SpOn 26.03.2026
12:56 Uhr

Münster: Heiner Wilmer wird neuer Bischof


Beinahe ein Jahr war das mitgliederstärkste deutsche Bistum ohne Führung. Nun ist Heiner Wilmer zum neuen Bischof von Münster ernannt worden. Der 64-Jährige gilt als Reformer.

Münster: Heiner Wilmer wird neuer Bischof

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wird neuer Bischof von Münster. Dies wurde am Mittag im Dom zu Münster bekannt gegeben, die Gläubigen dort reagierten mit langem Applaus auf die Bekanntgabe. Wilmer wechselt aus dem Bistum Hildesheim in das mitgliederstärkste deutsche Bistum. Papst Leo XIV. ernannte den 64-Jährigen zum Nachfolger des langjährigen Münsteraner Bischofs Felix Genn, der im März 2025 aus Altersgründen ausgeschieden war.

Der im Emsland geborene Wilmer war seit 2018 Bischof in Niedersachsen und wurde im Februar 2025 zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Wilmer soll am 28. Juni im Dom in Münster in sein Amt eingeführt werden. Das nach der Zahl der Katholiken größte deutsche Bistum ist seit knapp einem Jahr ohne Bischof. Wilmers Vorgänger Genn hatte den Papst zu seinem 75. Geburtstag gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.

Zum Bistum Münster gehören in Nordrhein-Westfalen das Münsterland bis zum Niederrhein und zum Nordrand des Ruhrgebiets sowie das Oldenburger Land in Niedersachsen.

Mehr zum Thema

In seiner rund 15-minütigen Ansprache nach der Ernennung äußerte sich Wilmer zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche. »Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut. Das alles darf es nie wieder geben«, sagte er unter starkem Applaus. Er kündigte an: »Ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist.«

Wilmer gilt als moderater Reformer, in seinem bisherigen Bistum in Niedersachsen werden auch alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt. Immer wieder hat sich der designierte neue Bischof in Münster auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral ausgesprochen. Die Möglichkeit zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare findet er gut.

Nach seiner Wahl zum Chef der deutschen Bischöfe am 24. Februar war Wilmer in ersten Interviews allerdings vage und zögerlich aufgetreten. Bei der Frage, wie möglicherweise Frauen in einer bisher männerdominierten Kirche eine stärkere Rolle spielen könnten, wies er auf die von Papst Franziskus initiierte Weltsynode hin und wurde nicht konkreter. Auf der anderen Seite setzt sich der 64-Jährige stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist.

Polyglotter Schöngeist, Bauernsohn, Papstversteher: Lesen Sie hier  mehr über Heiner Wilmer.

sol/dpa/AFP