SpOn 25.03.2026
06:57 Uhr

Meta: 375 Millionen Dollar Strafe im Prozess um junge Nutzer


Die US-Social-Media-Konzerne werden mit Klagen überzogen: Ihre Dienste seien für die Psyche vor allem junger Nutzer schädlich. Nun wurde der Instagram- und WhatsApp-Konzern zu einer ersten Strafe verurteilt.

Meta: 375 Millionen Dollar Strafe im Prozess um junge Nutzer

Der Facebook- und Instagram-Konzern Meta tut nicht genug für den Schutz junger Nutzer, wider besseres Wissen – zu diesem Schluss ist eine US-Jury in einem viel beachteten Gerichtsverfahren gekommen. Die Entscheidung ist verbunden mit einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar für Meta.

Meta habe gegen zwei Gesetze zum Verbraucherschutz des Bundesstaates New Mexico verstoßen, entschieden die Geschworenen eines Gerichts in Santa Fe dem Finanzdienst Bloomberg zufolge. Meta kündigte Berufung gegen das Urteil an. Man sei nicht einverstanden mit der Entscheidung und arbeite hart daran, die Nutzer zu schützen, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Das Urteil in New Mexico ist das erste zu einer Serie von Klagen gegen Meta und andere Onlineplattformen. In Los Angeles beraten die Geschworenen gerade in einem Prozess, in dem eine junge Frau Meta und der Google-Tochter YouTube vorwirft, deren Dienste seien bewusst so gestaltet worden, dass sie Nutzer süchtig machten.

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Die Klage in New Mexico wiederum war 2023 vom Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Raúl Torrez, eingebracht worden. Der Vorwurf: Der Konzern habe Profite über die Sicherheit der Nutzer gestellt und jungen Nutzern sowie deren Eltern Risiken verschwiegen.

Die Klage geht zum Teil auf Ermittlungen zurück, bei denen Torrez’ Angestellte sich auf Facebook und Metas Foto- und Videoplattform Instagram als Kinder ausgaben und dabei Belästigungen ausgesetzt waren.

Keine schnelle Änderung von Geschäftspraktiken

Die wegweisende Entscheidung ergeht nach einem fast sieben Wochen dauernden Prozess. Die Geschworenen in New Mexico folgten der Argumentation der Staatsanwälte, die sagten, dass Meta – der Eigentümer von Instagram, Facebook und WhatsApp – Gewinne über die Sicherheit gestellt habe. Meta habe »gewissenlose« Handelspraktiken betrieben und die Schwächen und mangelnde Erfahrung von Kindern in unzulässiger Weise ausgenutzt.

Meta wird an der Börse derzeit mit etwa 1,5 Billionen Dollar bewertet. Die Aktie des Unternehmens stieg nach dem Urteil im frühen nachbörslichen Handel um fünf Prozent – ein Signal dafür, dass die Aktionäre die Nachricht gelassen aufnahmen.

Der Social-Media-Konzern wird nicht sofort gezwungen sein, seine Praktiken zu ändern. Es liegt an einem Richter – nicht an einer Jury –, zu entscheiden, ob Metas Social-Media-Plattformen eine öffentliche Belästigung dargestellt haben und ob das Unternehmen für öffentliche Programme zur Bekämpfung der Schäden zahlen soll. Diese zweite Phase des Prozesses findet im Mai statt.

»Wir sind weiterhin von unserem Schutz für Jugendliche im Internet überzeugt.«

Meta-Sprecher nach Verkündung des Jury-Spruches

»Wir werden uns weiterhin mit Nachdruck verteidigen und sind weiterhin von unserem Schutz für Jugendliche im Internet überzeugt«, sagte ein Sprecher von Meta. Die Anwälte des Unternehmens erklärten, man weise auf Risiken hin und unternehme Anstrengungen, schädliche Inhalte und Erfahrungen zu entfernen. Sie räumten jedoch ein, dass einige schlechte Inhalte durch das Sicherheitsnetz schlüpften.

Social-Media-Plattformen sehen sich einer ganzen Welle von Rechtsstreitigkeiten über ihre Auswirkungen auf Kinder ausgesetzt. Lesen Sie hier  ein Interview mit einem der führenden Klägeranwälte, Matthew Bergman.

Mehr als 40 Generalstaatsanwälte haben vergleichbare Klagen gegen Meta eingereicht. Sie behaupten, das Unternehmen trage zu einer psychischen Gesundheitskrise bei jungen Menschen bei, indem es absichtlich süchtig machende Funktionen von Instagram und Facebook entwickelt habe.

mamk/dpa-AFX/AP