SpOn 27.05.2026
16:55 Uhr

Moskau: Wegen Shisha auf Osterkuchen – Russin muss drei Jahre in Strafkolonie


Mit einem eigenwilligen Motiv auf einem russischen Osterkuchen wollte eine Angestellte einer Moskauer Shishabar einem Gast eine Freude machen. Dafür muss die junge Frau nun in Haft.

Moskau: Wegen Shisha auf Osterkuchen – Russin muss drei Jahre in Strafkolonie

Drei Jahre und 25 Tage muss eine junge Frau aus Russland in eine Strafkolonie. Ihr Vergehen: Sie postete auf Instagram ein Bild von einer Wasserpfeife auf einem traditionellen russischen Osterkuchen. Ein Gericht hat sie dafür nun verurteilt, wie mehrere Medien übereinstimmend aus dem Gerichtssaal meldeten.

Die Frau arbeitete in einer Shishabar in der russischen Hauptstadt Moskau. Dort hatte sie im April einem Gast seine Wasserpfeife auf einem Kulitsch (Osterkuchen) präsentiert und dazu einen Post auf Instagram veröffentlicht. Danach leiteten russische Behörden ein Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Verletzung religiöser Gefühle ein.

Im vergangenen Jahr war die Frau dem oppositionellen russischen Portal »Mediazona« zufolge wegen eines Drogenvergehens zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im Rahmen des neuen Verfahrens ordnete das Gericht demnach nun die Umwandlung der Bewährungs- in eine Haftstrafe an. Es blieb damit nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsentzug.

Verletzung der Gefühle von Gläubigen in Russland kann strafbar sein

Der Kulitsch ist ein traditionelles Ostergebäck in Russland, das die orthodoxen Christen zusammen mit den Ostereiern und einer Quarkspeise verzehren. Es markiert das Ende der Fastenzeit zum Ostersonntag. Oft lassen Gläubige den Kulitsch sogar vor Ostern von Priestern weihen.

Seit 2013 ist die Verletzung der Gefühle von Gläubigen in Russland strafrechtlich relevant. Auslöser war eine Performance der Gruppe Pussy Riot in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale.

»Jungfrau Maria, vertreibe Putin«, riefen drei Aktivistinnen damals. Sie wurden anschließend festgenommen, wenig später machte man ihnen den Prozess. Die Verhandlung und auch das Urteil sorgten für monatelangen Aufruhr in Russland – und für Fassungslosigkeit. Hier lesen Sie mehr dazu: »Die Verzweifelten von Moskau«

mkh/dpa