SpOn 08.10.2026
20:30 Uhr

Myanmar: USA sprechen nach jahrelanger Isolation offenbar wieder direkt mit Generälen in Myanmar


Die Demokraten sind entsetzt: Die Trump-Regierung hat wohl den Leiter der Geheimdienstabteilung im ​US-Außenministerium zu Gesprächen nach Myanmar geschickt. Kurz danach attackierte die Junta Zivilisten.

Myanmar: USA sprechen nach jahrelanger Isolation offenbar wieder direkt mit Generälen in Myanmar

Die US-Regierung geht Insidern zufolge nach jahrelanger Isolation direkt auf die Militärregierung in Myanmar zu. Eine zentrale Rolle bei der Kontaktaufnahme spiele dabei Michael Vance, Leiter der Geheimdienstabteilung im ​US-Außenministerium, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Er hat sich demnach Mitte September mit dem myanmarischen Juntachef Min ‌Aung Hlaing in der Hauptstadt Naypyidaw getroffen, um über die Freilassung des US-Geschäftsmannes Adam Castillo zu sprechen. Es war das hochrangigste Treffen von Regierungsvertretern beider Staaten seit dem Militärputsch in Myanmar vor fünf Jahren.

Ziel der Kontaktaufnahme sei es zunächst, gegen Einrichtungen vorzugehen, von denen aus in großem Stil mit Betrugsmaschen wie der Vortäuschung von romantischen Beziehungen Menschen in den USA finanziell ausgebeutet ​würden.

Die ⁠direkten Gespräche der Regierung von US-Präsident Donald Trump stellen eine Abkehr von der bisherigen US-Politik dar:

  • Nach dem Putsch 2021 hatten die USA unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden versucht, die Generäle zu isolieren und dazu Sanktionen ‌verhängt sowie Vermögenswerte eingefroren.

  • Juntachef Min Aung Hlaing steht weiterhin wegen Menschenrechtsverletzungen unter US-Sanktionen. ​

  • Die Regierung in Washington ‌hatte die Massentötungen und Vertreibungen von Hunderttausenden Rohingya-Muslimen als Völkermord eingestuft.

Auch nach dem Besuch von Michael Vance in Myanmar griff das Militär in Myanmar nach Angaben der Vereinten Nationen einen belebten Marktplatz im Bundesstaat Rakhine aus der Luft an. Dabei seien mehr als 50 Menschen getötet und zahlreiche weitere ‌verletzt worden.

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Das US-Außenministerium verteidigte den neuen Ansatz. Die US-Regierung stehe mit allen Gruppierungen in Myanmar in Kontakt und dringe auf ein Ende der Gewalt und eine Freilassung politischer Gefangener. »Man löst Probleme nicht, indem man ‌sie ignoriert, sondern indem man sie angeht«, teilte ​ein Sprecher mit. Ein Sprecher der myanmarischen Regierung antwortete ‌nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Regierung in Myanmar, die nach von ‌Menschenrechtsgruppen als Scheinwahl ​kritisierten Wahlen eingesetzt wurde, bemüht sich um internationale Legitimität.

Bei den oppositionellen Demokraten stößt der Kurswechsel auf scharfe Kritik. Der führende Demokrat im Auswärtigen ​Ausschuss des Repräsentantenhauses, Gregory Meeks, erklärte, die neue Politik stehe »sowohl unseren ⁠Werten als auch unseren Interessen« entgegen. Indem ​die Regierung ​mit Min Aung Hlaing verhandle, verschaffe sie dem »mörderischen Regime« größere internationale Legitimität.

dop/Reuters