SpOn 19.05.2026
09:43 Uhr

Lululemon: Gründer Chip Wilson findet Marke uncool – Firma nennt ihn »fehlgeleitet«


Die Yoga- und Sportmarke Lululemon hat Beef mit ihrem umstrittenen Gründer: Der will Einfluss im Unternehmen zurückgewinnen. Die Marke fürchtet offenbar um ihr Image.

Lululemon: Gründer Chip Wilson findet Marke uncool – Firma nennt ihn »fehlgeleitet«

In wohl nur wenigen Unternehmen ist das Verhältnis zwischen Gründer und Firmenleitung so schlecht wie bei Lululemon. Nun wehrt sich die in der jungen Generation beliebte kanadische Sportmarke gegen einen mutmaßlichen Versuch ihres Gründers Chip Wilson, Einfluss im Unternehmen zurückzugewinnen: Lululemon hat die Vorschläge von Wilson zur Sanierung der Marke abgelehnt und ihn dabei scharf kritisiert, wie CNN  und andere Medien berichten.

Wilson hat demnach die Marke wiederholt als uncool bezeichnet und vorgeschlagen, den Vorstand umzustrukturieren. In einem Brief an die Aktionäre lehnte Lululemon Wilsons Ideen ab und erklärte, eine Zustimmung dazu auf der kommenden Aktionärsversammlung im Juni würde lediglich »seine fehlgeleiteten Ansichten unterstützen«.

Wilson habe »gezeigt, dass er weder das heutige Geschäft noch das Zukunftspotenzial der Marke vollständig versteht und sich weiterhin unnachgiebig auf die Vergangenheit konzentriert«, erklärte Lululemon. »Seine Vision für Lululemon scheint in der Zeit stehen geblieben zu sein; er betrachtet Lululemon durch die Brille eines Gründers, der seit über einem Jahrzehnt nicht mehr im Vorstand sitzt und seit fast 15 Jahren keine operative Verantwortung mehr im Unternehmen trägt.«

Lululemon ist seit der Gründung 1998 mit Yogakleidung groß geworden und hat den Trend, Sportkleidung auch im Alltag zu tragen, maßgeblich mitgeprägt. Gründer Wilson bezeichnet sich gar als »Erfinder von Athleisure«, so wird die Kategorie genannt, die Sportbekleidung (»Athletic« für »sportlich«) und Freizeitkleidung (»Leisure wear«) mischt. Doch inzwischen steckt die Marke in einer Krise. Neue, starke Konkurrenten und sparsamere Kunden erschweren ihr die Verkäufe. Dazu kommen hausgemachte Probleme.

Fatshaming durch den Gründer

So ziehen sich etwa Beschwerden von Kundinnen, die verkauften Leggings seien zu durchsichtig, durch die Firmengeschichte. Das hatte bereits Wilsons damaligen Abgang beschleunigt : 2013 behauptete Wilson, die nicht blickdichten Leggings lägen an den Kundinnen – weil die Oberschenkel bei manchen Frauen aneinander rieben. »Die Körper einiger Frauen funktionieren einfach nicht mit Leggings von Lululemon«, sagte Wilson und suggerierte damit, Lululemon sei nur für dünne Frauen. Zuvor hatte er bereits Verständnis für Kinderarbeit geäußert. Die Leggingsäußerung beschleunigte seinen endgültigen Abschied, 2015 zog er sich ganz aus der Führung zurück.

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Wilson ist aber noch immer der zweitgrößte Anteilseigner des Unternehmens. Im vergangenen Dezember hatte Lululemon angekündigt, dass der bisherige CEO Calvin McDonald im Januar zurücktrete. Wilson hatte daraufhin drei neue Mitglieder für den Vorstand von Lululemon vorgeschlagen, darunter Führungskräfte des US-Sportsenders ESPN und des Gaming-Unternehmens Activision Blizzard. Wilson erklärte, diese seien notwendig, um »Lululemon neu zu definieren«.

In den vergangenen Jahren hat Wilson die Strategie der Marke immer wieder angegriffen und etwa misogyne Kommentare abgegeben. In einem 2024 erschienenen Artikel von »Forbes« etwa kritisierte Wilson, dass das Unternehmen Models mit unterschiedlichen Körperformen einsetzte, die seiner Meinung nach »ungesund«, »kränklich« und »nicht inspirierend« wirkten.

Inzwischen hat die Firma die frühere Nike-Managerin Heidi O’Neill zur CEO ernannt, sie soll im September starten.

kko