Christina Hebel, SPIEGEL:
»Wir sehen hier sehr viele Sicherheitskräfte. Schon allein, als ich heute Morgen aus meinem Haus kam, stand schon ein Polizist mit Sturmgewehr bereit.
Die Stimmung hier in Moskau ist angespannt. Die Parade war sehr viel kleiner. Es gab keine Waffen, keine Panzer, keine Raketen zu sehen, sondern nur Soldaten, die über den Roten Platz an Putin vorbeimarschierten.
Das alles zeigt, wie sehr hier die Furcht vor ukrainischen Angriffen mit Drohnen herrscht, die es im Land immer wieder gibt, aber auch, dass die Waffen an der Front gebraucht werden. Und man kann sagen, dass es ein Zeichen der Schwäche ist. Die russische Führung versucht so zu tun, als ob alles wie früher wäre, und beschwor den Zusammenhalt im Land nach vier Jahren Krieg gegen die Ukraine.
Wladimir Putin, Russischer Präsident:
»Die Fürsorge für das Vaterland vereint unser ganzes Land, alle Menschen Russlands.«
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Viele Russen haben den Krieg gegen die Ukraine lange verdrängt. Doch das funktioniert immer weniger. Denn zum einen fällt das mobile Internet immer wieder aus, auch heute, am Tag der Parade in Moskau, wurde es für viele Stunden abgeschaltet.
Zum anderen mehren sich die ukrainischen Angriffe mit Drohnen und Raketen auf Städte. Ich konnte mit Russen sprechen, die mir sehr deutlich gesagt haben, dass sie Angst haben.
Eine Frau aus Perm in Sibirien sagte mir, sie habe ständige Angst, weil sie eigentlich keinen Schutz in ihrer Stadt habe und nicht wisse, wie häufig diese Angriffe noch kommen werden. Sie frage sich, warum der Krieg in der Ukraine schon so lange dauere – länger als der Kampf und Sieg gegen Nazideutschland.«