Ab dem 1. April 2025 können starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren einmal jährlich ein Lungenkrebs-Screening in Anspruch nehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Programm.
An wen richtet sich das Screening?
Wer Zigaretten raucht, hat ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Schätzungsweise 85 Prozent der Lungenkrebs-Erkrankungen werden durchs Rauchen verursacht.
Das neue Screening richtet sich an Menschen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang stark rauchen oder stark geraucht haben. Rauchpausen dürfen dabei nicht länger als zehn Jahre angedauert haben.
Teilnehmende müssen zudem auf mindestens 15 sogenannte Packungsjahre kommt. Ein Packungsjahr entspricht der Anzahl der Jahre, in denen eine Person raucht, multipliziert mit der Anzahl der täglichen Packungen (à 20 Zigaretten). Wer beispielsweise 30 Jahre lang durchschnittlich eine halbe Packung geraucht hat, kommt auf 15 Packungsjahre.
Schätzungen zufolge könnten etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland dieses Screening in Anspruch nehmen.
Wie kann man teilnehmen?
Raucherinnen und Raucher werden nicht zum Screening eingeladen, wie das bei der Mammografie der Fall ist. Und sie können auch nicht einfach selbst einen Termin machen wie beim Hautkrebs-Screening. Stattdessen klären Internisten, Allgemeinmedizinerinnen und Arbeitsmediziner, die an dem Programm teilnehmen, ob ein Patient oder eine Patientin einen Anspruch auf diese Früherkennung hat. Sie führen dann ein Gespräch über möglichen Nutzen und Schaden und überweisen an eine Radiologie-Praxis.
Was passiert bei der Untersuchung?
Mittels einer sogenannten Niedrigdosis-Computertomografie (NDCT) wird die Lunge untersucht. Diese Röntgen-Untersuchung bringt eine geringe Strahlenbelastung mit sich. Ist das Ergebnis unauffällig, folgt der nächste Untersuchungstermin zwölf Monate später.
Was erhofft man sich vom Screening? Was sind die Risiken?
Lungenkrebs wird etwa in drei Viertel aller Fälle erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Erkrankte haben dann oft eine schlechte Prognose. Fünf Jahre nach der Diagnose sind rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten verstorben, im Schnitt im Alter von 72 Jahren.
2023 erkrankten mehr als 58.000 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs, etwa 45.000 starben infolge der Krankheit. Lungenkrebs ist hierzulande die häufigste Krebs-Todesursache bei Männern, bei Frauen ist sie die zweithäufigste. Wird der Krebs früh entdeckt, sind die Heilungschancen deutlich besser.
Das Screening kann das Risiko verringern, an Lungenkrebs zu sterben. Von 1000 Teilnehmenden werden etwa fünf bis sechs vor einem Tod durch Lungenkrebs bewahrt. Allerdings führt die Früherkennung auch zu sogenannten Überdiagnosen: Es wird Krebs entdeckt, der sich im Laufe des Lebens nicht mehr bemerkbar gemacht hätte. Dies trifft sieben von 1000 Teilnehmenden.
Zudem erhöht das Niedrigdosis-CT aufgrund der Strahlenbelastung das Krebsrisiko.
Fachleute schätzen, dass weniger als drei von 1000 Raucherinnen und einer von 1000 Rauchern aufgrund der Untersuchung an Krebs erkranken, wenn alle der 25 möglichen Termine (Das Angebot richtet sich an Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, siehe oben) wahrgenommen werden.
Gibt es Kritik?
Ein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat bereits im Vorfeld vorgeschlagen , ehemalige starke Raucherinnen und Raucher nicht immer ab einem Alter von 50 Jahren zu screenen. Je nach Länge des Rauchstopps könnte die Teilnahme erst in späteren Jahren erfolgen. Gleichzeitig würden ihrer Strategie zufolge auch Menschen, die bereits seit mehr als 15 Jahren nicht mehr rauchen, von einem Screening profitieren, das allerdings erst mit 67 Jahren startet.
Geht das Screening jetzt schon los?
Nein, bis es überall genutzt werden kann, sei noch etwas Geduld erforderlich, lässt sich beim Gemeinsamen Bundesausschuss nachlesen . Sowohl die Ärztinnen und Ärzte, die Betroffene zum Screening überweisen, als auch die Radiologinnen und Radiologen benötigen noch Fortbildungen.
Wie stark belastet das die Krankenkassen?
Der Gemeinsame Bundesausschuss, der das Programm auf Kassenkosten einführt, sieht »Anhaltspunkte für die Wirtschaftlichkeit« der Maßnahme. Auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie sagte Wilfried Eberhardt vom Westdeutschen Tumorzentrum in Essen laut einer Mitteilung der Fachgesellschaft: Wenn Lungenkrebs früher diagnostiziert werde, profitiere das Gesundheitssystem finanziell. Denn teure Immuntherapien in metastasierten Spätstadien könnten durch kleinere oder sogar minimalinvasive Operationen, die in frühen Stadien des Lungenkrebses noch möglich sind, ersetzt werden.
