations-League-Spiel in Österreich nach seinem Treffer zum 1:1 (55. Minute) eine Eckfahne geschnappt und mit ihr einen Billardstoß angedeutet. International wurde die Geste des Fußballprofis auch so interpretiert, als hätte er ein Gewehr angelegt.
Die Folge: Der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakov zeigte Abu Farkhi Gelb-Rot. Israel verlor das Spiel in Unterzahl noch 1:3.
Den Regeln nach kann ein Spieler verwarnt werden, wenn er sich beim Jubel provokativ, spöttisch oder aufrührerisch verhält. Darunter fällt auch ein Torjubel, bei dem Waffen imitiert werden. Womit der Platzverweis offiziell seitens der Schiedsrichter begründet wurde, war zunächst nicht bekannt.
Diese Art des Torjubels ist im Fußball nicht neu. Der ehemalige uruguayische Starstürmer Edinson Cavani feierte seine Treffer auch, indem er das Abfeuern eines Gewehrs nachstellte. Im Trikot von Paris Saint-Germain wurde er dafür einst vom Platz gestellt.
»Meine Schuld, dass ich es nicht gestoppt habe«
Auch wegen solcher Strafen sind ähnliche Torjubel selten geworden. Wobei Abu Farkhi offenbar aber auch kein neues Beispiel für ein solch pietätloses Feiern darstellt. Die Eckfahne legt er auf den Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger wie ein Billardqueue. Hier ist die Szene im Video zu sehen .
»Jedes Mal, wenn er ein Tor schießt, jubelt er genau so. Er hat noch nie dafür eine Gelbe Karte bekommen. Das ist seine Art, Tore zu bejubeln«, sagte Israels Chefcoach Ran Ben Shimon. »Er macht es immer wieder, es ist meine Schuld, dass ich es nicht gestoppt habe.«
Der Trainer habe nach dem Spiel zudem klargestellt, dass es sich nicht um eine Geste mit Bezug zu Waffen gehandelt habe, schrieb die Zeitung »Israel Hajom«. Der israelische Sender Channel 12 berichtete unter Berufung auf Teamkreise, dass sich Abu Farkhi entschuldigt, aber auch gesagt habe, dass dies sein üblicher Torjubel sei.
Scharfe Kritik von Österreichs Wimmer
Tatsächlich hatte Abu Farkhi, der seit Kurzem in der Major League Soccer für das US-Team Colorado Rapids spielt, in der Vergangenheit auch für seinen Ex-Club Maccabi Tel Aviv so gejubelt.
»Ich glaube, in der Phase, in der das Land steckt, beziehungsweise in der wir aktuell sind, ist das einfach dämlich«, sagte Österreichs Nationalspieler Patrick Wimmer von der TSG Hoffenheim über die viel diskutierte Szene. »Ich glaube, so etwas hat im Fußball generell nicht viel verloren – und gerade in der Situation, in der sie stehen, glaube ich, umso weniger.« Offenbar bezog sich Wimmer damit auf Israels Vorgehen in Gaza.
Die israelische Nachrichtenseite ynet verwies mit Blick auf die internationalen Reaktionen zum Torjubel darauf, dass Abu Farkhi Araber ist. Die arabische Minderheit macht in Israel mehr als 20 Prozent der Bevölkerung aus, viele israelische Araber empfinden große Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen.
